Auf dem Zebrastreifen lauert der Tod
Von Erwin Haas. Aktualisiert am 06.12.2011 112 Kommentare
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Ein 77-jähriges Todesopfer in Höri ZH, zwei schwer verletzte junge Frauen in Zofingen AG und gestern in Rümlang ZH. In anderen Dörfern fuhren Autofahrer kürzlich sechs Kinder an – und alle Opfer überquerten auf einem Fussgängerstreifen die Strasse. Schon im November war es zu einer Serie von Unfällen auf Zebrastreifen gekommen, die etwa im Kanton Bern zwei Schüler das Leben kosteten.
Abgesehen von der dunklen Jahreszeit, die Verkehrsunfälle in der Dämmerung begünstigt, ist es ein Zufall, dass der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) seine Kampagne «Sicher zu Fuss» für mehr Sicherheit auf Fussgängerstreifen gerade gestern lanciert hat.
Kinder und Alte gefährdet
Mit zwei Broschüren für Fussgänger und Autofahrer will der VCS die gegenseitige Rücksicht der beiden Verkehrsgruppen fördern (www.sicher-zu-fuss.ch). Gefährdet sind vor allem Kinder bis 14 Jahre und Senioren über 60. «Warte, luege, lose, laufe» gilt auch für sie – und immer volle Aufmerksamkeit, auch auf der zweiten Hälfte des Fussgängerstreifens. Denn die meisten Kollisionen ereignen sich dort, wo unbeachteter Gegenverkehr droht.
Zudem sollten sie mit heller Kleidung dafür sorgen, dass man sie gut sieht. Anderseits sind gerade die Jüngsten und Ältesten als schwächste Verkehrsteilnehmer besonders auf die Vorsicht und Geduld der Autofahrer angewiesen.
Die langjährige Statistik der Verkehrsunfälle deutet allerdings darauf hin, dass die Verkehrsexperten das Potenzial präventiver Bemühungen wie Verkehrserziehung und Sensibilisierungskampagnen weitgehend ausgeschöpft haben. Nach 1980 ist die Zahl von rund 70 Verkehrstoten auf Fussgängerstreifen lange stetig gesunken. Seit 2005 jedoch blieb sie gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) mit gut 20 Opfern pro Jahr praktisch konstant. Insgesamt wurden 2010 bei polizeilich registrierten Unfällen auf Fussgängerstreifen 958 Fussgänger verletzt, 270 davon schwer. 20 verloren ihr Leben.
Alle zwei Wochen ein Toter
Gemäss dem Verkehrsforscher Gianantonio Scaramuzza der BfU liegen die Zahlen der letzten Tage denn auch nicht über dem langjährigen Durchschnitt. Statistisch gesehen, gab es zwischen 2000 und 2010 auf Fussgängerstreifen alle zwei Wochen 26 Leicht- und mehr als 10 Schwerverletzte sowie einen Todesfall.
Über die wirkungsvollsten Massnahmen zur weiteren Reduktion von Unfällen auf Fussgängerstreifen wird politisch und fachlich seit langem gestritten – etwa darüber, die Streifen mit Reflektoren im Belag nachts besser sichtbar zu machen, die Gefahr von Kollisionen durch Tempolimiten zu verringern, mehr Mittelinseln zu bauen oder Autos mit hohen Kühlern gänzlich zu verbieten, denn sie rufen die schlimmsten Verletzungen hervor. Die Sichtdistanz zwischen Autofahrer und Fussgänger und damit das Tempo sei entscheidend, sagt Dominik Bucheli vom Fussgänger-Fachverband Fussverkehr.ch. Doch innerorts überall Tempo 30 einzuführen, sei zurzeit keine realistische Option. Silvan Granig vom Verein Road Cross, der sich um Opfer des Strassenverkehrs kümmert, hält den Augenkontakt und die verbesserte Kommunikation zwischen beiden Seiten für essenziell. Erfolg verspreche auch die Versetzung von gefährlichen Fussgängerstreifen zum Beispiel etwas weiter weg von den Kreiseln, wo die Aufmerksamkeit der Autofahrer ohnehin stark beansprucht sei.
Fragen an den Bundesrat
Den ehemaligen TV-Moderator und neuen Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer hat das Thema gestern zu seiner ersten Interpellation angeregt. Er will vom Bundesrat wissen, ob der Bund die Kantone dazu verpflichten kann, die Strassenübergänge periodisch dem neusten Wissensstand der Verkehrsplaner anzupassen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.12.2011, 21:04 Uhr
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112 Kommentare
Eigentlich logisch. Schwarz und Grau gekleidete Leute überqueren bei Nacht und Nebel die Strasse. Dabei sind sie so gut wie nicht zu sehen.
Man sollte für Fussgänger ein Reflektorenobligatorium einführen. Wieso eigentlich nicht? Es sind auch Verkehrsteilnehmer. Wenn es ein solches Obligatorium gäbe, würde auch die Modebranche entsprechende Kleidungsstücke entwickeln.
Ausserdem traure ich der früheren Regel nach, wonach Fussgänger sich dem Fahrzeugfahrer erkentlich machen müssen, dass sie die Strasse überqueren wollen und erst dann überqueren, wenn das Fahrzeug auch anhält. Ich wende diese Regel persönlich immer an und glaube damit länger leben zu können.
Antworten
Ich bin z.B. 67 und habe kein Handy. Vor ein paar Tagen lief im Dunkeln(!!) ein Paar ohne in meine Richtung zu schauen auf den Streifen, obwohl ich das einzige Auto war. Warte ich z.B. an einem Fussgängerstreifen, laufen oft Leute an mir vorbei ohne nach links und rechts zu schauen. Autofahrer SOLLEN aufpassen, aber das Verhalten der Fussgänger ist vielfach unter jeder Sau. Antworten
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