Die grosse Kälte kommt erst noch
Kältepatrouille hilft Obdachlosen
Tiefe Temperaturen, wie sie derzeit herrschen, können für obdachlose Randständige zu einer heimtückischen Falle werden. Dann nämlich, wenn diese in der klirrenden Kälte übernachten. Die Stadt Zürich schickt darum in jedem Winter sogenannte Kältepatrouillen auf den Weg.
Für die nächtlichen Patrouillen zuständig ist Sicherheit Intervention Prävention sip züri. Die Abteilung des Sozialdepartements kombiniert aufsuchende Sozialarbeit mit ordnungsdienstlichen Aufgaben.
Aufgesucht werden einschlägige Plätze, die als Rückzugsorte von Obdachlosen bekannt sind. «Eine Kältepatrouille trifft durchschnittlich rund ein Dutzend Personen an», sagte Christian Fischer, Betriebsleiter von sip züri, am Dienstag auf Anfrage. Diese Leute fordere man dann auf, zur Heilsarmee, in die Notschlafstelle oder den «Pfuusbus» der Sozialwerke Pfarrer Sieber zu wechseln.
Die über die Schweiz hereinbrechende Kältewelle verfolgt sip züri aufmerksam, wie Fischer weiter sagte. Grössere Anpassungen am Konzept seien aber nicht nötig. «Wir machen das seit Jahren».
Auch im kleineren Winterthur ist man wegen der tiefen Temperaturen nicht alarmiert. «Wir haben bisher nie Probleme gehabt», sagte Ernst Schedler, Leiter der städtischen Sozialen Dienste.
Zudem gebe es nur ganz wenig Leute, die obdachlos sind. Ein Vorteil Winterthurs sei auch, dass sich die Einwohnerinnen und Einwohner kennen. Anders als in Zürich kämen Randständige oftmals bei Bekannten unter. «Winterthur ist halt fast ein Dorf», so Schedler. (sda)
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Die Vorboten der Eiseskälte machen sich in der Schweiz schon in der Nacht auf Dienstag bemerkbar. So wurden im Mittelland nach Auskunft von Meteo Schweiz verbreitet zwischen minus 7 und minus 1 Grad gemessen. Die Spitzenwerte verzeichnet der Wetterdienst mit minus 16 Grad im Engadin und mit minus 12 Grad im Goms im Oberwallis. Es wird aber noch kühler. Für das Wochenende rechnet der Wetterdienst im Mittelland verbreitet mit Temperaturen zwischen minus 7 und minus 10 Grad. Eine Bise wird das Kältegefühl noch intensivieren.
Geschneit hat es in der Nacht vor allem in der West- und Südschweiz. In den letzten 24 Stunden bis Dienstagmorgen fielen in Genf 5 Zentimeter, in anderen Gebieten der Romandie drei Zentimeter. In Locarno-Monti wuchs die bestehende Schneedecke um 4 auf 18 Zentimeter an. Auch in anderen Gebieten schneite es. Auf dem Zürichberg etwa wurden 3 bis 5 Zentimeter Neuschnee gemessen, in Basel und Bern gingen je ein Zentimeter nieder.
In den Alpen erhöhte sich die Schneedecke nur leicht, in Adelboden zum Beispiel um 4 auf 72 Zentimeter, in Blatten VS um 4 auf 166 Zentimeter. In Ulrichen im Goms erreichte die Schneedecke nach einem «Zuschlag» von 2 Zentimetern inzwischen 208 Zentimeter.
Kältepatrouillen für Obdachlose
In Osteuropa sind Dutzende Obdachlose wegen der Kältewelle gestorben. Hunderte weitere Menschen mussten sich wegen Erfrierungen und Unterkühlung in ärztliche Behandlung begeben. Tiefe Temperaturen, wie sie derzeit herrschen, können für obdachlose Randständige zu einer heimtückischen Falle werden. Dann nämlich, wenn diese in der klirrenden Kälte übernachten. Verschiedene Kantone haben deshalb Massnahmen ergriffen.
Das Sozialdepartement der Stadt Zürich schickt in jedem Winter «Kältepatrouillen» auf den Weg. Diese suchen einschlägige Plätze auf, die als Rückzugsorte von Obdachlosen bekannt sind.
«Eine Kältepatrouille trifft durchschnittlich rund ein Dutzend Personen an», sagte Christian Fischer, Betriebsleiter von sip züri, am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Diese Leute fordere man dann auf, zur Heilsarmee, in die Notschlafstelle oder den «Pfuusbus» der Sozialwerke Pfarrer Sieber zu gehen.
Gassenarbeiter in Bern
In Bern passen die Gassenarbeiter des städtischen Pinto-Teams schon seit Jahren in besonders kalten Nächten ihre Routen an und verlängern sie bis 5 Uhr morgens. Stets ein Ziel sind die Abfahrtsstellen der «Moonliner»-Nachtbusse, um den dort Gestrandeten beizustehen.
Nicht die paar wenigen Obdachlosen von Bern gäben in kalten Nächten Anlass zu Sorge, sagt Teamleiter Silvio Flückiger auf Anfrage. Die seien in der Regel gut ausgerüstet, und zu ihnen bestehe Kontakt. Gefährdet sei jedoch das häufig nur sehr leicht bekleidete und zuweilen alkoholisierte junge Partyvolk.
