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«Ärgerlich ist einfach, dass jetzt Sommerferien sind»

Von Susanne Graf. Aktualisiert am 21.07.2011 44 Kommentare

Das Juli-Wetter ist kalt und feucht, gestern schneite es bis auf 2000 Meter. Bleibt es so? «Meteo»-Moderator Christoph Siegrist stellt eine Prognose für den Rest der Sommerferien.

Ihm haftet das Image des «Traum-Schwiegersohns» an, doch das  interessiert ihn nicht: SF-Meteorologe Christoph Siegrist.

Ihm haftet das Image des «Traum-Schwiegersohns» an, doch das interessiert ihn nicht: SF-Meteorologe Christoph Siegrist.
Bild: Express

Zur Person

Berner in St.Gallen: Für das Interview führt der SF-«Meteo»-Moderator Christoph Siegrist ins Büro seines Chefs Thomas Bucheli, der in den Ferien weilt. Die Store vor dem Fenster hängt schief – Sturmschaden. Wählte Bucheli am Ende die verpönte und unnütze Methode, sein Fenster mit einer Store vor Hagel schützen zu wollen? Siegrist, sein Stellvertreter, winkt ab: Bucheli sei einfach nicht da gewesen, als es draussen losgegangen sei.
Seit 1997 arbeitet Christoph Siegrist bei «Meteo» des Schweizer Fernsehens. Angefangen hat er als Praktikant, während er an der ETH Zürich Erdwissenschaften mit Vertiefung in Atmosphärenphysik studierte. Heute arbeitet er als Prognostiker und seit 2004 auch als Moderator.
Christoph Siegrist ist 1972 in Bolligen geboren und hat die Schulen in Ittigen und Bern besucht. Ein paar Jahre lebte er in der Stadt Zürich, 2007 aber zog er nach St.Gallen. «Zürich ist nicht gut für einen Berner – viel zu hektisch», erklärt er schmunzelnd. (sgs)

Schneeketten im Juli

Am Mittwochmorgen schneite es stellenweise bis auf 2000 Meter hinunter. Der Nufenenpass zwischen Ulrichen VS und Airolo TI war auch am Nachmittag noch geschlossen. Am Flüelapass zwischen Davos und Susch GR bestand Schneekettenpflicht. Die übrigen Alpenpässe sind normal befahrbar.

Gemäss SF «Meteo» liegt die Julitemperatur momentan rund 0,5 Grad unter dem langjährigen Mittel. In Basel war letztmals im Jahr 2000 ein Juli kühler als die vergangenen 20 Tage. Ein Blick in die Jahrbücher zeigt allerdings, dass es noch viel schlimmer sein könnte: Im Juli 1980 lag die Durchschnittstemperatur 2 Grad tiefer als jetzt. 1997 war der Juli ähnlich kalt wie jetzt, der August war dann aber satte 3 Grad wärmer als der Juli.

Nach der Trockenheit im Frühsommer mit fast schweizweiten Feuerverboten will der Himmel seine Schleusen nun nicht mehr schliessen. Nördlich der Alpen fiel während der ersten 20 Julitage vielerorts mehr Regen als sonst im ganzen Monat.(sda)

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Alle Wetter! Der Sommer 2011 war durchzogen

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Sonne selten: Der Sommer 2011 war weniger heiss als manche Fachleute erwartet hatten. Im Juli sank die Schneefallgrenze kurzzeitig auf 2000 Meter.

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Die schwersten Sommer-Unwetter der letzten Jahre

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In den Sommern der vergangenen Jahre haben mehrfach Unwetter im Wochentakt die Schweiz heimgesucht.

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Korrektur-Hinweis

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Herr Siegrist, ist der Sommer vorbei?
Christoph Siegrist: Nein. Wir stecken einfach in einer regnerischen Phase. Solche gibt es praktisch jeden Sommer. Ärgerlich ist einfach, dass jetzt Sommerferien sind. Aber der August kommt ja noch mit den Hundstagen, und diese sind eigentlich recht zuverlässig, sodass es schon irgendwann noch heiss werden wird.

Sagen das auch die Langfristprognosen?
Die Berechnungen auf 10 Tage bis einen Monat hinaus zeigen bloss Trends. Demnach wird es im August wärmer.

