«Viele Faktoren entscheiden über Erfolg»

Von Christoph Kummer, Bruno Petroni. Aktualisiert am 02.10.2008
Übermorgen fällt der Startschuss für die 7. Jungfrau-Stafette. Skifahrer Sascha Schmid aus Heimenschwand ist mit einem Team aus der Region am Start. Er äussert sich zu seinen Ambitionen und zur Faszination des Rennens.
Das Natel von Sascha Schmid (35) klingelt mehrmals während des Interviews. Der Mann aus Heimenschwand hat zurzeit einiges um die Ohren. Der Grund ist die Jungfrau-Stafette. Zum zweiten Mal nimmt der Inhaber des Free Mountain Shop in Thun und leidenschaftliche Freeride-Skifahrer am legendären Rennen durch die Schweiz teil. Diesmal als Teamleiter. Zudem wird er den Skiabschnitt bewältigen. In seinem Team sind, mit Ausnahme der Piloten der historischen Fahrzeuge, ausschliesslich Athleten aus der Region.

War es eigentlich schwierig, noch andere Enthusiasten für Ihr Vorhaben zu finden?

Erstaunlicherweise nicht. Weil ich letztes Jahr schon dabei war, wusste ich, welche Disziplinen es sind und welche Personen es dafür braucht. Es ging dann darum, sie für die Sache zu begeistern. Der Vorteil ist, dass der Event im Herbst stattfindet, wenn für viele Athleten die Saison vorbei ist. Die meisten haben schnell zugesagt.

Wie läuft das Training?

Wir haben jetzt für jede Disziplin einen Spezialisten, das heisst, jeder ist fit. Doch die Athleten haben ihr Training angepasst. Beispielsweise Ramon Krebs und Simon Zahnd: Sie konzentrieren sich jetzt aufs Laufen, weil sie an der Stafette nicht als Biker antreten werden, sondern eben als Läufer.

Was fasziniert Sie an der Jungfrau-Stafette?

Mich fasziniert, dass viele Faktoren über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, also die Leistung jedes Einzelnen, das Wetter, Pannen et cetera. So wie auch früher, nur dass es damals wohl viel extremer war. Es ist eine Art Fieber. Dazu kommt, dass ich heuer ein Team koordinieren muss. Das macht das Ganze noch intensiver.

Fieber klingt nicht nur positiv…

Ich bin schon etwas nervös. Wir haben Ambitionen, es ins vordere Feld zu schaffen. Weil es ein Mannschaftswettkampf ist, hat man nicht nur den Druck, dem man sich selbst aussetzt, sondern auch den der anderen Athleten im Team.

Welche Disziplin wird die bedeutendste sein?

In welcher kann man am meisten Zeit verlieren oder gewinnen? Wenn man die Disziplinen mit den historischen Fahrzeugen wegdenkt, ist sicherlich der 9-Kilometer-Lauf extrem wichtig. Wenn der Athlet hier einen Einbruch hat, verliert er schnell einmal 20 Minuten.

Passt dieser Disziplinenmix überhaupt zusammen?

Der Mix ist schon sehr speziell. Hier die Hardcore-Abschnitte, dort die Disziplinen, wo es nur darum geht, in einer gewissen Zeit von A nach B zu fahren, was ja nicht sehr anspruchsvoll ist. Letztes Jahr haben wir eine gute Platzierung wegen des Abschnittes mit dem historischen Fahrzeug verloren, weil der Fahrer nicht auf die Uhr geschaut hat.

Red Bull ist selbst mit zwei Teams am Start. Letztes Jahr rangierten sie auf den Medaillenplätzen, weil sie die besten Athleten im Team hatten.

Bis vor einer Woche war auf der Homepage noch kein einziger Athlet in den Red-Bull-Teams aufgeführt, obwohl eigentlich Ende Juli Anmeldeschluss gewesen wäre. Jetzt stehen die Namen dort. Darunter Steve Cox, mehrfacher Weltmeister im Gleitschirmfliegen, oder der Skifahrer Axel Naglich, der letztes Jahr die längste Abfahrt der Welt in Alaska gemeistert hat. Sie nehmen ihre lange Liste von Athleten und picken die geeigneten raus.

Was sagen Sie als Konkurrent dazu?

Ich finde es natürlich nicht cool. Aber schliesslich sehe ich, was durch Red Bull möglich ist. Sie investieren halt viel Geld und wollen, dass dann auch ihre Athleten auf dem Siegerfoto sind. Das ist auch nachvollziehbar. Ausserdem ist fraglich, ob der Event ohne Red Bull überhaupt existieren würde oder, falls Red Bull aussteigt, weiterexistieren kann.

Wer finanziert Ihr Team?

Eigentlich wollte ich selbst eines finanzieren, doch ich habe schnell gemerkt, dass die Kosten einfach zu hoch sind. Vor etwa einem Monat erhielt ich einen Anruf von Red Bull. Sie suchten für einen ihrer Geschäftspartner, MCG Stage Productions AG, noch ein Team. Sie fragten mich, ob ich nicht Interesse hätte, eines zusammenzustellen und dann für diese Firma zu starten.

Wie teuer ist die Teilnahme?

Die Startgebühr kostet 4800 Franken. Dazu kommen Ausgaben für die Unterkunft der Athleten und Materialkosten.

Wie gross ist der zeitliche Aufwand für Sie?

Seit rund einem Monat befasse ich mich jeden Tag damit. Doch es macht Spass. Ich finde es cool, dass wir teilnehmen können und Athleten aus der Region und von meinem Shop dabei sind.

