Panorama
Ausschaffungshaft für Wölfe
Von David Schaffner, Luzern. Aktualisiert am 11.11.2009 1 Kommentar
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Was ist ein Wolf anderes als ein Mörder? Verstohlen und listig schleicht er durch die Nacht, stets auf der Suche nach Beute, die Zähne zum Zubeissen gefletscht. Neben den Abdrücken seiner flinken Pfoten finden sich im frühen Schnee immer wieder die roten Spuren seines charakterlichen Hanges zur rohen Gewalt. Gleich mehrfach gibt er sich nachts seiner Mordslust hin und hinterlässt halbe Herden toter Schafe. Im Luzerner Entlebuch sind auf diese Weise gerade eben mehrere Tiere elend ums Leben gekommen.
Was liegt beim vermehrten Auftauchen dieses kriminellen Wesens näher, als das zu fordern, was die SVP mit kriminellen Menschen aus dem Ausland zu tun gedenkt? Zurück ins Heimatland! Nicht anders als gewisse menschliche Übeltäter ist schliesslich auch der Wolf aus dem Ausland in unser friedliches und über lange Jahre wolffreies Land eingedrungen. Ihre Initiative für die Ausschaffung krimineller Ausländer begründet die SVP mit folgenden Worten: «Mit der Ausschaffungsinitiative können wir Ausländer, die in unserem Land schwere Verbrechen begehen, endlich konsequent ausweisen. So schaffen wir mehr Sicherheit.»
«Dorthin zurück, wo er hergekommen ist»
Der Luzerner Bauer und SVP-Nationalrat Josef Kunz hat diesen Gedanken in die Tierwelt versetzt und fordert in der «Neuen Luzerner Zeitung»: «Man sollte den Wolf einfangen und dorthin zurückbringen, wo er hergekommen ist - zum Beispiel nach Italien.» Oder auch nach Rumänien, Bulgarien - in der dicht besiedelten Schweiz gebe es auf jeden Fall keinen Platz für den Schafe, Rehe und Gämsen reissenden Wolf.
Für das Untier soll künftig also exakt das gelten, was die SVP per Initiative in die Verfassung schreiben möchte: «Ausländerinnen und Ausländer verlieren unabhängig von ihrem ausländerrechtlichen Status ihr Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz, wenn sie wegen eines vorsätzlichen Tötungsdelikts verurteilt worden sind.»
«Der Bär, der natürliche Feind des Wolfes»
Die Initiative listet noch weitere Delikte wie Drogen- oder Menschenhandel auf. Dieser Verbrechen dürfte sich ein Wolf allerdings kaum je schuldig machen. Ob die Schweiz mit Italien das notwendige Rücknahme-Abkommen für Wölfe bereits ausgehandelt habe, konnte Kunz gestern nicht sagen. Er drängt aber dazu, dass die Schweiz schnell handelt. Es werde noch so weit kommen, dass ein Wolf ein Kind auf dem Schulweg anfalle, warnt er düster. Ein grosses Problem in der Schweiz bestehe darin, dass der Wolf keine Feinde mehr habe. «In Italien gibt es wenigstens noch den Bären», erklärt Kunz auf Anfrage. «Dieser ist ein natürlicher Feind des Wolfes und sorgt dafür, dass sich der Wolf nicht übermässig vermehren kann.»
Wenn der Bär tatsächlich ein natürlicher Feind des Wolfes ist, darf sich die Schweiz wohl bald auf eine angeregte politische Debatte und einen Gegenvorschlag aus dem linksgrünen Lager freuen: Wie wäre es, wenn wir künftig den Bären - wenn er wie der Wolf einfach so über die Grenze zu Italien gezottelt kommt - in der Schweiz nicht mehr verdammen, sondern ganz im Gegenteil erleichtert einbürgern würden? Dann könnte er vielleicht dafür sorgen, dass sich der Wolf weder dem Morden noch der Liebeslust allzu sehr hingeben und sich nicht übermässig vermehren kann.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.11.2009, 10:59 Uhr
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1 Kommentar
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Werner Holliger
Was meinte doch Herr NR Kunz zu SF DRS - man könnte ja, wie das in Afrika mit Löwen, Tigern!!!!!!! u.s.w. passiert, die Tiere umsiedeln. Das sind doch die wahren Experten, welche sich so äussern - aber vielleicht hat Herr Kunz ja in Afrika einmal einen Tiger im Zoo gesehen...... Antworten