Wann im August?
In der ersten Augusthälfte.

Normal wäre, wenn es jetzt richtig heiss wäre.
Nicht zwingend. Es gibt Fälle, in denen es im Juli heiss ist, aber es gibt ebenso Fälle, in denen das Juliwetter so ist wie jetzt.

Dann spielt das Wetter nicht verrückt, und es steht nicht der Klimawandel dahinter?
Klima und Wetter muss man klar trennen. Das Klima besteht aus dem Mittelwert des Wetters, das man über eine Zeitspanne von 30 Jahren beobachtet. Ein Einzelwetterereignis darf man nie auf den Klimawandel zurückführen.

Trotzdem: Macht Ihnen der Klimawandel Angst?
In der Schweiz macht er kaum jemandem Angst. Wir befinden uns hier in einer komfortablen Situation.

Wie meinen Sie das?
Wir haben finanzielle Möglichkeiten. Wenn wir merken, dass es mehr Hochwasser gibt, bauen wir einen höheren Damm. Anders ist es in einem Land, wo der Boden sowieso nur das Nötigste bieten kann. Wenn dann wegen des Klimawandels noch Dürre um Dürre dazukommen, bleibt nur das Auswandern. Dort würde mir der Klimawandel Angst machen.

Unternehmen Sie etwas, um den Klimawandel nicht noch anzuheizen?
Ich benutze den öffentlichen Verkehr und achte beim Einkaufen wenn möglich auf Produkte aus der Region.

Sie arbeiten seit 1997 bei SF «Meteo». Haben Sie in dieser Zeit Veränderungen beim Wetter beobachtet?
Nicht direkt. Aber im Januar 2007 musste ich für das Tessin 24 Grad vorhersagen. Die Modellberechnungen und die Physik liessen mich zum Schluss kommen, dass es so warm werden würde. Doch das war ein Wert, den es vorher noch gar nie gegeben hatte. In solchen Fällen merke ich die Veränderungen.

Ist der Rekord eingetroffen?
Ja.

Immer treffen Ihre Vorhersagen nicht ein – zum Glück, angesichts der aktuellen Prognose.
(lacht) Wir sagen nicht: Morgen wird das Wetter hundertprozentig so. Wir kommunizieren die wahrscheinlichste Variante, die es aufgrund aller Berechnungen gibt. Aber es gibt immer auch andere Varianten, die dann dummerweise auch eintreffen.

Wie sieht die Trefferquote aus?
Für 24 Stunden im Voraus liegt sie bei 85 Prozent. Wir liegen also einmal pro Woche daneben. Das ist recht viel.

Streben Sie eine 100-Prozent-Trefferquote an?
Ich würde meinen Job nicht richtig machen, wenn ich nicht richtige Prognosen stellen wollte. Aber das System in der Atmosphäre ist so komplex – und chaotisch –, dass es gar nicht möglich ist, 100 Prozent zu erreichen.

Könnten mehr Messstationen die Trefferquote erhöhen?
Heute werden die Messstationen überschätzt. Viel wichtiger sind die Satelliten. Von ihnen beziehen wir 98 Prozent unserer Daten. Man müsste extrem viel investieren, um überhaupt noch einen winzigen Fortschritt zu erzielen.

Sie leiten bei SRF die Abteilung Forschung und Entwicklung. Was macht diese?
Wir als Naturwissenschafter sind bei SRF ein bisschen Exoten. Das Medienhaus kann uns wenig unterstützen, wenn wir zum Beispiel ein neues Computerprogramm brauchen. Darum müssen wir uns selber kümmern. Wir entwickeln etwa Programme, die die Radardaten analysieren.

Wie viele Ihrer Moderatoren haben Meteorologie studiert?
Seit Cécile Bähler aufgehört hat, alle ausser Sandra Boner. Wir verlangen ein abgeschlossenes Studium, wenn wir neue Leute einstellen. Die Prognosemodelle sind komplex. Wenn man ein bisschen versteht, was sich dahinter abspielt, kann man die Berechnung der Modelle besser einschätzen und kommunizieren.

Nervt es, dauernd auf Fehlprognosen angesprochen zu werden?
Es kommt auf den Ton an. Wenn ich eine Fehlprognose gemacht habe, nerve ich mich selber auch und bräuchte eigentlich nicht noch ein entsprechendes Mail.

