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Ab heute senden private Radios digital

Von Reinhold Hönle. Aktualisiert am 15.10.2009

Ab heute können Radiohörer in der Schweiz Sender mit DAB+ empfangen. Der Start der neuen Digitaltechnologie bringt mehr Klangqualität und Sender. Darunter befinden sich unter anderen die Privatradios Eviva und Energy.

Das Mikrofon ist noch nicht abgeschaltet: Radio Energy aus Zürich ist ab sofort über den neuen Digitalstandard DAB+ empfangbar. Energy musste auf DAB+ ausweichen, weil das Radio keine neue UKW-Konzession erhalten hat.

Das Mikrofon ist noch nicht abgeschaltet: Radio Energy aus Zürich ist ab sofort über den neuen Digitalstandard DAB+ empfangbar. Energy musste auf DAB+ ausweichen, weil das Radio keine neue UKW-Konzession erhalten hat.
Bild: Keystone

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Capital FM ohne DAB+

Das Berner Radio Capital FM, das wie diese Zeitung zur Espace Media AG gehört, setzt bei der Digitalisierung auf den Standard HD Radio statt auf DAB+. «DAB+ ist nur für eine sprachregionale Abdeckung geeignet», sagt Geschäftsführer Marc Friedli. «Zudem erachte ich das Risiko einer Totgeburt als sehr hoch.» In der Schweiz sei DAB+ nur ein Thema, weil die SRG die Technologie vorantreibe. «Es gilt, Millioneninvestitionen zu decken», erklärt Friedli. Denn DAB+ sei im Vergleich zu anderen Digitalisierungsarten von Radiosignalen sehr teuer.

Friedli rechnet damit, dass in Zukunft Radioempfänger alle gängigen digitalen Signale wie DAB+ und HD Radio werden empfangen können. jnm

Das digitale Radio wurde seit seiner Erfindung vor zwanzig Jahren schon mehrfach totgesagt. Trotzdem scheint es in Europa immer mehr Fuss zu fassen. In der Schweiz steht mit der Lancierung von DAB+ am heutigen Tag der bisher bedeutendste Schritt für die Verbreitung des Mediums bevor. Anders als die Abschaltung des Mittelwellensenders Beromünster, der die Mehrzahl der 160000 DRS-Musigwälle-531-Hörer bewog, für dessen Empfang auf DAB umzusteigen, gibt es diesmal nicht nur einen beliebten Sender als Köder: Es sind gleich mehrere sowie ein stark verbesserter Klang, der beinahe CD-Qualität erreicht.

Anfänge vor 20 Jahren

Das Urformat DAB (Digital Audio Broadcasting) wurde vor zwanzig Jahren von Wissenschaftlern des Fraunhofer Instituts entwickelt, da sie sich darüber geärgert hatten, dass sie auf ihren langen Autofahrten von Stuttgart nach Berlin mehrfach die UKW-Frequenz wechseln mussten, um weiter ihren Lieblingssender hören zu können. Die Erfindung, die dank digitaler Codierung und Decodierung einen rausch- und störungsfreien Radioempfang erlaubt, blieb zuerst ungenutzt.

Erst Ende der 90er-Jahre wurde in Deutschland und der Schweiz entlang viel befahrener Autobahnen versuchsweise ein Netz aufgebaut, das allerdings kaum genutzt wurde. Der Grund: Das Blaupunkt-Autoradio, das für DAB-Empfang auf den Markt gebracht wurde, kostete 3500 Franken.

Erfolgreicher verlief die DAB-Lancierung in Grossbritannien, weil man sich dort entschied, nicht die Lücken im dortigen UKW-Netz zu stopfen, sondern in den raschen Aufbau eines breiten DAB-Netzes zu investieren und preisgünstige «Küchenradios» anzubieten.

Inzwischen ist dort eine Abdeckung von 85 Prozent erreicht. Dreihundert lokale und nationale Programme werden ausgestrahlt, und ein Drittel der Haushalte besitzen schon ein DAB-Radio.

Schweizer DAB-Welle

In der Schweiz ist die Zahl der Geräte, die im Umlauf sind, seit 2006 von 25000 auf 350000 gestiegen. Das vor zwei Jahren geschaffene DRS 4 News und vor allem der Wechsel der volkstümlich- und schlagerorientierten DRS Musigwälle 531, die jetzt nur noch Musikwelle heisst, schraubten das Interesse an DAB in die Höhe. «Für den nächsten Schub wird DAB+ sorgen», ist Ernst Werder überzeugt, der als Projektleiter Digitale Vermarktung im Auftrag von SRG SSR idée suisse die Fäden zieht. «Diese Weiterentwicklung macht die Technologie endgültig konkurrenzfähig.»

Das Verfahren, das ein Schwede 2006 entwickelt hat, erlaubt im Gegensatz zum veralteten MP2-Format beim DAB echten Musikgenuss, da Höhen und Tiefen weniger beschnitten werden müssen. Die stärkere Komprimierung erlaubt ausserdem die Vergabe von deutlich mehr Programmplätzen. Bei der europäischen Wellenkonferenz im Jahr 2006 in Genf erhielt die Schweiz sieben Layers à fünfzehn Plätze zugesprochen, wovon bisher erst einer in Betrieb war. Das Programmangebot darin ist je nach Sprachregion unterschiedlich gewichtet und umfasst die staatlichen Radios.

Zum zweiten Layer, der heute auf Sendung geht, gehören auch sechs private Stationen: das volkstümliche Eviva, das zuvor nur über Kabel und Internet zu empfangen war, Radio Basel DAB, Top Two, der christliche Life-Channel, der alternative Nachrichtenkanal Open Broadcast und Energy, das ein DAB-Zugpferd zu werden verspricht, nachdem das populäre Zürcher Lokalradio keine neue UKW-Konzession erhalten hat.

Neu im Angebot sind zudem Backstageradio, das aus der MX3-Plattform der SRG-Radioprogramme hervorgegangen ist, und das englischsprachige WRS (World Radio Switzerland). Nicht dabei ist Capital FM (s. Kasten).

Vorerst nur in Grossräumen

Der Wermutstropfen bei DAB+ ist, dass der zweite Layer zu Beginn erst in den Grossräumen Zürich, Bern und Basel empfangen werden kann, weil die Sender, die wegen der schwierigen Schweizer Topografie wie bei UKW alle hundert Kilometer montiert werden müssen, in den übrigen Landesteilen noch fehlen.

Die komplette Abdeckung mit DAB+, die bis Ende 2012 erreicht sein soll, dürfte indes rasch genug sein, um dessen Siegeszug nicht zu gefährden.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 15.10.2009, 07:38 Uhr

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