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«Eine ziemliche Frechheit»

Von Valérie Duby, Le Matin. Aktualisiert am 13.09.2011 28 Kommentare

Einen Tag nach dem spektakulären Überfall auf eine UBS-Filiale in Genf wird klar, mit welcher Dreistigkeit der Täter vorging – auch wenn sein Plan scheiterte. Ein Augenschein am Tatort.

Auf dem Boden sind noch Blutspuren zu sehen: Überfallene UBS-Filiale in Genf.

Auf dem Boden sind noch Blutspuren zu sehen: Überfallene UBS-Filiale in Genf.
Bild: Christian Bonzon

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«Er war blond. Und gross. Er trug einen Anzug mit Krawatte»: Das berichtet Jo, ein Anwohner des Genfer Quartiers Cornavin und Augenzeuge des gescheiterten Überfalls auf eine UBS-Filiale. Die Beschreibung entspricht dem Mann, der gestern Morgen die Bank gegenüber dem Bahnhof Cornavin überfallen hat. Ein Ort, an dem jeden Tag Tausende von Menschen vorbeikommen.

«So etwas mitten am Tag, das ist eine ziemliche Frechheit. Das zeigt, dass die wirklich vor nichts mehr zurückschrecken», meint Fabrice. Der 38-jährige Lottoverkäufer konnte die Szene von seinem Kiosk aus beobachten: «Seltsam. Es gab keinen Lärm. Keine Hilferufe. Plötzlich sah ich zwei Männer am Boden, einer war verletzt. Aber wissen Sie, das sieht man so oft im Quartier, dass man gar nicht mehr darauf achtet!» Während er Lose verkauft, sagt er wie zu sich selbst: «Ich verstehe nicht, wie das passieren konnte.»

Geldbote leistet Widerstand

Zum Ablauf dieses gescheiterten Überfalls weiss man heute Folgendes:
Es ist 10:22 Uhr, als ein Mann mit einem Revolver einen Bankangestellten angreift, der eine grosse Summe Geld auf sich trägt. Die Höhe des Betrags? Man spricht von zwei Millionen – allerdings ohne Bestätigung seitens der UBS. Offenbar findet der Angriff vor dem Personaleingang der Rue Pradier statt, gegenüber dem Starbucks-Café - am Boden sind noch Blutspuren zu sehen.

Der Geldbote leistet Widerstand. Ein Kampf entsteht. Der Bote bekommt wohl einen Kolbenschlag auf den Kopf. Der Dieb versucht zu fliehen. Ein Sicherheitsbeamter der Firma GPA eilt herbei, stürzt sich auf den Räuber und kann ihn überwältigen.

Die Polizei wird um 10:26 Uhr gerufen und ist weniger als drei Minuten nach dem Alarm zur Stelle. Der Mann wird verhaftet und auf den Posten der Kriminalpolizei gebracht. Der Tatort wird abgesperrt. In wenigen Minuten sammeln sich Schaulustige um die Sicherheitsschranken. Augenzeuge Jo bemerkt einen grossen schwarzen Sack – es handelt sich um die Beute – gleich neben seinem schwarzen Scooter, der in der Rue Pradier am Boden liegt. Die UBS Cornavin bleibt bis 14 Uhr geschlossen.

«Der verletzte Mitarbeiter wurde ins Spital gebracht», sagt Jean-Raphael Fontannaz, Sprecher der Bank. In einem speziellen Raum versammelten sich die Angestellten, die sich – noch ziemlich schockiert von den Ereignissen – auch einen Tag später kaum gesprächig zeigen. «Wir wurden sowieso angewiesen, zu schweigen», meint einer der Angestellten.

Schiesserei mitten auf der Strasse

Der Täter wurde gestern Nachmittag von der Kriminalpolizei verhört. Hatte er Komplizen? Wurde er durch eine interne Quelle über die Lieferung einer grossen Summe informiert? Viele Fragen, auf die es zurzeit keine Antworten gibt. «Die Untersuchung wird von der Staatsanwaltschaft geführt, wir geben keine Informationen weiter», sagte der Genfer Polizeisprecher Jean-Philippe Brandt.

Der Fall zeigt, dass Banditen beim Begehen ihrer Verbrechen immer dreister werden. Am 26. November wurde die Wechselstube der Migros in der Gemeinde Thonex um 18:30 Uhr genau gegenüber dem Polizeiposten überfallen. Ein Anschlag , der in einer Schiesserei mitten auf der Strasse endete. Einer der Verbrecher wurde am gleichen Abend festgenommen. Die anderen befinden sich weiterhin auf freiem Fuss.

Übersetzung: Sibylle Bühler Beltran (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.09.2011, 15:32 Uhr

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28 Kommentare

marie-lou krebs

13.09.2011, 15:52 Uhr
Melden 77 Empfehlung 0

die verbrecher werden immer dreister, brutaler und skrupelloser und die gesetze sind nicht wirklich strafen für sie, sondern eher belohnung. bereits der oberstaatsanwalt von genf, äusserte in der presse, dass endlich handlungsbe- darf bestehe, damit es nicht zu noch mehr delikten kommen wird. Antworten


Tobi Frohler

13.09.2011, 16:32 Uhr
Melden 71 Empfehlung 0

"Plötzlich sah ich zwei Männer am Boden, einer war verletzt. Aber wissen Sie, das sieht man so oft im Quartier, dass man gar nicht mehr darauf achtet!"
Und das am hellichten Tag. Weit haben wir es gebracht. Wir brauchen noch mehr kulturelle Bereicherung, das reicht noch lange nicht!
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