Das Wochenende der Hoffnung

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 10.10.2008
Die Finanzminister und Notenbanker der grossen Industriestaaten suchen in Washington nach Auswegen aus der Finanzkrise. Die Welt braucht eine Entscheidung zu einer global koordinierten Rettungsaktion – in den nächsten zwei Tagen.
topelement Börsenhändler mussten im 2008 oft mit bangem Blick auf die Bildschirme schauen. Mehr Bilder (11)
Mit dem Entscheid, Lehman Brothers nicht zu retten, vertraute der US-Finanzminister Henry Paulson darauf, dass die Märkte den Untergang der Investmentbank verkraften würden – eine katastrophale Fehleinschätzung. Paul Krugman, schreibt in der «New York Times»: «Henry Paulson hat russisches Roulette gespielt, und siehe da: Es war eine Kugel in der Kammer.»

Der Lehman Kollaps hat eine Schockwelle durch das Finanzsystem gejagt. Obligationen im Wert von 400 Milliarden Dollar verloren über Nacht 90 Prozent ihres Wertes, anders ausgedrückt: Es wurden schlagartig 360 Milliarden Dollar vernichtet. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandprodukt der Schweiz betrug 2007 rund 512 Milliarden Franken.

Das Finanzsystem ist k.o.

Das ohnehin schon angeschlagene Finanzsystem konnte diesen Schock nicht verkraften. Es ging, in der Boxersprache ausgedrückt, k.o. Banken vertrauen sich gegenseitig nicht mehr und leihen einander kein Geld mehr aus.

Ohnehin ist das Bankensystem in einem viel schlechteren Zustand als bisher angenommen wurde. In seinem jüngsten Bericht spricht der Internationale Währungsfonds (IWF) davon, dass allein die westlichen Banken 675 Milliarden Dollar frisches Kapital brauchen. Nur so kann verhindert werden, dass die Banken den Kredithahn zudrehen und damit die reale Wirtschaft schädigen.

Die Finanzkrise hat sich rasend schnell um den Globus verbreitet. Die Aktienbörsen crashen nicht nur in den USA und Westeuropa. sondern auch in China, Indien, Japan und Russland. Um die Panik in den Griff zu bekommen genügen nationale Massnahmen allein nicht mehr. Selbst das 700 Milliarden Dollar Rettungspaket der USA, konnte die Anleger bisher nicht beruhigen.

An diesem Wochenende treffen sich die G7

Zum Glück stehen die Zeichen für eine internationale Rettungsaktion gut. Bereits vorgestern haben verschiedene westliche Zentralbanken und China gemeinsam die Leitzinsen gesenkt. An diesem Wochenende treffen sich in Washington sowohl die Finanzminister der reichen Ländern, der G7. Gleichzeitig findet das Jahrestreffen des IWF statt, an der die Notenbanker teilnehmen. Wenn es gelingt, eine plausiblen Plan für eine internatonal koordinierte Rettungsaktion zu präsentieren, dann stehen die Chancen gut, dass sich die Märkte wieder beruhigen. Wenn nicht: Beten Sie!

( Bernerzeitung.ch/Newsnetz )

Erstellt: 10.10.2008, 16:20 Uhr

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