Gibt es nach jeder Fehlprognose Reaktionen?
Am Wochenende kommen regelmässig Mails, unter der Woche selten. Ausser, wenn es einem Bauern das Heu verschiffet, dann reagiert er. Das verstehe ich. Das ist ja auch ein Seich.

Reklamieren die Bauern am meisten?
Es sind vor allem die Touristiker, die reklamieren. Sie machen dann jeweils den interessanten Vorschlag, wir sollten an unsicheren Wochenenden einfach schönes Wetter prophezeien.

Leidet SF «Meteo» unter der Konkurrenz des Internets?
Einerseits ja, andererseits ist das Internet eine Entlastung für uns. In drei Minuten Sendezeit können wir die Prognosen nie in dem Detaillierungsgrad kommunizieren, wie es heute möglich wäre. Wir könnten mehr sagen etwa zu den Unterschieden zwischen Kander- und Haslital. Bei uns heisst das dann einfach «Oberland». Mit dem Internet können wir aber jetzt genaue Punktprognosen für einzelne Orte anbieten.

Sie wohnen als Berner in St.Gallen. Ist das Wetter dort anders?
St.Gallen liegt etwas höher als Bern, deshalb ist es dort etwa zwei Grad kühler. Im Winter gibt es richtig Schnee, was ich gut finde. Aber schlecht ist es dort, wenn eine Front kommt. Während sie in Bern vorbeigeht, bleibt sie in St.Gallen, in den Voralpen, hängen, staut ewig vor sich hin, und es regnet und regnet.

Mögen Sie keinen Regen?
Doch. Ich habe lieber, wenn sich etwas tut, als tagelang langweiligen Sonnenschein. Ich mag es, wenn eine richtige Front kommt, wenn es «chuttet» und tut.

Was war das Verrückteste, das Sie mit Wetter je erlebt haben?
Das war kürzlich in Kopenhagen: Nacheinander kamen mehrere Gewitter, und es gab in zwei Stunden 150 Millimeter Regen. Das hatte ich noch nie erlebt. Es war natürlich blöd, dass alles überschwemmt wurde, aber es war ein Erlebnis.

Warum macht SF «Meteo» keine Biowetterprognosen, damit man die Gefühlslagen mit den Wetterlagen erklären könnte?
(lacht) Kopfwehwetter und so? Es gibt Untersuchungen, die Spitalstatistiken mit dem Wetter vergleichen. Aber das Problem ist: Die Statistiken sind von Spital zu Spital unterschiedlich. So haben die Leute im Spital Schaffhausen oft Kopfweh bei Bise, aber in Bern nicht unbedingt.

Stört es Sie, wenn Sie immer und überall aufs Wetter angesprochen werden?
Überhaupt nicht. Das ist mein Thema. Und dank dem Wetter werde ich von Leuten angesprochen, mit denen ich sonst nie in Kontakt käme.

Sie moderieren die beliebteste Sendung des Schweizer Fernsehens und gelten dadurch als Star.
Ja, das ist komisch, denn ich verstehe mich nicht als Moderator, sondern als Meteorologe.

Ihnen haftet das Image des «Traum-Schwiegersohns» an. Wie gehen Sie damit um?
(lacht) Darüber mache ich mir nicht so Gedanken.

Sind Sie jemandes Schwiegersohn?
Nein, ich bin ledig. Aber ich lebe in einer Beziehung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.07.2011, 10:26 Uhr

44

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44 Kommentare

Roland Di Dario

21.07.2011, 10:53 Uhr
Melden 40 Empfehlung

Ist das denn alles so schlimm? Also 1. hatten wir den Sommer ja bereits im März, April und Mai (auf den Kalender gehen kann man ja eh nicht mehr - Klimawandel lässt grüssen!), 2. haben nicht alle frei (wie würden wir uns ärgern, wenn es immer schön und warm/heiss wäre und wir im Büro arbeiten. Vom Aushalten gar noch zu schweigen (merke: nicht alle haben Klimaanlagen!) und 3. ONLY some like it hot! Antworten


Hans Müller

21.07.2011, 12:03 Uhr
Melden 39 Empfehlung

Ich hätte gerne am Samstag drei Stunden à 30 Grad. Können Sie das so einrichten? Antworten



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