Ausser Spesen nix gewesen: Anleger haben über zehn Jahre verloren

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 03.03.2009
Ob Aktien, Rohstoffe, Immobilien oder Obligationen: Die Kurse stehen tiefer als Ende der Neunzigerjahren. Was bedeutet das für uns alle?
Der Dow Jones fällt erstmals seit 1997 wieder unter die 7000-Marke, ein Fass Erdöl kostet rund 40 Dollar. Die Preise für amerikanische Immobilien sind nochmals mehr als 20 Prozent eingebrochen, wer Obligationen kauft, muss sich mit einer äusserst bescheidenen Rendite zufriedengeben. Das bittere Fazit für Investoren: Die Gewinne der letzten zehn Jahren sind weggeblasen, und alle gehören zu den Verlieren.

Selbst Warren Buffett hat über das Wochenende einen Verlust in der Höhe von Milliarden von Dollar bekannt gegeben. Der Mann, der eigentlich immer alles richtig macht, ist vom Kollaps der Energiepreise überrascht worden.

Vier Krisenherde

Nicht nur die Banken leiden, keiner kommt in der aktuelle Krise ungeschoren davon. Die «Financial Times» zählt die vier wichtigsten, Krisenherde ausserhalb der Bankenwelt auf:

Auch die Profis hats erwischt

Kleinanleger, die jetzt ratlos ihr zerzaustes Portfolio analysieren, haben wenigstens einen Trost: Die Profis waren keinen Deut besser. «Praktisch jede Strategie, die man den institutionellen Anlegern empfohlen hat, hat sich als totales Desaster herausgestellt», erklärt Fondsmanager Michael Lewitt von Harch Capital Management.

Die Achtzigerjahre waren das «verlorene Jahrzehnt» Südamerikas, Japan übernahm die rote Laterne in den Neunzigern. Die letzten zehn Jahre dürfen nun mit Fug und Recht als das verlorenen Jahrzehnt für die westlichen Investoren bezeichnet werden. Die Internetblase ist genauso geplatzt wie der Traum, mit hochkomplexen Finanzinstrumenten nachhaltig Wohlstand für alle erzielen zu können. Die hoch bezahlten Finanzprofis erweisen sich oft als Hochstapler. Im schlimmsten Fall sind sie Betrüger wie Bernard Madoff.

Das Versagen werden alle spüren

Das Versagen der Finanzprofis werden wir alle zu spüren bekommen: Die Rezession der realen Wirtschaft hat definitiv auch die Schweiz erreicht. Wer die Jahresabrechung seiner Pensionskasse genauer studiert, macht sich zu Recht Sorgen, dass er bei seiner Rente mit Abstrichen rechnen muss.

Die Krise kann auch einen positiven Lerneffekt haben. Nach zwei irrationalen Blasen in Folge ist damit zu rechnen, dass zumindest eine Weile Vernunft an den Finanzmärkten einkehrt. An Investitionsmöglichkeiten fehlt es deswegen nicht. Der Aufbau einer Wirtschaft, die mit viel weniger Energie auskommt und viel schonender mit der Umwelt umgeht, hat erst begonnen. Investitionen in eine ökologische Zukunft sind kurzfristig zwar weniger rentabel, aber mit Sicherheit nachhaltiger.

( Bernerzeitung.ch/Newsnetz )

Erstellt: 03.03.2009, 14:27 Uhr

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