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Adolf Merckle: «Geld ist immer genug da»

Aktualisiert am 07.01.2009

Visionär, Macher, Winkeladvokat: Der Milliardär und Ratiopharm-Gründer Adolf Merckle hatte viele Gesichter.

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Adolf Merckle nahm sich, von der Finanzkrise in die Enge getrieben, das Leben. Er gehörte einer der bekanntesten Unternehmerfamilien in Deutschland an.
Bild: Keystone

   

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Vor der Rettung

Während Blaubeuren um Adolf Merckle trauert, sieht es für die Rettung seiner früheren Vermögensgesellschaft gut aus. «Der Überbrückungskredit ist kurz vor der Zustimmung durch alle Banken», erklärte die Familie Merckle in der Ulmer Südwest Presse. «Adolf Merckle hat vor seinem Tod sämtliche für den weiteren Sanierungsprozess notwendigen Unterschriften geleistet. Darüber hinaus gibt es Generalvollmachten». Da Merckle in keinem Unternehmen alleiniger Geschäftsführer gewesen sei, könnten jetzt die Geschäfte überall fortgeführt werden.

Die Bewohner von Blaubeuren, einer Stadt mit 12'000 Einwohnern bei Ulm, sind geschockt über den Freitod von Milliardär Adolf Merckle. Für sie war er der grosse Kämpfer, der sich nach ganz oben gearbeitet hat. Ein erfolgreicher Unternehmer, der sich für seine Gemeinde einsetzte. Ein herzlicher, lebensfroher Mensch.

Bei schönem Wetter fuhr er mit dem Fahrrad ins Büro, bei Regen nahm er seinen Golf und zu Branchentreffen sei er im klapprigen Mercedes gekommen, heisst es in der Kleinstadt. Die Kinder durften unbehelligt auf seiner Einfahrt Fussball spielen, Merckle zeigte soziales und lokales Engagement. «Er war ziemlich cool, für die Milliarden, die er hatte», wird ein Jugendlicher aus Blaubeuren auf Spiegel Online zitiert. Seine Mitarbeiter habe der Milliardär immer gut behandelt und trotz seinem Reichtum nicht nur aufs Geld geschaut.

Einer der reichsten Deutschen

Adolf Merckle fing als Unternehmer in Blaubeuren klein an. 1967 übernahm der studierte Jurist die Firma seines Vaters «Adolf Merckle, Drogen und Chemikalien en gros», welche bereits sein Grossvater 1881 gegründet hatte, samt 80 Mitarbeitern. 1974 landete er mit der Gründung von Ratiopharm seinen grossen Coup. Das neue Unternehmen verkaufte aus den USA importierte Generika und heizte dem Wettbewerb mächtig ein. «Ratiopharm war sein Baby», weiss man in Blaubeuren. Zuletzte beschäftigte Macher Merckle in seinen Firmen 100'000 Angestellte und erzielte einen jährlichen Umsatz von 30 Milliarden Euro Umsatz. Er selbst war einer der reichsten Deutschen.

«Raffgierig, nachtragend, missgünstig»

Doch aus seinem Arbeitsumfeld ist nicht nur Positives zu hören. Ein Winkeladvokat sei er gewesen. Ihm habe davor gegraut, Steuern zu zahlen, heisst es. Heinrich Zinken, 20 Jahre lang Geschäftsführer bei Ratiopharm, nannte seinen ehemaligen Meister im deutschen «Manager-Magazin» gar raffgierig, nachtragend und missgünstig. Bis zu seinem Tod zog Merckle die Fäden im Hintergrund. Öffentliche Auftritte bei Verbandssitzungen und Branchentreffen mied er. Niemand sollte hinter das komplizierte und verworrene Firmengeflecht sehen. «Geld ist immer genug da» - so soll Merckle seine Führungskräfte jeweils ermuntert haben.

Doch er verspekulierte sich. Am Ende waren es zu viele riskante Übernahmen und waghalsige Börsengeschäfte. Je nach Quelle belaufen sich die Schulden zwischen 1 und 5 Milliarden Euro. Der drohende Verlust seines Imperiums und die Zocker-Vorwürfe der Öffentlichkeit wuchsen Merckle über den Kopf. «Adolf war der Starke und Selbstbewusste. Niederlagen verkraftete er immer schlecht», heisst es aus seinem Umfeld.

«Damit konnte ich nicht rechnen»

«Ich war immer Unternehmer», sagte Merckle selbst in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» Anfang Dezember 2008. «Und als Unternehmer geht man gewisse Risiken ein, kalkuliert, aber auch mit einem gewissen unternehmerischen Mut. Ich habe schon viele sogenannte ‹Börsencrashs› überstanden. Mit einer Banken- und Finanzkrise in diesem Ausmass konnte ich jedoch nicht rechnen.» Und weiter: «Ich war stets ein positiv denkender Mensch und hoffe daher, dass wir auch jetzt eine Lösung für die Unternehmen finden, mit denen wir uns so unmittelbar verbunden fühlen.»

In seinem Abschiedsbrief gab Merckle keinen Grund für seinen Freitod an, sondern entschuldigte sich bei seiner Frau und seinen drei Söhnen. (reh)

Erstellt: 07.01.2009, 15:23 Uhr

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