Der John Wayne unter den Tierschützern
Aktualisiert am 07.01.2010 30 Kommentare
Verprügelte einst Robbenjäger: Paul Watson.
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Der Kampf auf hoher See
Die Stellungnahme des Gründers von Sea Shepherd. (Quelle: Reuters)
Gestern rammte ein japanischer Walfänger auf hoher See das Schnellboot «Ady Gil» von Tierschützern. Bei dem Hightech-Boot wurde ein 2,4 Meter langes Bug-Stück abgerissen. Die sechsköpfige Crew konnte auf einem zweiten Schiff der Tierschützer in Sicherheit gebracht werden, wie die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd berichtet. Eine Person habe sich zwei Rippen gebrochen.
Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld an dem Zusammenstoss. Sea Shepherd sprach von einer «unprovozierten Attacke» rund 2500 Kilometer südlich der australischen Insel Tasmanien. Die «Ady Gil» - ein 24 Meter langer windschnittiger, 1,4 Millionen Dollar teurer Trimaran - habe keine Chance gehabt auszuweichen. Jetzt ist sie nur noch Schrott.
Der Gründer der Umweltschutzorganisation Sea Shepard heisst Paul Watson. Und der gibt sich kämpferischer denn je. Er spricht bereits von einem «echten Wal-Krieg». Nach seinen Angaben hatte die Crew der «Ady Gil» das Walfangschiff zuvor mit Stinkbomben beworfen, um die Jagd auf die Meeressäuger zu behindern. Sein Motto: «Ich bin nicht da, um zuzuschauen, wie sie Wale töten. Ich bin da, um sie zu stoppen.»
007 der Meere
Paul Watson gehörte zu den Gründern von Greenpeace. Der Kanadier erhielt die Mitgliedernummer 007. Schon bald fand er die Organisation aber nicht mehr radikal genug. Aus der Greenpeace-Führung wurde er 1977 mit elf zu einer Stimme ausgeschlossen. Seitdem liegt man im Clinch. Der Kanadier gründete daraufhin 1977 die Organisation Sea Sheperd, die einen militanten Umweltschutz praktiziert. Dazu gehört offensichtlich auch das Verprügeln von Robbenjäger (1977).
Der 59-jährige und seine Männer rühmen sich weiter, über 13 Walfangboote versenkt zu haben. 1986 setzte Watson im Hafen von Reykjavik die halbe isländische Walfangflotte auf Grund.
1994 wurde Watson in Norwegen zu einer Haftstrafe von 120 Tagen verurteilt, weil er versucht hatte, das Walfangschiff «Nybraena» zu versenken (1992).
Im April 2008 beschlagnahmten Polizei und Küstenwache Kanadas ein Schiff von Sea Shepherd in der Cabot Strait zwischen Cape-Breton-Halbinsel und Neufundland. Der Vorwurf: Die Umweltschützer hätten sich Robbenjägern unerlaubt genähert.
«Wir sind keine Terroristen»
Watson hält im Magazin «Neon» jedoch fest: «Wir sind keine Terroristen und keine Kriminellen. Wir haben nie jemanden verletzt, wir haben nie jemanden getötet. Wenn Leute uns Terroristen nennen, dann ist das eine Beschimpfung.»
Für manche ist Watson ein Held - zu seinen Unterstützern zählen unter anderem Hollywood-Stars wie Pierce Brosnan und Daryl Hannah. Für viele ist er aber nur ein rücksichtsloser Egozentriker. Bevor Watson seine Leidenschaft für die Wale entdeckte, versuchte er sich als Retter der halben Fauna: Er prügelte sich für die Wölfe in seiner Heimat Kanada, jagte Elfenbeinwilderer in Ostafrika und kämpfte für die Bisons in Montana.
Mit Greenpeace liegt er bis heute im Streit. Er beschrieb die Greenpeace-Vorstandsmitglieder als «eine Bande von Rechtsanwälten, Geldsammlern und Feiglingen. Diese antworten mit folgenden Worten: «Watson ist geistesgestört, ein Egomane.»
Bei so viel rüder Entschlossenheit fragt sich, wen sich Watson als Vorbild genommen hat. «Ich habe viel von John Wayne gelernt», sagt Watson, «sein Verständnis von Politik war steinzeitlich, aber sein Stil war klasse.»
Walschützer wollen weitermachen
Solange Paul Watson in See stechen kann, wird also der «Wal-Krieg» weitergehen. Die Tierschützer versuchen schon seit Wochen, den weltweit umstrittenen Walfang in der Antarktis zu stoppen. Obwohl der kommerzielle Walfang seit 1986 verboten ist, jagen die Japaner dort trotz internationaler Proteste weiter - offiziell zu Forschungszwecken.
Die Flotte besteht aus sechs Schiffen rund um das Fabrikschiff «Nisshin Maru». Im vergangenen Jahr hatten Sea-Shepherd-Aktivisten die Japaner 3200 Kilometer durch die Antarktis verfolgt. Die Walfänger töteten in der Saison 680 Wale. In diesem Jahr stehen 850 Zwerg- und 50 Finnwale auf ihrer Abschussliste.
Die «Ady Gil» hatte 2008 unter ihrem früheren Namen «Earthrace» Schlagzeilen gemacht, als sie in fast 61 Tagen die Welt umrundete. Ein amerikanischer Millionär kaufte das Schiff dann für Sea Shepherd. «Die Wale sind uns mehr wert als Schiffe, wir machen deshalb weiter», sagte Watson. (bru)
Erstellt: 07.01.2010, 12:00 Uhr
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30 Kommentare
Was Japan treibt, ist Wilderei. Würde ein fremder Staat bewaffnete Jäger in, sagen wir, den Krüger Nationalpark schicken, um südafrikanische Elefanten abzuschiessen und ihr Elfenbein zu verkaufen, würde wohl die internationale Gemeinschaft einschreiten. Sea Shepherd sind die einzigen, die internationales Recht gegen vom japanischen Staat sanktionierte Wilderei verteidigen. Weiter so! Antworten
Obwohl ich ja die Sache für die Wale befürworte: Die Besatzung der Ady Gil ist selber schuld an der Kollision. Man sieht die Gischt am Heck des Schneebootes. Auch war die Ady Gil keineswegs bewegungsunfähig, wie das schnelle zurückfahren nach der Kollision zeigt. Die sind viel wendiger. Möglich, dass sie ihre Beweglichkeit überschätzten und die Japaner noch ein bisschen nachhalfen. Antworten
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