Zusätzliche Betten in Genf
80 zusätzliche Betten werden zurzeit in Genfer Notunterkünften bereitgestellt. Diese Massnahme wird immer dann eingeleitet, wenn über eine längere Zeitperiode eisige Temperaturen erwartet werden. Die restlichen 200 Plätze sind aktuell alle besetzt.
Der Sozialdienst in Lausanne prüft die Möglichkeit, während Kältewellen zusätzliche Betten anzubieten. Im Moment gibt es in der Stadt 100 Plätze in drei verschiedenen Unterkünften.
Zahlreiche Unfälle
Schon am Dienstag ist es auf den Schweizer Strassen aufgrund der schwierigen Wetterverhältnisse zu zahlreichen Unfällen gekommen. In Zufikon AG geriet eine 19-jährige Autolenkerin auf glatter Strasse ins Schleudern und prallte frontal in ein korrekt entgegenkommendes Fahrzeug. Die Junglenkerin erlitt leichte Verletzungen. Der Sachschaden beläuft sich laut der Aargauer Kantonspolizei auf 1500 Franken.
Die Kälte führt auf den Strassen zu gefährlichen Verhältnissen. So fiel auf der A1 bei Kestenholz SO am Montag eine Eisplatte von einem Lastwagen auf die Frontscheibe eines Autos. Verletzt wurde niemand. Gegen den Chauffeur des Lastwagens wurde Strafanzeige eingereicht, wie die Solothurner Kantonspolizei am Dienstag mitteilte.
Die Polizei ruft Chauffeure angesichts der Minustemperaturen dazu auf, ihre Lastwagen vor der Fahrt von Eis und Schnee zu befreien.
Flughafen Zürich gerüstet
Der Neuschnee und die einziehende Kälte in der Schweiz haben bisher kaum Auswirkungen auf den Flugverkehr. Am Morgen verkehrten die Flugzeuge in Genf und Zürich mit maximal einer halben Stunde Verspätung, weil die Pisten vom Schnee befreit werden mussten.
Auf den Start- und Landepisten des internationalen Flughafens in Genf waren um sieben und um zehn Uhr Schneeräumungsfahrzeuge unterwegs. Die 15 Minuten dauernde Aktion werde nun alle drei Stunden wiederholt, sagte Bertrand Stämpfli, Mediensprecher des Flughafens, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.
Enteisungsvorgänge brauchen Zeit
Auch der Flughafen Zürich ist auf den Winter vorbereitet. Wie in Genf fürchtet man sich dort weniger vor der Kälte als vor dem Schnee. «Für die Flugzeuge sind tiefe Temperaturen nie ein Problem», sagte Sonja Zöchling von der Medienstelle der Flughafen Zürich AG.
An den Flughäfen Genf und Zürich sind keine speziellen Massnahmen notwendig. «Einzig die Enteisungsvorgänge an den Flugzeugen brauchen etwas Zeit, das kann zu kleineren Verspätungen führen», sagte Zöchling.
Kältewelle: 36 Tote in Europa
Ausläufer der sibirischen Kälte haben auch Griechenland erreicht. Wie das griechische Wetteramt mitteilte, wurden in Nordgriechenland Temperaturen von minus zwölf Grad Celsius gemessen. Zahlreiche Schulen blieben geschlossen. Viele Fährverbindungen fielen wegen stürmischer Winde in der Ägäis aus. In Athen herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt. In der griechischen Hauptstadt, in der unter anderem auch wegen der Finanzkrise 20'000 Menschen obdachlos sind, wurden Hallen geöffnet, damit diese Menschen Zuflucht finden können.
Helfer versorgten Obdachlose auf den Strassen mit warmen Getränken, Decken, Schlafsäcken, wie das Fernsehen berichtete. Dies galt auch für die nordgriechische Hafenstadt Thessaloniki. Das Wetteramt warnte vor einer weiteren Verschlechterung des Wetters. Sogar auf Kreta sollte es in den kommenden Tagen schneien, hiess es.
In Osteuropa hat die Kältewelle bislang mindestens 36 Menschen das Leben gekostet.
Krisenstab eingerichtet
Allein in der Ukraine sind in den vergangenen Tagen nach Behördenangaben 30 Menschen erfroren. Die meisten Toten wurden erfroren auf den Strassen aufgefunden, wie das Katastrophenschutzministerium auf seiner Website mitteilte. Noch am Vortag hatten die Behörden die Zahl der Kältetoten mit 18 angegeben.
Angesichts eisiger Temperaturen von -23 Grad in der Hauptstadt Kiew und anderen Orten im Land zeigte sich die Regierung alarmiert: Sie richtete einen Krisenstab ein, der rund um die Uhr tätig sein soll, wie die Nachrichtenagentur Unian berichtete.
Das Gremium soll sicherstellen, dass es im Land ausreichend Anlaufstellen für besonders gefährdete Menschen wie Obdachlose gibt. Rund 15'000 Betreuungsstellen im Land wurden bereits eingerichtet. Sie bieten Gelegenheit zum Aufwärmen, heisse Getränke und Essen an. Für Obdachlose wurden zudem Hunderte beheizte Zelte aufgeschlagen. Schulen und Kindergärten wurden geschlossen. (kpn/jak/sda)
Erstellt: 31.01.2012, 20:15 Uhr
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