Abschiedsbrief von Amoktäter Tim K. aufgetaucht
Im März lief er einer Schule in Winnenden Amok: Tim K. (Bild: Keystone)
Die Online-Ausgabe des Magazins «Stern» berichtet unter Berufung auf ein psychiatrisches Gutachten, im Tresor im Zimmer des 17-jährigen Tim K. habe ein Abschiedsbrief gelegen. Bisher war davon nichts bekannt. In Ermittlungskreisen wurde der Bericht weitgehend bestätigt, ohne auf Einzelheiten einzugehen.
In dem Brief heisst es dem Bericht zufolge: «Die Wahrheit ist, diejenigen haben es schon von Geburt an in sich, es kommt jedoch nur raus, wenn das Gemacht hinzukommt.» Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wollte sich am Dienstag zu dem Bericht nicht äussern. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. Es sei unklar, ob sich diese Gedanken auf Tötungsfantasien oder die sexuellen Neigungen beziehen, berichtet das Online-Magazin weiter. Tim K. habe einer Therapeutin vom Drang «Menschen zu töten» berichtet. Wieder und wieder habe er sich darüber Gedanken gemacht. Die ganze Welt sei schlecht, er wolle «Menschen erschiessen».
Pornografische Bilder führten zu Persönlichkeitsstörung
Eine wichtige Rolle in dem Gutachten spielen laut «stern.de» sadomasochistische Fantasien des 17-Jährigen. Auf seinem Rechner habe die Polizei Bilder gefesselter Männer gefunden. Tim K. habe unter diesen Fantasien gelitten, sie jedoch den Therapeuten nicht geschildert.
Dem Gutachten des Stuttgarter Kinderpsychiaters Reinmar du Bois zufolge litt der Attentäter an einer masochistischen Persönlichkeitsstörung, wie «Der Spiegel» in seiner Online-Ausgabe berichtet. Dies führe der Gutachter vor allem auf pornografische Bilder zurück, die auf dem PC des Amokläufers sichergestellt wurden und die sogenannte Bondage-Szenen zeigen. Es handelte sich dabei wohl um sadomasochistische Fotos, auf denen nackte Männer von Frauen gefesselt und dominiert wurden. Tim K. habe stark unter diesen Fantasien gelitten.
Tatwaffe im Schlafzimmer der Eltern aufbewahrt
Der 17-Jährige hatte laut «Spiegel» vor der Tat mit Hilfe von Informationen aus dem Internet bei sich selbst eine bipolar-affektive Störung diagnostiziert. Über seine manisch-depressiven Stimmungsschwankungen habe er auch seine Eltern informiert, die daraufhin bei einer psychiatrischen Klinik ein Gespräch initiierten.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen den Vater von Tim K., weil er die spätere Tatwaffe im Schlafzimmer und nicht wie vorgeschrieben im verschlossenen Schrank aufbewahrt hat. Das Ermittlungsverfahren gegen den Vater soll bis zum Herbst abgeschlossen werden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.
Der 17-jährige Tim hatte am 11. März an seiner ehemaligen Schule in Winnenden und auf der anschliessenden Flucht nach Wendlingen in Baden-Württemberg 15 Menschen und danach sich selbst getötet. (bru/ap)
Erstellt: 08.09.2009, 16:05 Uhr
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