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Katie Holmes widersetzt sich Tom Cruise
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Wer kennt ihn nicht, den heimlichen Wunsch, prominent zu sein? Ein paar öffentliche Streicheleinheiten befriedigen narzisstische Neigungen schliesslich aufs Beste. Deshalb wurden auch die Castingshows erfunden.
Die einfachste Art, ins Rampenlicht zu treten – oder getreten zu werden –, ist mit dem Umstand verbunden, Kind prominenter Eltern zu sein. Suri ist als Tochter der Schauspieler Tom Cruise und Katie Holmes ein typisches Beispiel. Ihr Vater ist zugleich der prominenteste Scientologe überhaupt. So viel VIP auf einmal kumuliert sich auch in der Glitzerwelt von Hollywood nicht täglich.
Die «stille Geburt»
Schon bei der Geburt manifestierte sich dieser doppelte Promistatus. Die Medien rätselten wochenlang über die als «stille Geburt» angekündigte Niederkunft. Scientologen glauben nämlich, dass störende Geräusche bei einem traumatischen Akt wie der Geburt negative Prägungen verursachen.
Damals, am 18. April 2006, war die Welt von Cruise noch heil. Seine überbordende Freude hatte der 47-jährige schon vorher öffentlich in der Fernsehtalkshow von Oprah Winfrey zelebriert. Der Schauspieler hüpfte auf dem Sofa herum und schrie: «Ich bin verliebt, ich bin verliebt.» In der Folge wurde die Formulierung «jumping the couch» in den USA zum Synonym für einen Selbstdarsteller, der öffentlich seinen Ruf ruiniert – und zum treffendsten Slang-Ausdruck gewählt.
Suri weiss noch nichts von ihrem öffentlichen Status. Das Mädchen freut sich wie die meisten Kinder, bald zur Schule gehen zu dürfen. Für Scientologen ist die Einschulung allerdings meist der Beginn der Sektenkarriere. Das Sofaglück von Papa Tom wäre damit vollkommen.
Hat Tom Katie «nicht richtig gehandhabt»?
Doch es kam anders. Katie Holmes macht Tom Cruise Stress. Ihre Skepsis gegenüber Scientology hat sich offensichtlich zu einer handfesten Allergie entwickelt. Amerikanische Medien behaupten sogar, Katie weigere sich inzwischen, mit Tom das Bett zu teilen.
Die Folgen bekommt Suri zu spüren. Sie soll in der Schule nicht unter den Lernmethoden von Scientology büffeln, sondern im Geist des Papstes erzogen werden. Ihre Mamma hat sie beim Yawkey Center in Boston angemeldet.
Für Cruise ein GAU: Nach der Schmach am Familientisch kommt der Showdown im Scientology-Zentrum. Denn nach scientologischer Ethik hat Vorzeigemitglied Cruise seine Frau «nicht richtig gehandhabt». Das ist die kapitale Sünde eines Stümpers, der die Hubbard-Doktrin weder begriffen hat noch sie umzusetzen weiss.
Für Cruise folgt – falls die Scientology-Regeln auch bei ihm angewandt werden – das übliche Programm zur Wiedergutmachung. Es beginnt mit einem Sicherheitscheck, bei dem das Hubbard-Elektrometer im Mittelpunkt steht. Dieses Gerät, benannt nach dem Sektengründer Ron Hubbard, soll die seelische Ladung des Schauspielers messen. In Wirklichkeit aber dient die Maschine, die ähnlich wie ein Lügendetektor funktioniert, dem Verhör.
Zur «Umerziehung» einrücken
Gelingt es Cruise nicht, seine Frau auf den Pfad der Sektentugend zurückzuführen, drohen immer härtere Sanktionen. Es beginnt mit dem Reinigen von WCs und kann im sekteneigenen Straflager RPF enden. Was ihn dort erwartet, könnte Cruise vom Schweizer Scientology-Chef Jürg Stettler erfahren. Der musste vor ein paar Jahren nämlich, weil er einen Prozess verloren hatte, zur «Umerziehung» einrücken. Aussteiger erzählen, dass die Insassen dort schuften und die Hubbard-Weisheiten bis zum Umfallen studieren – teilweise unter Sprechverbot.
Suri dürften die drohenden Strafmassnahmen gegen ihren Vater wenig kümmern. Sie wird einen Teil des Promi-Ballastes abwerfen und sich über neue «Gspänli» freuen können, die keine Ahnung haben, wer Cruise und Hubbard sind. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.10.2009, 07:43 Uhr
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