«Aussergewöhnlich teuflisches Verbrechen» – 150 Jahre Haft für Betrüger Madoff
Harte Strafe für den Grossbetrüger: Bernard Madoff. (Bild: Keystone)
Artikel zum Thema
Die Strafe von 150 Jahren Haft im bisher grössten Betrugsfall der Finanzgeschichte verhängte am Montag ein Gericht in New York. Madoff wurde damit zu der von der Staatsanwaltschaft geforderten Höchststrafe verurteilt. Der 71-jährige Ex-Broker hatte mit einem rund 65 Mrd. Dollar schweren Schneeball-System weltweit tausende Anleger geschädigt. Das Verbrechen sei «aussergewöhnlich teuflisch», urteilte Richter Denny Chin. Er wies darauf hin, dass die Mauscheleien mit dem Geld von Kunden sich über 20 Jahre hinzogen. «Der Vertrauensbruch war massiv», sagte der Richter.
«Fürchterlicher Fehler»
Madoff hatte zuvor nochmals Reue gezeigt. Er habe einen «fürchterlichen Fehler» begangen, betonte er im Gerichtssaal. An die Opfer gewandt sagte er: «Es tut mir leid. Ich weiss, das hilft Ihnen nichts.» Der Verteidiger hatte auf Milde und nur zwölf Jahre Haft plädiert. Madoff habe mit den Behörden kooperiert und auch nicht versucht, zu fliehen, sagte sein Anwalt. Lange zu leben habe er statistisch ohnehin nicht mehr. Die Zuschauer im Gerichtssaal, darunter viele Opfer, applaudierten bei der Bekanntgabe des Urteils.
Das Bezirksgericht hatte vergangene Woche bereits den Verfall von Madoffs Vermögen angeordnet und die Forderung mit 171 Milliarden Dollar beziffert. Der einst hoch angesehene Financier hat laut Anklage mit einem Schneeballsystem 4800 Anleger um einen zweistelligen Milliardenbetrag betrogen. Der 71-Jährige bekannte sich vor Gericht im März unter anderem des Betrugs, der Untreue sowie der internationalen Geldwäsche schuldig. Madoff war früher neben dem Betrieb der eigenen Anlagefirma auch Verwaltungsratschef der Technologiebörse Nasdaq.
Tausende gefälschte Kontoauszüge
Laut Anklage soll Madoff spätestens seit den frühen Neunziger Jahren Gelder von Anlegern, die er vor allem in der jüdischen Gemeinde der USA einsammelte, nicht etwa in Aktien und Optionen angelegt haben. Vielmehr habe er die Milliarden lediglich auf einem Konto gelagert und Kunden, die Geld abziehen wollten, aus den Mitteln ausgezahlt, die er von neuen Anlegern eingeworben hatte.
Über Jahrzehnte soll Madoff auch über Marktschwankungen hinweg seinen Kunden auf diese Weise Renditen im zweistelligen Prozentbereich vorgegaukelt haben. Mit Tausenden gefälschter Kontoauszüge soll Madoff einen Wert der Anlage von insgesamt 65 Milliarden Euro vorgespiegelt haben.
Prominente und Stiftungen unter Geschädigten
Zu den Geschädigten gehören Prominente wie der Regisseur Steven Spielberg, aber auch Stiftungen wie die des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel sowie Tausende von Privatanlegern, Pensionsfonds, Hedgefonds und wohltätige Einrichtungen. Auch Banken in Europa investierten bei Madoff.
Von den Einnahmen finanzierte Madoff der Anklage zufolge nicht nur Auszahlungen an Anleger, sondern auch den eigenen aufwendigen Lebensstil. Zu den Besitztümern, deren Einzug das Gericht beschlossen hat, gehören Millionen von Dollar teuere Immobilien in New York und Palm Beach, Florida, sowie eine Jacht. (vin/ap/sda)
Erstellt: 29.06.2009, 21:51 Uhr




















Die Welt in Bildern











