Deutsche Moderatoren kassieren ab – Schweizer auch

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 22.06.2009
Enthüllungen um Nebenverdienste von Nachrichten-Moderatoren sorgen in Deutschland für Aufregung. Auch Schweizer Moderatoren verdienen sich einen Zustupf, allerdings einen kleineren.
topelement Empörung über Nebenverdienste von Nachrichtenmoderatoren: «Bild»-Titelseite vom 19. Juni 2009. Mehr Bilder (8)
«So kassieren TV-Moderatoren ab!», titelte am Freitag die «Bild»-Zeitung. Zuvor hatte eine TV-Sendung enthüllt, dass «Tagesthemen»-Moderator Tom Buhrow mehr als 10'000 Euro für einen Auftritt am «49. Henkell & Söhnlein Forum» kassierte. Bei anderen Privat-Engagements war von Gagen bis zu 20'000 Euro die Rede. Die Meldung sorgte in Deutschland für Aufregung. Leitende Redaktoren der ARD verlangen härtere Richtlinien für die Nebenverdienste ihrer Moderatoren und fordern volle Transparenz.

Auf dem Spiel steht das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Nachrichtensendungen. Ein Moderator, der von einer Privatfirma bezahlt wurde, kann kaum mehr glaubwürdig über diese Privatfirma berichten. Diese Problematik stellt sich für Schweizer Nachrichtensendungen genauso wie für deutsche. Dennoch können auch SF-Nachrichtenmoderatoren für die Moderation von Privatanlässen gebucht werden. Auf den Internetseiten der führenden Agenturen sind unter anderen Stephan Klapproth, Katja Stauber, Reto Brennwald, Urs Gredig und Susanne Wille aufgeführt. 5000 bis 10'000 Franken kostet eine Moderation, so die Angaben der Agentur «Menschen mit Meinungen». Der Schweizer Markt ist klein, deshalb sind die Gagen im Vergleich zum Ausland moderat. «Die Ansätze sind nur halb so hoch wie in Deutschland», sagt Ellinor von Kauffungen von der Agentur Speakers.ch.

Strenge Richtlinien

Die Moderatoren dürfen nicht jedes Angebot annehmen. «Letztes Jahr haben wir die Richtlinien für öffentliche Auftritte überarbeitet», sagt SF-Pressesprecher David Affentranger gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz. Es gilt die Weisung gemäss den publizistischen Leitlinien: «Aufträge zur Leitung von Podiumsdiskussionen und Ähnliches können angenommen werden, solange die Themen kontrovers debattiert werden und klar ist, dass der SF-Mitarbeitende vom Veranstalter unabhängig ist. Derartige Einsätze sind vor einer Zusage mit den Vorgesetzten abzusprechen (...). Die Honorierung soll sich in einem vernünftigen Rahmen bewegen, damit nicht der Eindruck der Käuflichkeit entsteht.»

Dass das Schweizer Fernsehen ziemlich restriktiv vorgeht, bestätigt auch Jan Marlier von «Menschen mit Meinungen». Reine Werbeveranstaltungen sind untersagt. Der bei Nebenverdiensten besonders aktive «10vor10»-Moderator Stephan Klapproth kann trotzdem Veranstaltungen moderieren, die von Grossbanken gesponsort sind, zum Beispiel dieses Jahr das Forum für Aussenwirtschaft, bei dem die Credit Suisse als «Premium-Partner» aufgeführt ist.

Klar ist, dass die Moderatoren von ihrer durch die TV-Präsenz erlangten Berühmtheit enorm profitieren. «Wenn jemand eine neue, spannende Sendung übernimmt, ist er sogleich viel gefragter als vorher», so Marlier.

( Bernerzeitung.ch/Newsnetz )

Erstellt: 22.06.2009, 11:04 Uhr

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