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Die nächste Katastrophe

Aktualisiert am 01.04.2010 20 Kommentare

Während die internationale Gemeinschaft noch mit dem Wiederaufbau von Haiti beschäftigt ist, warnen Geologen bereits vor dem nächsten grossen Erdbeben - in einem anderen verarmten Land der Welt.

Gefährdet: Nepals Hauptstadt Kathmandu.

Gefährdet: Nepals Hauptstadt Kathmandu.

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Gefährdet ist demnach Nepals Hauptstadt Kathmandu. Ein Erdbeben in dem Entwicklungsland Nepal sei nur eine Frage der Zeit, sagen Experten. 2,5 Millionen Menschen, die dort in armseligen Behausungen wohnen, drohten Erdstösse einer vielfachen Stärke des Bebens von Haiti, bei dem am 12. Januar mehr als 220'000 Menschen umkamen.

«Aus geologischer Sicht ist die Gefahr sehr gross», sagt Risikoforscher David Petley von der britischen Durham-Universität. Nepal liegt auf der Grenze zweier tektonischer Platten, die sich über Millionen von Jahren hinweg aufeinander zubewegt und den Himalaya gebildet haben.

Das von Bürgerkrieg, Armut und politischen Krisen geplagte Land hat seit Jahrzehnten kein grösseres Beben mehr erlebt, es ist deshalb völlig unvorbereitet für den Ernstfall.

Seit hundert Jahren kein Beben

«Im Westen von Kathmandu laufen Prozesse ab, die unweigerlich zu Erdbeben führen», sagt Petley. Seit hunderten Jahren gab es dort kein Beben mehr - je grösser diese Pause aber ist, desto stärker dürfte das nächste werden.

Auch andere grössere Städte in der Region sind in Gefahr, doch laut einer Studie der US-Forschergruppe Geohazards International drohen in Kathmandu die grössten Schäden: Sie listet vor allem die schlechte Bausubstanz auf, eine schwache Infrastruktur sowie die Tatsache, dass die Stadt auf den Sedimenten eines früheren Sees errichtet wurde.

Wie Haitis Hauptstadt Port-au-Prince verfügt Kathmandu nur über einen kleinen Flughafen mit einer einzigen Rollbahn, hat im Gegensatz zur haitianischen Hauptstadt aber keinen Hafen. Die drei Strassen, die in die Stadt führen, wären bei einem schweren Beben wahrscheinlich schnell zerstört.

Schlechte Infrastruktur

Zehn Jahre Bürgerkrieg und die anschliessende politische Instabilität haben ihre Spuren hinterlassen: In ganz Kathmandu gibt es nur sechs einsatzfähige Feuerwehrautos; nur wenige Krankenhäuser und Regierungsgebäude würden einem Beben standhalten. «Haiti hat aber gezeigt, wie schwer sich Hilfe organisieren lässt, wenn Regierung und Infrastruktur nicht mehr funktionieren», sagt Petley.

Der Geologe Amod Mani Dixit arbeitete für ein Regierungsprogramm zur Vermeidung von Erdrutschen, als 1988 ein Beben der Stärke 6,5 den Osten des Landes erschütterte. «Es war nur ein mittelstarkes Erdbeben, aber die Folgen waren schwer.

Es tötete 720 Menschen und verursachte Schäden in Höhe von fünf Milliarden Rupien (rund 71 Millionen Franken), ein Viertel des damaligen Bruttoinlandsprodukts», sagt Dixit.

Schulen in Gefahr

Dixit fand heraus, dass keine einzige öffentliche Schule ein schweres Beben überstehen würde. Deshalb gründete er eine Organisation, die Schulen erdbebensicher machen soll.

Doch es müsse viel mehr getan werden, mahnt der Geologe: «Es sind nicht nur die Gebäude - mangelnde Kenntnisse und mangelnde Vorbereitung sind mindestens genauso gefährlich». Die Nepalesen seien traditionell «schicksalsergeben». Das zu ändern, sei schwierig.

Zwar hatte die Regierung schon 2003 neue Bauvorschriften erlassen, um Gebäude bebensicherer zu machen. Doch die Regeln würden oft missachtet, räumt Amrit Man Tuladhar ein, der Chef des nepalesischen Erdbebenprogramms. Ihn sorgen vor allen die älteren Gebäude. «Viele Bauten sind sehr alt. Mehr als 80 Prozent von ihnen könnten einstürzen,» sagt Tuladhar.

Das letzte grosse Beben mit einer Stärke von 8,4 auf der Richterskala erschütterte 1934 den Osten Kathmandus - 8500 Menschen in Nepal und im benachbarten Indien wurden getötet. (bru/sda/Claire Cozens)

Erstellt: 01.04.2010, 08:30 Uhr

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20 Kommentare

Francis Gibel

01.04.2010, 08:31 Uhr
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Der Artikel beschreibt die Gefahren, Risiken und "macht" auch Angst. Nur, was ist jetzt die genaue Lösung für dieses Gebiet? Grösseren Flughafen bauen, neue, erdbebensichere Zufahrtsstrassen? Soll alles abgerissen werden und durch neue, erdbebensicherere Häuser ersetzt werden? Oder soll gar die Bevölkerung schon jetzt evakuiert werden? Antworten


Roger Wietlisbach

01.04.2010, 09:23 Uhr
Melden

Das nächste grosse Beben: Istanbul,als nächstes wahrsch. Los Angeles! Antworten



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