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Der Langzeitarbeitslose als TV-Spektakel

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 03.02.2010

36 Jahre mied der Hamburger Arno Dübel jeden Job, das hat ihn berühmt gemacht. Nun soll er doch zur Arbeit.

Scheint zufrieden: Arno Dübel, der auf Kosten des Staates lebt.

Scheint zufrieden: Arno Dübel, der auf Kosten des Staates lebt.

Pressefotos zeigen den Hamburger Arno Dübel derzeit bei einer Tätigkeit, die an sich normal ist, in seinem Fall aber spektakulär: Dübel arbeitet. Und eine Nation staunt. Denn immerhin ist dieser Dübel bekannt als, so Presseschlagzeilen, «Deutschlands frechster Arbeitsloser».

Doch Vorsicht, definitiv ist noch gar nichts! Bloss konnte Dübel (54) diese Woche für einmal kein Krankheitszeugnis vorzeigen, seine Ärztin war selber krank. Die zuständige Behörde wies ihn darauf zu einem «Aktiv-Center» – einem Ort, wo Langzeitarbeitslose wieder ans regelmässige Arbeiten herangeführt werden.

Und so sehen wir Dübel am Bügelbrett, Bügeleisen in der Hand, vor sich ein rotkariertes Geschirrtuch. Die Augensäcke hängen noch tiefer als üblich, die Miene ist mürrisch – gern macht er das nicht. Als ihn der Betreuer ins Aktiv-Center schickte, maulte er: «Ich kann da nicht hin. Zu Hause läuft doch der Fernseher.»

Auf Kosten des Staates

Seit 36 Jahren hat Dübel nicht mehr gearbeitet. Und zwar aus Prinzip. Die Lehre als Maler-Tapezierer brach er nach zwei Jahren ab. Sie war ihm viel zu anstrengend. Sein Credo lautet seither: «Wer arbeitet, ist blöd.» Für die Miete seiner 47-Quadratmeter-Wohnung, für Wasser, Strom, Krankenkasse kommt der Staat auf. Dazu kriegt Dübel 323.10 Euro pro Monat ausbezahlt. Das reicht für die Zigaretten, für die vielen flankierenden Biere und fürs Futter, das Hund Jacky braucht, sein treuer Gefährte.

300 000 Euro hat Dübel den Staat bisher gekostet. Zum 30-Jahr-Jubiläum als Arbeitsloser schmiss er eine Party. Nichts Grosses, ein paar Freunde, Billigalkohol. «Das macht mir keiner so leicht nach», frohlockte er. Als man ihm vorhielt, seine Faulheit auf Kosten des Steuerzahlers zu zelebrieren, lachte er sein kehliges Kettenraucherlachen und sagte: «Ja, das zahlt ihr alle, die Menschheit, dafür bin ich euch dankbar, zurückzahlen kann ich es leider nicht, haha!»

Ein TV-Sender filmte die Party, das machte landesweit Furore. Und überhaupt war der Mann in den letzten Jahren immer wieder im deutschen TV und in der «Bild». Die Medienwelt hat Bedarf nach Extremfiguren wie dieser – es ist ja geschätzt bloss einer auf 1 Million Arbeitslose derart dreist. Seine Unverblümtheit macht den Totalverweigerer zur Marke.

Karriere als Langzeitarbeitsloser

In Talkshows à la «Menschen bei Maischberger» ist er der Schrecken der Gewerkschafter, die Leute vertreten, die ohne Job seelisch verkümmern. Er ist der Clown zur Tragödie, wenn er sagt: «Arbeiten ist so eintönig, immer das Gleiche, morgens aufstehen, dann sieht man die Gesichter der Leute, die haben sich nichts Neues zu erzählen, nö, mir ist wohl zu Hause.» Oder: «Ich bin voll ausgelastet. Wenn ich arbeiten gehen müsste, wäre ich überlastet.»

Die nächsten Monate werden zeigen, ob Dübel es als Arbeitsloser in den Ruhestand schafft. Ein Amtsarzt soll seine Gesundheit grundlegend prüfen. Doch natürlich kann er sich weiter so dumm anstellen, dass ihn keiner will. Die Behörden haben ihrerseits ein schwaches Druckmittel: Sie können die monatliche Geldüberweisung stoppen und stattdessen LebensmittelBons abgeben – dann ist Schluss mit Zigaretten und Bier. Dübel hat aber wiederum wohl Nebeneinnahmen. Offiziell haben ihm die TV-Auftritte nichts eingebracht. Unter der Hand dürfte er aber die eine oder andere «Aufwandentschädigung» kassiert haben. In diesem Fall ist Langzeitarbeitsloser eine Karriere. Seit einiger Zeit hat der Mann gar einen Manager. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.02.2010, 08:10 Uhr

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