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«Defekte Boote, unvorbereitetes Personal, falsche Befehle»

Aktualisiert am 24.01.2012 7 Kommentare

Nach der Havarie der Costa Concordia gerät die Reederei Costa Crociere immer mehr ins Visier der Ermittler. Kapitän Francesco Schettino sei nicht das einzige Problem gewesen.

1/20 Die Costa Concordia rammt vor der Insel Giglio einen Fesel: Das Kreuzfahrtschiff anfangs in nur leichter Schieflage. (14. Januar 2012)
Bild: Keystone

   

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Showboating mal anders: Das Wrack des Kreuzfahrtschiffs wird zur Touristen-Attraktion auf Giglio.

Unglück der Costa Concordia

Treibstoff des Schiffs wird abgepumpt

Die niederländische Bergungsfirma Smit Salvage hat heute Morgen mit dem Abpumpen des Treibstoffs der vor der toskanischen Küste havarierten Costa Concordia begonnen.
Fachleute der von der Reederei Costa Crociere beauftragten Firma untersuchten zunächst das Schiff, in dem sich 2400 Tonnen Dieselöl befinden. Vier Schiffe waren dafür im Einsatz, berichteten italienische Medien. Das Abpumpen des Treibstoffes könnte bis zu zwei Wochen dauern, so der italienische Umweltminister Corrado Clini. Das Abpumpen des Öls sei genehmigt worden, da das Schiff stabil sei, sagte der Chef der italienischen Zivilschutzbehörde, Franco Gabrielli. Die Suche nach weiteren Opfern des Unglücks solle fortgesetzt werden. «Es besteht keine Gefahr, dass das Schiff sinkt. Daher können wir mit dem Abpumpen beginnen», betonte Gabrielli. (vin/sda)

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Der Kapitän des gekenterten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia will nicht der Alleinschuldige des Unglücks sein. Wie Francesco Schettino über seinen Anwalt Bruno Leporatti verlauten lässt, übernimmt er zwar die Verantwortung für die Kollision mit dem Felsvorsprung beim riskanten Manöver vor der Insel Giglio, nicht aber für das Geschehen danach. Seine Entscheide bei der mangelhaften Evakuierung seien bei Telefongesprächen gemeinsam mit Verantwortlichen der Schifffahrtsgesellschaft Costa Crociere gefällt worden. Ausserdem hätten in der Unglücksnacht verschiedene sicherheitsrelevante Geräte auf der Kommandobrücke des Schiffs nicht funktioniert, zitiert die Zeitung «Repubblica» den 52-jährigen Kapitän der Costa Concordia.

Dass die Reederei Costa Crociere eine Mitverantwortung für die Havarie vor der toskanischen Küste trägt, meint auch der Generalstaatsanwalt der Toskana, Beniamino Deidda. Die zuständigen Untersuchungsbehörden müssten ihr Augenmerk auch auf die Schifffahrtsgesellschaft richten. Diese habe nicht nur einen ungeeigneten Mann zum Kapitän der Costa Concordia gemacht, sie müsse sich weitere Vorwürfe machen lassen.

«Unglaubliche Vernachlässigung der Sicherheit»

Generalstaatsanwalt Deidda listet eine Reihe von erschreckenden Mängeln auf: «Defekte Rettungsboote, die man nicht herunterlassen kann, Personal, das nicht weiss, was zu tun ist, mangelhafte Vorbereitung für den Notfall, falsche Befehle wie jener, die Passagiere zur Rückkehr in ihre Kabinen aufzufordern.» Das Chaos bei der Evakuierung habe eine «unglaubliche Vernachlässigung der Sicherheit» offenbart.

Es sei nicht annehmbar, dass die Passagiere alleine gelassen worden seien und dass die Verantwortlichen auf der Kommandobrücke widersprüchliche Anordnungen gegeben hätten, zitiert die Zeitung «Corriere della Sera» den Generalstaatsanwalt Deidda.

Strafuntersuchung auch gegen Reederei-Manager

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die zuständige Staatsanwaltschaft von Grosseto die Strafuntersuchung ausweiten und damit die Verantwortlichen der Reederei Costa Crociere ins Visier nehmen wird. Und Kapitän Schettino wird alles daran setzen, Beweise für die Mitverantwortung seines Arbeitsgebers zu liefern. Diese Verteidigungsstrategie hat Schettinos Anwalt jedenfalls bereits angekündigt.

Unterdessen ist die Suche nach weiteren 18 Vermissten fortgesetzt worden. Taucher verschafften sich mit Sprengkörpern Zugang zum Deck 3, zu dem sie bisher noch nicht vordringen konnten. Dort werden noch Opfer der Katastrophe vermutet. Bisher sind 15 Todesopfer bestätigt. Zudem hat die niederländische Bergungsfirma Smit Salvage mit dem Abpumpen des Treibstoffs der Costa Concordia begonnen (siehe Infobox). (vin)

Erstellt: 24.01.2012, 11:08 Uhr

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7 Kommentare

Alexandre Blatter

24.01.2012, 11:42 Uhr
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Meiner Meinung nach ist hier vorallem die Reederei in der Pflicht. Schettino ist nur das letzte Glied in der Kette. So scheint es doch so zu sein, dass die Schiffe dieser Reederei alle immer wieder zu nahe an der Küste fahren. Von der Reederei kann doch niemand behaupten, dass die nichts davon gewusst haben. Antworten


Ronald Rüegg

24.01.2012, 12:30 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Was erwarten denn die Leute? Es muss ja alles nur noch billig sein. Billig-Kreuzfahrten auf mangelhaft unterhaltenen Schiffen mit angelerntem Billig-Personal, usw..... Geiz ist geil bis zum bitteren Ende.....
Und auch hier machen alle mit: der Kapitän, die Reederei, die Behörden..... Schaut mal unter welchen Flaggen viele dieser Schiffe fahren...
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