Ware Models
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 19.05.2010 11 Kommentare
Artikel zum Thema
- Schweizer «Supermodel» findet keinen Mann
- Das erste schwarze Supermodel ist tot
- Supermodels ungeschminkt
- Stars & Styles: Kate was Kristen - geklonte Supermodels
- Forever Supermodel
Stichworte
Die Modebranche hat zurzeit keine gute Presse. Da war zuerst die Diskussion um den Magerwahn, erst recht, nachdem es zu Verhungerten gekommen war. Dann kamen die Schlagzeilen wegen Selbstmorden: 2008 sprang das russische Model Ruslana Korshunowa aus dem Fenster ihrer Wohnung in Manhattan, ein Jahr später erhängte sich die «koreanische Kate Moss» Daul Kim, kurz darauf tat Designer Alexander McQueen dasselbe und vor einem Monat auch Ambrose Olsen, ein aus Alaska stammendes Männermodel. Und letzte Woche wollte sich L'Oréal- und Victoria's-Secret-Model Noémi Lenoir das Leben nehmen. Die Ex-Freundin von Carl Hirschmann wurde mit einer Überdosis Tabletten und Alkohol in einem Wald bei Paris gefunden.
Es wäre nun verkehrt, aus diesen Fällen zu schliessen, es würden sich auffällig viele Menschen aus dieser Branche selbst töten oder es versuchen. Es ist wohl vielmehr so, dass es im Unterschied zu anderen Berufsgattungen eher bekannt wird und, entsprechend den Gesetzen der Medien, ein bekannter, schöner Mensch tot weit mehr an Tragik und Drama zu bieten hat als ein unbekannter, weniger schöner.
Models sind eine Ware
Lenoir soll unter Depressionen und einem Alkohol- und Drogenproblem leiden, aber hellhörig macht einen vielmehr eine einstige Aussage von ihr. Sie beklagte sich am Fernsehen erbittert darüber, dass sie in dieser Branche nur auf ihr Äusseres reduziert werde, dass sich niemand dafür interessiere, wer sie wirklich sei. Das ist nun ein etwas eigenartiger Satz von einer Frau, die diesen Job ja eben gerade wegen ihres Aussehens bekommen und damit so viel Geld verdient hat, wie es ihr anders wohl kaum möglich gewesen wäre. Auch Karen Mulder, die bereits 2002 mit einem Selbstmordversuch in die Schlagzeilen geriet, machte damals ähnliche Aussagen und sprach davon, wie eine Ware behandelt worden zu sein.
Und natürlich haben die beiden recht. Das Irritierende daran ist nur, dass sie zu verkennen scheinen, worum es bei diesem Beruf geht, den so viele junge Mädchen als Traumberuf angeben: Models sind eine Ware. Man verkauft keine Kosmetik mit einer klugen Frau. Man sucht keine liebenswürdige Frau für eine Kampagne. Man will keine charmante Frau auf dem Laufsteg. Models sollen schöner, dünner, von einer anderen Welt sein; sie sind dazu da, Illusionen zu verkaufen. Ihr Innenleben interessiert nicht, denn sie weisen die beruflichen Qualifikationen aufgrund ihrer körperlichen Vorzüge auf. Genauso wenig interessiert es ja auch, ob sich ein Zahnarzt gerade in Scheidung befindet. Er soll bloss gut Zähne flicken können.
Wenig Empathie
Die Bemerkung Lenoirs zeigt, wie sehr der Modeljob selbst von denen falsch verstanden wird, die sich schon lange in der Glitzerwelt bewegen. Wie viele sich vom schönen Schein und vom Glamour blenden lassen und die Künstlichkeit von Fotoshootings mit der Realität verwechseln. Die Modebranche ist launisch, schnell gelangweilt und vor allem knallhart. Wo Frauen aus drei Zahlen bestehen, aus Brust-, Taillen- und Hüftumfang, «Mädchen» genannt und beim Vornamen gerufen werden, ist nicht viel Empathie zu erwarten. Das muss wissen, wer da mitmachen will.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.05.2010, 20:00 Uhr
Kommentar schreiben
11 Kommentare
Schönheit hat ursprünglich mit dem Beruf Model nichts zu tun. Schon der Name weist darauf hin, dass diese Person als Modell etwas darzustellen und zu präsentieren hat. Dafür braucht es kein perfektes Aussehen, aber die Person verkauft sich so besser und die Make Up-Leute haben weniger zu tun vor einem Fotoshooting oder einer Fashion-Show. Antworten
Panorama
Grandioses Berg-Erleben.
Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






