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Eurovision Song Contest: Amnesty setzt SF unter Druck

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 30.11.2011 1 Kommentar

Die Bands sollen in der Vorausscheidung auf die politische Lage in Aserbeidschan aufmerksam machen. Doch das verstösst gegen die Regeln.

Holten den Eurovision Song Contest 2012 nach Aserbeidschan: Ell/Nikki gewannen im Mai in Düsseldorf.

Holten den Eurovision Song Contest 2012 nach Aserbeidschan: Ell/Nikki gewannen im Mai in Düsseldorf.
Bild: Keystone

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Am 10. Dezember küren Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) den Schweizer Finalteilnehmer des Eurovision Song Contest (ESC) in Aserbeidschans Hauptstadt Baku. Dass das Finale dort ausgetragen wird, ist Amnesty International (AI) ein Dorn im Auge. Insbesondere die Meinungsäusserungsfreiheit ist laut der Menschenrechtsorganisation stark eingeschränkt – Kritik an der Regierung wird mit Gefängnisstrafe bedroht.

Darüber orientierte AI Schweiz vergangenen Freitag alle 14 Teilnehmer der Vorausscheidung mit einem Brief, dem ein Ansteckbutton mit der Aufschrift «Free Me» beigelegt war. Die Acts, darunter bekannte Namen wie Lys Assia, Emel oder Fabienne Louves, sollten diesen während der Liveübertragung in der Kreuzlinger Bodensee-Arena tragen und so darauf aufmerksam machen, «dass Künstler nicht in allen Ländern davon singen können, was die Menschen bewegt».

Ein «Maulkorb aus Plüsch»

Damit brachte Amnesty die Künstler in die Bredouille und SRF unter Druck. Zwei der Teilnehmer wollten dem Anliegen von AI nachkommen. Einer stellte sogleich ein Bild von sich mit dem «Free Me»-Button auf Facebook – ein anderer wollte sich via Twitter mit den übrigen Teilnehmern auf eine gemeinsame Aktion absprechen. Auf diese Einträge reagierte am Freitagnachmittag «20 Minuten online» mit einer Anfrage bei SRF, was man von den geplanten politischen Kundgebungen der Teilnehmer auf der ESC-Livebühne halte. Die Antwort: wenig. Der ESC sei ein kultureller, kein politischer Anlass.

Darauf reagierte SRF schnell: Noch am Freitagabend erhielten alle Teilnehmer eine E-Mail vom Medienverantwortlichen Bernard Strapp, wie sie auf den AI-Brief reagieren sollten. Zwar sei es jedem freigestellt, nach eigenem Ermessen zu handeln, schrieb Strapp. Doch er riet den Teilnehmern: «Es wäre richtig, zurückhaltend zu reagieren und sich ein Urteil über das Gastgeberland Aserbeidschan erst nach eurem Besuch in Baku im Mai 2012 zu bilden.»

Daniel Graf, Pressesprecher von AI Schweiz, bezeichnet das Ratgeber-E-Mail als «Maulkorb aus Plüsch» und den zitierten Satz als «zynisch». «Die Künstler werden sich während des ESC kein Bild von den realen Verhältnissen in Aserbeidschan machen können. Und es kommt klar zum Ausdruck, dass sie sich bis zum Abschluss des ESC nicht zur Frage äussern sollen», sagt Graf.

Nichts gehört, nichts gesehen

Strapp will hingegen nicht von einem Maulkorb sprechen. «Jeder kann sagen und tun, was er will, aber die ESC-Regeln schliessen politische Stellungnahmen oder Liedtexte aus», sagt Strapp. Die E-Mail sei eine Reaktion auf entstandene Unsicherheiten gewesen.

Dennoch hält man sich an Strapps Instruktionen. Fabienne Louves' Manager sagt auf Anfrage, weder er noch Louves hätten vom AI-Brief oder vom Strapp-Mail Kenntnis. Die übrigen angefragten Künstler möchten sich ebenfalls nicht weiter exponieren.

Amnesty-Sprecher Graf greift derweil zum nächsten Kniff, um die «Free Me»-Buttons in die Livesendung am 10. Dezember zu bringen. Er will 1000 der Buttons an die Zuschauer verteilen und sie dazu anhalten, diese während der Show gut sichtbar zu tragen. So kommt SRF vom Regen in die Traufe. Denn nicht nur die ESC-Regeln verlangen eine politfreie Show. SRF würde auch eine Busse des Bundesamts für Kommunikation riskieren, wenn Bilder von Zuschauern mit dem Button gesendet würden. «Das wäre politische Werbung, die laut SRG-Konzession verboten ist», sagt Strapp. Zwar sei es Grafs gutes Recht, die Buttons zu verteilen, man müsse jedoch die Zuschauer dazu anhalten, diese während der Liveübertragung abzunehmen.

Vorausscheidung am Tag der Menschenrechte

Amnesty International will die Aktion dennoch durchziehen. «Es braucht Öffentlichkeit im Vorfeld der Endausscheidung in Baku, damit der ESC einen Beitrag zur Verbesserung der Menschenrechtslage in Aserbeidschan leisten kann», sagt Graf. SRF, das die Vorausscheidung ausgerechnet auf den Internationalen Tag der Menschenrechte gelegt hat, kommt Amnesty da entgegen. Pascal Scherrer, Publizistischer Leiter von Radio DRS 3, sicherte Graf noch gestern Abend eine kritische Berichterstattung zu Aserbeidschan im Vorfeld des ESC zu. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.11.2011, 11:23 Uhr

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1 Kommentar

Marianne Keller

02.12.2011, 12:45 Uhr
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Soll in einer so seichten, oberflächlichen, Sonnenschein-Liebe-heile-Welt-Schnulzen-singende Veranstaltung auf so etwas wie die Menschenrechte in Aserbeitschan hingewiesen werden? Pflichtkür, welche da ist, um der unerträglichen Träller-Seichtigkeit einen seriösen Anstrich zu geben? Hilft sicher. Antworten



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