«Die Internet-Kriminalität ist längst eine organisierte Kriminalität», sagte gestern Mike Hüsler, der Chef der auf IT-Sicherheit spezialisierten InfoGuard AG aus Zug, an den Burgdorfer Krimitagen. Geheimdienste würden gegen Geld ebenso hochsensible Daten aus dem weltweiten Netz fischen wie unzählige private Hacker.
Diese geben sich laut Hüsler längst nicht mehr damit zufrieden, in die Systeme von globalen Firmen zu dringen und sich damit einen Namen in der Szene zu machen. Auch sie haben – zumindest zum Teil – gemerkt, dass und wie sich aus dem Netz gesaugtes Wissen zu Geld machen lässt.
Die meisten Datendiebstähle gehen laut dem Experten von China und den USA aus. Aber auch die Schweiz ist computertechnisch kein sicherer Hafen mehr: Banken wurden ebenso schon gehackt wie die Uni Basel, Firmen oder die Bundesverwaltung. Was den gestohlenen Laptop von Bundesrätin Doris Leuthard betrifft, «können wir nur hoffen, dass die Daten darauf verschlüsselt waren», sagte Mike Hüsler lakonisch.
Schwer kriminell
«Es geht sehr oft um Betrug, Erpressung und andere schwer kriminelle Aktivitäten», korrigierte der IT-Sicherheitsfachmann das Bild vom leicht verschrobenen Informatiker, der vom stillen Kämmerchen aus ein bisschen durch die virtuelle Welt surft.
Simple Sache
Das Publikum im nicht ganz ausverkauften Casino-Theater staunte nicht schlecht, als Hüslers Kollegen Rolf Brunner und Philipp Zihler in ihrer «Hacker-Show» demonstrierten, wie einfach sie mit ihren Rechnern Zugang zu fremden Handys bekommen, ohne das geringste Aufsehen zu erregen. Mit Hilfe eines USB-Sticks, einiger frei verfügbarer Programme und einer WLan-Antenne gelangte «Hacker» Zihler innert kürzester Zeit an die persönlichsten Daten des «Spitalangestellten» Brunner. Gleichzeitig schlich er sich leichtfüssig in das elektronische Innere des Krankenhauses, wo er nach Belieben in Patientenakten und in der Buchhaltung herumstöbern konnte.
Von wegen Geheimcode
Sehr oft, sagte Mike Hüsler, gelinge ein Hack aber nicht nur dank der Raffinesse der Täter. Auch die Opfer würden oft ihren Teil dazu beitragen, dass IT-Kriminelle ihr Ziel erreichen: So gebe es immer noch Leute, die jedes Attachment in ihrem elektronischen Briefkasten öffnen. Auf diese Weise installieren Hacker «Trojaner», mit denen sie ins System des Mailempfängers eindringen können.
Auch zu ihren Passwörtern pflegen sehr viele Computerbenutzer offenbar nach wie vor ein sehr unverkrampftes Verhältnis: In rund der Hälfte aller Fälle rücken die Angefragten ihre Geheimcodes laut Mike Hüsler arglos heraus. Auch jene, die sie zum Beispiel fürs Online-Banking benötigen.
(Berner Zeitung)
Null Meldungen über verdächtige Aktivitäten im Internet gingen im Jahr 2000 bei der damals frisch gegründeten Nationalen Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) ein. Sieben Jahre später wurden die neun «Cyber-Cops» der Bundespolizei mit rund 10'200 Hinweisen aus der Bevölkerung eingedeckt. Daraus erstellten die Internet-Fahnder 88 sogenannte «Verdachts-Dossiers» zuhanden der Ermittler in den betreffenden Kantonen. In 85 bis 90 Prozent dieser Fälle erfolgten Verurteilungen.
Diese Zahlen präsentierte gestern Philipp Kronig, der Leiter der Kobik, an den Burgdorfer Krimitagen.
Die Fahndung nach Kriminellen sei im Internet ungleich schwieriger als in der realen Welt, sagte der Chefermittler. Denn das Netz werde rund um die Uhr und ohne jegliche Grenzen von einer unüberschaubaren Masse von Usern genutzt, die sich in unendlich grossen Datenfluten tummeln. Trotzdem gelinge es der Polizei regelmässig, den einen oder anderen Verbrecher dingfest zu machen. Dies sei nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass immer mehr Leute aktiv werden, wenn sie entsprechende Aktivitäten im Netz vermuten. 400 bis 600 Meldungen gehen bei der Kobik im Schnitt pro Monat ein.
Am meisten gemeldet wird laut Kronig harte Pornografie, gefolgt von «massiv zunehmenden» Wirtschaftsdelikten. Die Cybercops des Bundes haben in der Schweiz 1000 Seiten mit kinderpornografischem Inhalt gesperrt. Laut dem Kobik-Chef landen auf ihnen bis zu 1000 Leute pro Tag.