«Das darf ich doch sagen?»
Von Sarah Pfäffli. Aktualisiert am 18.10.2010 2 Kommentare
Am Mittwoch geht Roman Kilchsperger mit «Traders» auf Sendung. Die Nachfolgeshow von «Deal or No Deal» kommt ohne Moneygirls aus. (Bild: Keystone )
«Traders»
Nächsten Mittwoch um 20 Uhr startet auf SF1 die neue Gameshow «Traders» – mit zwei Wochen Verspätung: Die erste Fassung des «Deal or No Deal»-Nachfolgeformats war «zu langatmig» und musste auf Geheiss von Unterhaltungschefin Gabriela Amgarten überarbeitet werden. In der Show muss ein Einzelkandidat zehn Fragen beantworten. Für jede korrekt beantwortete Antwort erhält er einen Geldbetrag – falls er nicht weiterweiss, kann er bei sogenannten Traders eine Antwort einkaufen. sap/pd
Einen Termin mit Roman Kilchsperger zu bekommen, ist etwa so schwierig, als wollte man einen Bundesrat interviewen. Anfrage im Mai, Zusage für September, dann aber lieber nur ein E-Mail-Interview. Am Ende schaut dann immerhin eine halbstündige Audienz heraus – an deren Ende Kilchsperger sagen wird: «Wars das schon?»
Ja! War doch ganz easy! Und Kilchsperger sowieso! Total nett und unkompliziert. Weshalb war es denn so schwer, einen Termin mit ihm zu bekommen? Kilchsperger zögert ein wenig, greift sich an den Nacken, als wäre er verspannt, und quält eine Antwort hervor. «Ich denke einfach immer: Ich habe nicht so viel zu erzählen, wäisch?»
Ein Aufpasser hört mit
Kilchsperger betont gerne seine Durchschnittlichkeit: Frau, zwei Kinder, zwei Autos, Hund, Haus, Fussballfan (GC). Er sagt Sätze wie: «Ich bin immer sehr skeptisch gegenüber Neuem» oder «Ich bin kein Intellektueller.»
Diese Selbsteinschätzung ist aber nur einer der Gründe für seine Zurückhaltung gegenüber den Medien. «Ich habe halt auch gemerkt, dass es einfacher geht, wenn ich nichts sage, für das ich danach aufs Dach kriege.» Früher passierte das schon mal: dass Kilchsperger einen Sponsor beleidigte oder das SF düpierte. Wohl nicht ganz zufällig sitzt bei dem Gespräch in Leutschenbach auch ein Pressesprecher mit am Tisch und hört diskret mit. Nur ab und zu sagt er was, wenn Kilchsperger sich absichert: «Das darf ich doch sagen, oder?»
Da offenbart sich ein grundsätzlicher Konflikt: Zwar sind markige Sprüche Kilchspergers Job. Das wird in seiner neuen Sendung «Traders» nicht anders sein, und auch in der Jury von «Die grössten Schweizer Talente» neben Engelchen Christa Rigozzi und Experte DJ Bobo wird er angriffig sein müssen.
So ein paar Sprüche am richtigen Ort sind ganz okay. Aber zu frech soll er dann doch lieber nicht sein. Sonst gibts böse E-Mails und Reklamationen beim Fernsehen und böse Forumseinträge auf dem Internet und schlechte Schlagzeilen im Boulevard.
Vermutlich deshalb darf Kilchsperger auch nur selten das tun, was er am liebsten macht – und vielleicht am besten kann: grosse Livekisten wie «Musicstar» oder «Die Königsgala» moderieren. «Das liebe ich am meisten am Fernsehen. Da gibts nur das kleine Problem, dass ich nicht so viele Livemoderationen kriege.» Warum nicht? «Darauf antworte ich wie ein Fussballer: Das müssen Sie den Trainer fragen.»
Endlich traut sich einer!
Dabei sah einmal alles danach aus, als würde Kilchsperger der nächste Beni Thurnheer: Nach «Musicstar» überschlugen sich alle vor Lob. «Kilchsperger ist ein telegenialer Sonnyboy, er hat alles zum Samstagabendshow-Moderator», befand Kurt Felix 2004. Seitenlange Porträts erschienen, die Schweiz jubelte: endlich mal einer, der nicht nur Nettigkeiten heuchelt.
Aber das war halt die Anfangseuphorie, wie Kilchsperger heute weiss. «Es sitzt immer jemand auf dieser Welle. Bis dann der oder die etwas macht, was neu ist, dann wird er gebasht.»
Dieser Moment kam bei Kilchsperger mit «Black’n’Blond», seiner eigenen Late-Night-Show mit «Musicstar»-Gspänli Chris von Rohr. «Jeden Dienstagmorgen konnten wir lesen, was für primitive Siechen wir seien», sagt er. Das sei hart gewesen, aber auch «die beste Schule», sagt er heute: «Schlimmer kann es schliesslich nicht mehr werden.»
Herzblut fürs Radio
Inzwischen hat es sich Kilchsperger beim Fernsehen mit Gameshows und diversen Juryauftritten gemütlich gemacht, und er ist offenbar happy damit. «Ich war nie der Karrieretyp», sagt er. «Manche meiner Berufskollegen träumen von einer seriösen Talksendung. Mein Ding ist die Unterhaltung.»
Und überhaupt ist das Fernsehen gar nicht das Wichtigste für ihn. Dafür sei er zu «sensationell super ungeduldig». Sein Herzblut gilt dem Moderieren bei Radio NRJ. Seit er 12 war, ist das sein Traumjob. «Radio machen ist immer noch meine Leidenschaft», sagt er.
Und an den SF-Pressesprecher gerichtet: «Das darf ich doch sagen, oder?» (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.10.2010, 14:20 Uhr
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2 Kommentare
Hallo zusammen Ich war bei der Premiere von Traders und finde die Sendung sehr gut. Da ich Roman von klein auf kenne wäre er zwar der richtige Nachfolger von Beni Thurnheer. Dies habe ich ach in meinem Umfeld gehört, dass er der richtige Sportmoderator wäre. Die Sendung Traders werde ich mir auf jedenfall jeden Mittwoch ansehen. Mfg. B. Kilchsperger Antworten
Ich protestiere gegen diese neue Sendung. Dass ein Lügner belohnt wird, während der Kandidat ohne Geld nach Hause gehen muss, finde ich - vom Konzept der Sendung her - völlig daneben. Ich werde mir die Sendung nicht mehr ansehen. Schade für den Mittwochabend. Antworten
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