«Der esoterische Kreis war wie ein Polizeistaat»
Von Peter Steiger. Aktualisiert am 12.11.2010 1 Kommentar
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Infosekta - Gurus manipulieren
Die Stiftung Infosekta hat diesen Fall mit einer umfangreichen Studie dokumentiert. Infosekta informiert über Sekten und ähnliche Erscheinungen. Die Stiftung bezeichnet die hier geschilderten Geschehnisse zwar als aussergewöhnlich schlimm, sieht aber auch einen Trend:
Immer häufiger würden Menschen von esoterischen «Meistern» und Gurus manipuliert.
Monika Surger (Name geändert) ist unterdessen untergetaucht. Die drei oben erwähnten Aussteiger glauben, dass sie ihre Arbeit wiederaufnehmen wird. Zurzeit umfasst der esoterische Zirkel rund 20 Personen.
Die Bankangestellte, der gepflegte Senior, der vertrauenerweckende junge Mann, drei Menschen, denen man vieles zutraut. Bloss eines nicht: Dass sie der «Meisterin» eines esoterischen Zirkels so sehr verfallen, dass sie sich demütigen und prügeln lassen und andere quälen.
Vor drei Jahren haben sie den Aargauer Kreis von Monika Surger verlassen (Name geändert). Vorher besuchten sie jahrelang Surgers Seminare. Nun packen sie aus, wollen aber anonym bleiben: Sie fürchten die Rache der «Meisterin».
Prügel für die Erleuchtung
Das Unheil begann schleichend. Surger bot harmlose Kurse an, Reiki und Fussreflexzonen-Massage etwa. Allmählich wurde das Verhältnis eingrenzender. Surger gab ihren Anhängern zu verstehen, dass sie auserwählt seien, aber noch an sich arbeiten müssten. Sie schuf ein System von Lob, Demütigungen und Strafen. Ihren traurigen Höhepunkt erreichte die Abhängigkeit, als Surger prügelte und prügeln liess. Die Tätlichkeiten würden den Teilnehmern auf dem Weg zur Erleuchtung helfen, begründete Surger die Schläge. Sie verlangte Hingabe und Geld, viel Geld, bis zu 15'000 Franken jährlich für die Kurse und Tausende von Franken für Spenden.
Surger setzte Aussteiger unter Druck. Sie habe einen Anwalt auf ihn angesetzt, erinnert sich der Senior. «Er hat mir gedroht, mich anzuzeigen, wenn ich mich öffentlich äussere.» Das vermeintliche Druckmittel: ein Vertrag, der ihn zum Schweigen verpflichtete. Juristisch ein Humbug.
Schläge mit dem Holzstock
«Ich bin gezeichnet», sagt der junge Mann, der sieben Jahre lang Surgers Seminare erduldete. Dort habe sich eine Art Kurssprache gebildet. «Wenn ich gewisse Wörter höre, raste ich aus.» Bei der Bankerin sind es Bilder, die sie nicht mehr loswird. Einer von Surgers Kursen wurde von einer Mutter mit ihrer erwachsenen Tochter besucht. «Ich werde nie mehr vergessen, wie sie die Mutter in Gegenwart der Tochter mit einem Holzstock verprügelte.»
Erwachsene schauen diesem Treiben tatenlos zu. Die Bankerin bringt auf den Punkt, weshalb sie das Unbegreifliche nicht stoppte. Sie sieht eine mehrstufige Entwicklung: Erst sei sie dankbar für Surgers Hilfe gewesen. Dann sei sie aus Höflichkeit geblieben. «Schliesslich habe ich erkannt, das hier was falsch läuft, war aber unfähig auszusteigen.»
Weil er Repressalien befürchtete, sei er geblieben, ergänzt der Senior. «Ich habe zwei Leben geführt», sagt der junge Mann, «ein normales, und ein albtraumhaftes Seminarleben.» Die Bankerin schliesslich: «Es war wie in einem Polizeistaat. Jeder überwachte jeden.» Zurückkehren will keiner der drei. Angst haben sie immer noch – vor dem Schlimmsten. Sie nehmen an, dass Monika Surger weiterarbeitet. Und fürchten, dass mal jemand unter ihren Schlägen stirbt. (Berner Zeitung)
Erstellt: 12.11.2010, 16:13 Uhr
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1 Kommentar
Es scheint in gewissen sektiererischen Kreisen üblich zu sein, mit einer, selbstverständlich hahnebüchernen, "Nötigung", also der "Verpflichtung" zu Stillschweigen, Dreck und Verbrechen unter dem Deckel halten zu wollen. Jeder ist aufgefordert, solches Tun, zur rechten Zeit, in angemessener Form publik zu machen und darüber zu "berichten". Das dient der Aufklärung und verhindert weitere Verbrechen Antworten
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