SBB richtet Kundenbeirat ein

Von Gregor Poletti. Aktualisiert am 19.08.2009
Überfüllte Züge, verdreckte Abteile und diverse Pannen. Um besser auf die Wünsche der Fahrgäste einzugehen, richtet die SBB nun einen eigenen Kundenbeirat ein. Dieser soll bereits im September die Arbeit aufnehmen.
Die SBB wollen ihre Kunden stärker miteinbeziehen, um das Angebot zu verbessern und auf die Wünsche und Anregungen der Fahrgäste besser einzugehen. Richten soll es ein Kundenbeirat, bestehend aus 25 Mitgliedern, der direkt der Konzernleitung Bericht erstatten soll. Fast 3000 potenzielle Anwärter haben sich laut SBB-Sprecher Reto Kormann in den letzten Monaten gemeldet: «500 aus der Romandie, 100 aus dem Tessin und an die 2400 aus der Deutschschweiz haben Interesse gezeigt an einer solchen Aufgabe.» Nun werden daraus 25 Leute im Losverfahren ausgewählt, wobei laut Kormann verschiedenste Kriterien wie Alter, Herkunft und Fahrverhalten zum Tragen kommen sollen. Bereits Mitte September soll der Rat zum ersten Mal zusammenkommen.

Etwa Abfallproblematik

Der Aufgabenbereich des Beirates ist laut Kormann vielfältig. Er soll einerseits direkte Kundenfeedbacks an die Konzernleitung richten können, andererseits aber auch noch nicht lancierte Angebotsideen auf ihre Tauglichkeit prüfen, vielleicht auch zur Abfallbeseitigung. Die SBB hat allein im letzten Jahr 5740 Tonnen Altpapier, 122 Tonnen Glas und 167 Tonnen PET rezykliert. Gegensteuer versucht die SBB mit häufiger Reinigung, der Modernisierung der Bahnhöfe und der Beteiligung an Kampagnen zu geben. So richtet das Unternehmen seit jüngstem immer mehr grössere Abfallbehälter auf den Perrons ein, um den Bergen von Chipstüten und Glaceverpackungen Herr zu werden.

Höchst umstritten ist hingegen der demnächst laufende Versuch der SBB, die Züge sauber zu halten. In der 2.Klasse der jüngsten Generation der Zürcher S-Bahn-Züge werden in den einzelnen Abteilen keine Abfallkörbe mehr angebracht, hingegen werden auf den Plattformen der Züge grössere Abfallbehälter installiert. Vor allem die Argumentation sorgt für Kopfschütteln. Es sei ökonomischer, einfach den Boden zu säubern, betonte unlängst Ruedi Beutler, Leiter Flottenmanagement Regionalverkehr. «Welch ein Reisevergnügen mit einem Boden voller Unrat», mokierte sich ein pensionierte Lokführer im internen Blatt der SBB. Und wirft die Frage auf, ob der Reisende wohl Verständnis habe für diese ökonomische Sicht? Ein weiterer pensionierter Angestellter vermutet noch andere Beweggründe: «Wirkt bei diesem unverständlichen Entscheid vielleicht gar die despektierliche Ansicht mit, dass sich in der zweiten Klasse doch vorwiegend Schmutzfinken tummeln?»

Bald überall ohne Behälter?

Die 50 neuen Abfallkübel-befreiten Züge werden ab 2012 in Betrieb genommen. «Wir werden Erfahrungen sammeln müssen, inwieweit sich dies bewährt», betont Kormann auf Anfrage. Einen Vorteil hat der Verzicht auf die Abfallkübel: Die Beinfreiheit bei den Fensterplätzen wird damit erhöht.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.08.2009, 07:17 Uhr

BLS hat Zeitungsboxen entfernt

Als Reaktion auf die steigende Zahl der Gratiszeitungen haben die SBB und die BLS vor einigen Jahren in gewissen Zugskompositionen Sammelbehälter für Zeitungen installiert. Die Aufsichtsbehörde, das Bundesamt für Verkehr (BAV) wurde sich der Problematik bewusst, als sie neue sogenannte Dominozüge abnehmen mussten, welche ebenfalls solche Zeitungsbehälter mitführten. «Eine Expertise des deutschen TÜV hat daraufhin ergeben, dass diese Behältnisse nicht brandschutzkonform sind», betont BAV-Sprecher Gregor Saladin auf Anfrage. Das BAV hat die beiden Bahnunternehmen angehalten, diese Art der Zeitungsboxen bis Ende Jahr zu entfernen. Denn diese sind durch ihre Konstruktion brandgefährlich: Die Metallboxen sind ohne Deckel und von oben bis unter den Boden ausgeschnitten.

Bereits reagiert hat die Lötschbergbahn. «Wir haben uns an die Weisung des Bundes gehalten und die Zeitungsboxen entfernt», betont BLS-Sprecher Hans Martin Schaer. Noch nicht so weit ist die SBB. Nach den Sommerferien würden die beanstandeten Boxen nach und nach demontiert, sagt SBB-Sprecher Reto Kormann. Derzeit prüfe das Unternehmen eine neue Generation von solchen Boxen. Diese sollen gewährleisten, dass die Fahrgäste nicht nur Zeitungen ablegen können, sondern auch Zeitungen herausnehmen und sie lesen können. Aber nur schon die Demontage wird für die SBB nicht billig: Gerechnet wird mit einem sechsstelligen Betrag.

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