Was ist Ihr Ziel?

Top Fünf wäre super. Und wenn wir Dritte werden, wird es vielleicht in Thun ein Fest geben. Es ist schwierig, eine Prognose zu machen, weil so viele Faktoren mitspielen.

Haben Sie momentan noch andere Projekte?

Am 11.Oktober feiern wir im Bierhübeli in Bern Premiere des Skifilms «Territorium», den wir zum grössten Teil im Berner Oberland gedreht haben. Im Winter werde ich Lawinencamps leiten und neu ein Kidscamp, bei dem es darum geht, 12- bis 16-Jährige sicher ans Freeskiing heranzuführen.

(Berner Oberländer)

Erstellt: 02.10.2008, 09:01 Uhr

Zwei Oberländer Teams mit dabei

500 Sportler kämpfen am Samstag in 34 Teams um den Tagessieg an der Jungfrau-Stafette. Am Rennen über 13 Etappen durchs ganze Land sind 70 Berner Athleten dabei. Und auch wieder zwei Teams aus dem Berner Oberland.

«Wir haben dieses Jahr ein ganz starkes Team und ich einen leichten Schirm, der schneller ist als alles, was ich bisher geflogen bin»: Der Interlakner Gleitschirmprofi und Fluglehrer Kari Eisenhut freut sich auf das Wochenende und hofft, am Samstag dann wirklich vom Gipfel des?Eggishorns in Richtung Fiescheralp abheben zu können. Bei der ersten Austragung des Revivals der legendären Jungfrau-Stafette Anfang Juni letzten Jahres verhinderten die Witterungsbedingungen sowohl die Gleitschirmflüge als auch den Überflug der historischen Flugzeuge über das Jungfraujoch (wir haben berichtet).
Kari Eisenhut ist einer von rund drei Dutzend Sportlern aus dem Berner Oberland, die am kommenden Samstag an der?Jungfrau-Stafette miteifern werden. So wird auch die Mülener «Bergziege» Manfred Ammeter als Bergläufer des Zürcher Teams «Blacksocks» im Wallis auf das?Eggishorn hinaufsprinten. Und der Grindelwalder?Skialpinist Marcel Marti fährt für das Team «Grenzwölfe» von der?Mönchsjochhütte zum Jungfraufirn hin-unter.

Mit Zberg, ohne Schild

Aber auch prominente Oberländer geben sich die Ehre:?die ehemalige Skirennfahrerin und heutige Rechtsanwältin Corinne Schmidhauser und der in Oberhofen lebende Radprofi Markus Zberg. Nicht dabei ist diesmal Olympia-Silbermedaillengewinnerin Martina?Schild. Ihr Team «Grindelwald» hat sich wie das Team der Jungfraubahnen nicht angemeldet.?«Der Entscheid des Veranstalters, die Stafette nun doch in diesem Jahr durchzuführen, kam für uns etwas überraschend, nachdem zunächst von 2010 die Rede war», begründet Christoph Seiler von den Jungfraubahnen das Fernbleiben seines Teams.

Trotzdem hat das Berner Oberland zwei einheimische Teams am Start. So hat «MCG?Stage?Productions» mit dem Thuner Freerider Sascha Schmid gute Chancen auf einen Spitzenrang (vgl. Interview). Zum Team gehören nebst Sascha Schmid die Uetendorfer Manuel Scheidegger (Rad), Niklaus?Leuenberger (Lauf) und Simon Zahnd (Berglauf) an. Ferner Thomas Tödtli (Steffisburg, Mountainbike), Ramon Krebs (Thun, Gletscherlauf) und die Interlakner Kari Ei-senhut (Gleitschirm) sowie Phil?Hausammann?(Kajak).

«MCG?Stage Productions» ist indes kein reines?Oberländer Team: Als Flugzeugpilot konnte der Zürcher Mario Bortoluzzi verpflichtet werden, mit dem antiken Motorrad fährt Maurizio Calarese aus Solothurn, und der?Autofahrer heisst Christian Heussi (Schwyz).

Zweites Oberländer Team

Auch wieder mit dabei ist der?Heimenschwander Samy Gugger mit seinen «Alaska Trappers»:?Diese setzen sich zusammen aus dem nimmermüden Marathonmann Hans Scholl?(Uetendorf), Ueli Ger-ber (Thun, Rad), Beat Marti?(Saanen, Flug), Kurt Nafzger (Aeschi, Ski), Res Mühlethaler?(St.Stephan, Gletscherlauf), Fred Schranz (Thun, Berglauf), Werner Kunz?(Aeschi, Gleitschirm), Daniel Wolf (Homberg, Mountainbike), Peter Vinzenz?(Homberg, Töff), Franz Hatebur?(Hünibach, Auto) und Ueli Steuri (Steffisburg, Crosslauf). Als Kanuten hat Gugger den Ostschweizer David Gubser engagiert.

«Optimale Verhältnisse»

Der für die Sicherheit der Sportler auf dem Jungfraufirn und dem Aletschgletscher zuständige Grindelwalder Bergführer Fredi Abegglen beurteilt die Eis- und Schneeverhältnisse auf dem Gletscher zurzeit als ideal:?«Die Rennstrecke für die Skifahrer wird zwar kurz, und je nach Wetterlage kann der Überflug des Jungfraujochs für die Flugzeuge etwas schwierig werden.»

Weitere Artikel Region