Panorama
Die reichsten Schweizer haben 70 Milliarden Franken verloren
Von Ralph Pöhner. Aktualisiert am 05.12.2008 21 Kommentare
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Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer? Der Politspruch war noch nie sehr präzise, und jetzt wird noch deutlicher, dass die Sache nicht so einfach ist: Die Reichen werden nämlich immer weniger reich. Dies ein Fazit der neuen Reichsten-Liste der «Bilanz». Laut dem Wirtschaftsmagazin verloren die 300 vermögendsten Menschen der Schweiz letztes Jahr zusammen 70 Milliarden Franken – und besassen am Ende 459 Milliarden.
Zuoberst präsentiert die Liste die üblichen Verdächtigen, an der Spitze steht wie gewohnt Ikea-Gründer Ingvar Kamprad. Ansonsten wechseln die Oeris und Hoffmanns, die Veckselbergs, Brenninkmeijers und Bertarellis allenfalls die eine oder andere Position. Interessant wird denn in diesem Jahr eine andere Frage: Wer ist neu? Wer hat es trotz der Börsenkrise geschafft, in den «Bilanz»-Club der 300 Reichsten vorzustossen? Eintrittsbedingung: Man muss mindestens 100 Millionen Franken Vermögen haben.
Und da tauchen tatsächlich interessante, prominente oder auch überraschende Namen auf.
Die 100-Millionen-Grenze überschritt zum Beispiel Roger Federer. Dafür genügte dem Tennisstar eine Unterschrift: Der Nike-Werbevertrag über 130 Millionen Dollar allein genügte, um Federer über die Schallgrenze zu bringen.
Ebenfalls Einzug unter die 300 Reichsten der Schweiz hielt Uli Sigg. Der ehemalige Konzernchef von Schindler und Ex-Botschafter in China profitierte davon, dass er in Jahrzehnten die weltgrösste Sammlung mit chinesischer Gegenwartskunst aufgebaut hatte: Alleine diese Kunstwerke werden nun über 100 Millionen Franken eingeschätzt. Hinzu kam, dass er an der Innerschweizer Medizinaltechnikfirma Plus Orthopedix beteiligt war, die jüngst für 1,1 Milliarden Franken in die USA verkauft wurde.
Ein weiterer Aufsteiger: Jean-Claude Biver. Ihm war es schon in den Neunziger Jahren gelungen, die Uhrenmarke Blancpain wiederzuerwecken, um sie dann dem Uhrenriesen SMH zu verkaufen. Jetzt gelang ihm mit Hublot ein ähnlicher Streich. 2004 stieg Biver bei der Uhrenfirma ein – dieses Jahr konnte er und sein Partner Carlo Crocco Hublot an den französischen Luxuskonzern LVMH verkaufen. Crocco ist denn ein weiterer Neuling in der «Bilanz»-Liste: Der 66-Jährige, einst eingewandert aus Italien, will sich nun verstärkt seiner Stiftung für Waisen in Indien widmen.
Weitere bekannte Neo-Reiche in der Schweiz: Eric Guerlain, der als Erbe der Parfummarke Guerlain vom Boom der Luxusfirmen profitierte; der Thurgauer Leo Looser, dessen KMU-Konglomerat ein solides Wachstum hinlegen konnte; oder der tschechische Erb-Adlige und Aussenminister Karl zu Schwarzenberg, der vor allem grossen Grundbesitz sein Eigen nennt.
