Fritzl spricht von «krankhaftem Verhalten» und «bösartiger Seite»
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Fritzl bekennt sich des Mordes und der Sklaverei für schuldig
Überraschung im Prozess um den Inzest-Fall von Amstetten: Nach der Aussage seiner gequälten Tochter bekannte sich Josef Fritzl am Mittwoch in allen Punkten der Anklage schuldig, auch des Mordes durch Unterlassen. Der 73-jährige räumte ein, dass er einem im Kellerverlies gestorbenen Baby hätte helfen müssen. Für Mord droht ihm lebenslange Haft. Die psychiatrische Gutachterin bescheinigte Fritzl eine schwere Persönlichkeitsstörung und empfahl die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt. Das Urteil wird am Donnerstag erwartet.
Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht im österreichischen St. Pölten hatte Fritzl nur ein teilweises Geständnis zu den Anklagepunkten Vergewaltigung, Nötigung, Freiheitsberaubung und Inzest abgelegt, Mord und Sklavenhaltung aber bestritten. Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin nach dem Grund seines Sinneswandels verwies er nun auf die auf Video aufgenommene Aussage seiner Tochter Elisabeth, die am Dienstag hinter verschlossenen Türen vorgetragen worden war.
«Grosse Erschütterung»
Insgesamt elf Stunden lang schildert die heute 42-Jährige auf den Bändern ihr 24 Jahre währendes Martyrium: Im Alter von 18 Jahren vom Vater in den Keller des Elternhauses gesperrt, unzählige Male vergewaltigt, sieben Kinder geboren. Drei holte Fritzl nach oben und zog sie mit seiner Frau auf, drei mussten im Verlies bleiben und sahen nie das Tageslicht - bis der Fall vergangenen April eher zufällig aufflog. Die Staatsanwaltschaft schilderte Elisabeth als «gebrochene» Frau.
Angesichts der Schilderung «dürfte eine grosse Erschütterung in ihm stattgefunden haben», erklärte Verteidiger Rudolf Mayer den Sinneswandel seines Mandanten. Gerüchte, Elisabeth habe an der nichtöffentlichen Verhandlung am Dienstag persönlich teilgenommen, wurden von offizieller Seite nicht bestätigt. Mayer sagte: «Falls eines der Opfer im Gerichtssaal gesessen ist, bin ich der Meinung, dass das ein Grossteil der Erschütterung gewesen ist.»
Elisabeth und ihre nun sechs bis 20 Jahre alten Kinder leben inzwischen an geheimgehaltenem Ort. Für die Dauer des Prozesses sind sie in den Schutz der Klinik zurückgekehrt, in der sie die erste Zeit in Freiheit erlebten.
«Ich weiss nicht, warum ich nicht geholfen habe»
Fritzl räumte ein, dass er bei der Geburt von Zwillingen 1996 dabei war und bemerkte, dass eines der Neugeborenen schwer atmete. «Ich weiss nicht, warum ich nicht geholfen habe. Ich war der Hoffnung, dass er's durchsteht», sagte er. «Ich hätte erkennen müssen, dass es dem Baby schlecht geht.» Der Junge starb nach drei Tagen. «Ich hätte etwas tun müssen. Ich hab's einfach übersehen. Ich war der Meinung, der Kleine wird überleben.»
Fritzl sprach ruhig und versteckte sich auf dem Weg in den Gerichtssaal nicht mehr hinter einem Aktenordner. Einmal bezog er sich selbst auf «mein krankhaftes Verhalten». Er nehme seine «bösartige Seite» selbst wahr, erklärte die Psychiaterin Adelheid Kastner. In ihrem Gutachten bescheinigte sie ihm eine schwere Persönlichkeitsstörung, bezeichnete ihn aber als zurechnungsfähig. Er wisse, dass er Unrecht tue, wenn er mit schlechtem Gewissen einschlafe und aufwache. Trotz seines hohen Alters stelle er im Fall einer Freilassung immer noch eine Gefahr dar, erklärte die Sachverständige und empfahl daher die Einweisung in eine geschlossene Anstalt.
Nach Aussage der Gutachterin wurde die Verhandlung auf Donnerstagfrüh vertagt. Dann werden die Schlussplädoyers und am Nachmittag auch bereits das Urteil erwartet. (sam/ap)
Erstellt: 18.03.2009, 13:59 Uhr
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