Die Frau, die zweimal starb

HintergrundVor dreizehn Jahren wurde Fakhra Yunus durch einen Säureangriff entstellt, letzte Woche nahm sie sich das Leben. Der Fall ist brisant, denn darin verwickelt ist auch die pakistanische Aussenministerin.

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Fakhra Yunus war 22 Jahre alt, als sie mit Säure überschüttet wurde, vermutlich von ihrem Ehemann. Letzte Woche, dreizehn Jahre später, hat sie Selbstmord begangen, indem sie sich in Italien aus einem Fenster stürzte.

Der Fall ist nicht nur aus menschlicher, sondern auch aus politischer Perspektive aufwühlend. Denn Yunus' Ehemann Bilal Khar, der für die mutmassliche Tat nur rund ein Jahr lang hinter Gittern sass, ist ein Cousin der pakistanischen Aussenministerin Hina Rabbani Khar.

Die Macht der Familie Khar

Diese wiederum liess sich am letzten Samstag, also nur wenige Tage nach dem Selbstmord, mit der Regisseurin des Dokumentarfilms «Saving Face» fotografieren – einem Kurzfilm über das Schicksal von pakistanischen Säureopfern, der im Februar mit einem Oscar ausgezeichnet worden war. «Ein Säureopfer hat sich gerade in den Tod gestürzt. Und die Cousine des Täters setzt sich mit den Machern eines Films zu Säureattentaten in Szene. Etwas mit diesem Bild ist sehr falsch», schrieb der Asien-Korrespondent Ahsan Butt gestern in seinem Blog.

Fakhra Yunus war nach Berichten der «Washington Post» Tänzerin und Prostituierte, als sie ihren zukünftigen Ehemann Bilal Khar kennen lernte. Mit der Heirat wurde das 18-jährige Mädchen Teil einer der wichtigsten politischen Familien Pakistans. Schon nach kurzer Zeit habe Khar sein wahres Gesicht gezeigt: Er habe seine Frau körperlich und psychisch misshandelt, bis diese schliesslich nach drei Jahren zu ihrer Mutter flüchtete. Khar habe sich gerächt, indem er sie vor den Augen ihres Sohnes mit Säure überschüttete. Sie überlebte den Angriff schwer verletzt und entstellt.

Ehemann bestreitet die Tat weiterhin

Khar nutzte zunächst seine politischen Beziehungen, um einer Haftstrafe zu entgehen. 2002 wurde er schliesslich verhaftet, ein Jahr später aber bereits wieder freigelassen. Er bestreitet weiterhin, etwas mit dem Angriff auf Fakhra Yunus zu tun zu haben. Gegenüber der pakistanischen Newsplattform Geo.tv verteidigt er sich auch noch nach ihrem Tod: Sie sei nach der Säureattacke noch vier Monate lang bei ihm geblieben, habe ihm jedoch nie verraten, wer sie angegriffen habe.

Das Schicksal der jungen Frau war durch ein Buch der pakistanischen Schriftstellerin und Aktivistin Tehmina Durrani bekannt geworden. In «My Feudal Lord» (deutsch: «Mein Herr und Gebieter») beschreibt die Autorin die eigenen traumatischen Erfahrungen mit ihrem Ehemann und prangert die Macht der Männer in der muslimischen Gesellschaft an.

«Sie war schon seit dreizehn Jahren tot»

Durrani war es auch, die Fakhra Yunus im Jahr 2000 schliesslich die Flucht nach Italien ermöglichte, wo diese Dutzende von Operationen und Therapien über sich ergehen lassen musste. Sie habe in ihrem Leben schon viele Säureopfer gesehen, schrieb Durrani am letzten Samstag in einem offenen Brief auf «The International News», aber keines von ihnen sei so schlimm entstellt worden wie Yunus. «Ich habe versucht, ihren Körper zu heilen, aber gegen ihre seelischen Wunden konnte ich nichts tun», soll ein Arzt, der Yunus in Italien behandelte, nach ihrem Tod gesagt haben.

Fakhra sei eigentlich schon seit dreizehn Jahren tot gewesen, schrieb Tehmina Durrani in ihrem offenen Brief. Mit dem Selbstmord sei sie ein zweites Mal gestorben, «um die Welt daran zu erinnern, dass sie lebte». Fakhra Yunus wurde bereits nach Pakistan zurückgebracht und in der Stadt Karachi begraben. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.03.2012, 07:36 Uhr)

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