Obendrein vermeldet die Liste – wie fast schon gewohnt – allerlei Reiche, die aus aller Welt neu ins steuergünstige Land gezogen sind. So erwähnt die «Bilanz» den Hotelgründer Paul Dubrule («Accor», 200 bis 300 Millionen), den russischen Erdölmagnaten Gennadi Timtschenko (1.5 bis 2 Milliarden) oder die deutschen Versandhaus-Könige Joachim und Andreas Kohm («Veiflon», 1.5 bis 2 Milliarden). (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.12.2008, 06:53 Uhr
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21 Kommentare
Es gibt arme reiche und reiche arme ! Das ist eine Frage der Optik und des Massstabes. Nur Sachwerte und Geld allein geben eben nur eine Zahl mit einigen Nullen. Letztendlich sind Lebensqualität und innere Zufriedenheit auch Werte - resp. DIE eigentlichen Werte, welche eben nicht mit Buchhaltung zu belegen sind. Also, nur kein Neid. Freuen wir uns, dass wir in einem *reichen* Staat leben dürfen. Antworten
Michael Arm hat schon recht, wenn er meint, dass man über hohe Managersaläre negativ spricht, bei Roger Federer sagt man jedoch nichts. Nur - Roger Federer kann nicht mehr lange am Tenisspielen verdienen. Er wird abgelöst und in absehbarer Zeit werden seine Knochen nicht mehr mitmachen. Antworten
Ich finde es sehr spannend, dass man über ein Einkommen eines sympathischen Tennis Profi mit 100m und mehr nicht herziehen will aber gleichzeitig die Managersaläre massiv in Frage stellt. Wo bleibet hier die Ausgewogenheit? Evtl. wäre beides in etwa gleich kritisch zu würdigen!. Antworten
Im "20.minuten" steht auch noch, wieviel die 300 reichsten Schweizer laut "Bilanz" besitzen, nämlich 459 Milliarden Fr. Abgebildet ist Roger Federer, gleichsam zum Beweis, wie gerechtfertigt dieses Reichsein sei. Was noch fehlt, ist eine Zusammenstellung, wieviel die Milliarde ärmsten Menschen auf dieser Welt zusammen besitzt: nämlich gar nichts. Mathematischer Faktor der beiden Zahlen: Unendlich! Antworten
Nicht nachvollziehen kann ich die oberfaule und von sozialdarwinistischer Gesinnung geprägte Häme "Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer? Der Politspruch war noch nie sehr präzise." DOCH, DER WAR UND IST SEHR PÄZIS! Denn der Spruch bezieht sich nicht in erste Linie auf Vermögen, sondern auf Einkommen, Chancen, Existenzsicherung, Sozialität, Sicherheit, Anerkennung, Akzeptanz, etc Antworten
Die Liste ist unvollständig und enthält die reichsten der Reichen nicht ! Zudem haben viele auf dieser Liste gar kein Geld, sondern Kunst oder Ländereien, deren Wert äusserst fraglich ist und im Extremfall (Notverkauf) nicht mal einen Viertel bringen würde. Die Reichste der Reichen ist zudem nicht auf der Liste - es ist eine Frau - Nein es ist nicht Frau Oeri.... Antworten
Alle jene, die das Vermögen sich selber erarbeitet haben, tun mir tatsächlich leid. Davon gibt's allerdings nicht viele. Und all jene, die es geklaut, ererbt oder sonstwie ins Körbchen gelegt bekommen haben, tun mir nicht leid. Aber vielleicht sehe ich sie ja bald auf dem Arbeitsamt, dann müssen auch sie ihre Stellenbewerbungen auflisten. Antworten
Es gibt arme und es gibt reiche Menschen. Es gäbe keine Reichen ohne die Armen, und es gäbe keine Armen ohne die Reichen. Je früher man dies im Leben erkennt, desto eher gehört man zu den reichen Mitmenschen. Ursprung für diese Erkenntnis ist meistens nicht etwa Barmherzigkeit, Ehrlichkeit oder Hilfsbereitschaft, sondern eher Berechnung, Eigennützigkeit und Egoismus. Antworten
Mein tiefstes Beileid was die Mrd.anbelangt. Was die stetigen Steuersenkungen für höchst Verdiener bereits der Gemeinschaft, dem Staat, den Kantonen, den Gemeinden entzogen haben ist nun auch noch anderweitig verschwunden. Mein Herz und Mitgefühl liegt aber eher bei denen die bald mal entlassen werden oder die schon heute schlecht bezahlt werden. Antworten
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Wolfgang Erschwil
Was nützt Ihnendas ganze Geld? Die meisten Reichen haben Angst um Ihr Wohlstand und leben hinter Mauern oder in Festungen. Dann lieber kein Geld und dafür frei .... und wenn ich schon höre, die haben 70 Mrd. verloren, dann kann ich nur lachen denn wenn die Aktien wieder steigen werden Sie gleich den Verlust aufholen. Jammern wegen 15% Verlust bei den Reichen ist einfach daneben. Antworten