Es gibt kein Entkommen auf dem Liebesboot

Zwei Bernerzeitung.ch/Newsnet-Reporterinnen wagten sich mit zusammen 400 Singles auf eine Schiffsfahrt. Ihr Fazit: Der Blick auf den Zürichsee ist eine Wohltat.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Wetsch min Salami?» wird Mann mehrmals an diesem Abend fragen. Einen solchen erhält das vermeintlich starke Geschlecht am Eingang, zusammen mit einem knackigen Bürli. Frau dagegen wird mit einem roten Champagnertäschchen begrüsst - mit zwei Gläsern für das Tête-à-tête. Die Willkommensgeschenke auf dem Single-Schiff suggerieren: Sie muss zuerst abgefüllt werden, bevor es um die Wurst gehen kann.

Jeder ist solo

Willkommen auf dem Single-Party-Schiff, das die Zürcher Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) organisiert hat. Die MS Panta Rhei ist an diesem Samstagabend mit fast 400 Besuchern ausgebucht - und jeder auf dem ist Schiff solo. In der Schlange beim Ticketschalter tummelt sich nicht nur ein Meer von grauen Haaren, nein, auch zahlreiche junge Leute hoffen, auf diesem Weg die ganz grosse Liebe zu finden. Das Schiff bietet eine erfrischende Abwechslung im Zeitalter der Online-Partnerbörsen und ich will herausfinden, ob es denn auch wirklich eine gute Alternative ist.

Die ZSG kündigte an, für ein ausgewogenes Verhältnis der beiden Geschlechter zu sorgen - und es gelingt. Frauen kommen in Gruppen und sind fast zahlreicher als die Männer. Ein Single-Mann meint dann auch: «Fraue sind ebe offener für so öppis!» Ja, Frauen investieren mehr in die Suche nach Mr. Right. Dafür nehmen wir auch eine Single-Party auf einer schwimmenden Insel in Kauf.

Das stille Örtchen

Nach nicht einmal zwei Minuten ist es vorbei mit der Einsamkeit. Eigentlich super, denke ich. Nur, was ist, wenn nach zwei Minuten schon klar wird: Der Traumprinz, das ist ein anderer? Spätestens dann wird es zum Problem, dass auf dem Schiff ein Entrinnen praktisch unmöglich ist.

Zum Glück gibt es auf der Panta Rhei auch ein WC. Wir Frauen müssen ja so oft dahin. Allerdings erweisen sich Fluchtversuche als zwecklos! Denn immer wieder tauchen die altbekannten Gesichter auf - jene, von denen ich mich aus mehr oder weniger fadenscheinigen Gründen unlängst verabschiedet habe. So wechsle ich von der überaus vollgestopften Tanzfläche immer wieder auf das stille Örtchen, dorthin, wo sicherlich kein Frosch im Traumprinzenkostüm wartet.

Balzen ist anstrengend

Als ich mich so umhöre, wird trotzdem schnell klar: Alle «finden es toll», die Stimmung und Zürich natürlich. Nur, dass die Suche nach der richtigen Partnerin oder dem richtigen Partner in der Schweizer Metropole nicht ganz so einfach ist. Neben Züridütsch wird auch Spanisch, Englisch, Hochdeutsch oder Bulgarisch gesprochen. Sehr international.

Die knackigen Bürlis, so scheints, sind eh nicht alle auf der Suche nach der Traumfrau. Sich ein bisschen umgucken, das reicht schon. Und das kann ich auf der Pantha-Rei ohne Probleme. Denn jeder schaut, versucht einen Blick zu erhaschen oder zwinkert mir sogar zu. Das wird plötzlich furchtbar anstrengend - es ist schwieriger als gedacht, sich den Blickkontakten zu entziehen. Richtig wohltuend finde ich da den Blick auf den Zürisee.

Nach zweieinhalb Stunden ist der Ausnahmezustand für einen Preis von 43 Franken wieder vorbei. Die schwimmende Single-Insel fügt sich wieder dem Festland an und einige der bekannten Gesichter ziehen noch weiter. Im September soll das Single-Party-Schiff wieder ablegen. Dann geht das Spiel mit der Salami wieder los und aus der MS Pantha Rhei wird wieder die offizielle Hochburg der Balzerei.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2010, 11:45 Uhr

Werbung

60anni Primitivo Di Manduria

Qualitätswein und ein attraktiver Preis müssen sich nicht widersprechen. Jetzt im OTTO’S Webshop!

Kommentare

Blogs

Foodblog So kombiniert man orangen Wein

Serienjunkie Papa ist anders

Die Welt in Bildern

Aufgetischt: An der Haustiershow in Tokio riecht ein Hund an einem organischem Hundeessen. Wir wünschen einen guten Appetit (30. März 2017)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...