Aber eben. Mit der Erfindung des Kugelschreibers habe die Handschrift «Seele, Stil und Persönlichkeit» eingebüsst, schreibt Eco. Und die Leute hätten bald auch das Interesse an der Schönschrift verloren.
Zitternde Hände
Auch wenn wir daran zweifeln, dass in dieser Geschichte wirklich der Kugelschreiber der Bösewicht ist, hat Eco sicherlich recht mit seiner Einschätzung, dass von Hand schreiben eine vom Aussterben bedrohte Fähigkeit ist. Eine kleine Recherche unter den Bürokollegen ergab, dass die meisten Mühe haben, längere Schriftstücke von Hand zu verfassen. Dem einen fehlt schlicht das Training, seine Finger begännen nach kurzer Zeit zu zittern. Ein zweiter Kollege berichtet, dass er Briefe zunächst auf dem Computer schreibe, um sie dann von Hand abzuschreiben. Und eine dritte gibt an, dass ihre Schreibtechnik sich längst dem Computer angepasst habe, sie also ihre Gedanken zunächst mal auf den Bildschirm bannt und sie erst dort ordnet – geradezu komplementär zu dem Prozess, den Eco beim Handschreiben beschreibt. Der Kommentar des Art Directors zum Thema lautete, dass es inzwischen auch schöne Computerschriften im Handschriften-Look gebe.
Es ist anzunehmen, dass diese Entwicklung unabwendbar ist, unsere Zivilisation die Handschrift, sofern es sich um mehr als ein paar Notizen handelt, als unnötig aussortieren und ihre Beherrschung an ein paar Spezialisten delegieren wird. Was denken Sie? Ist es ein grosser Verlust, wenn wir nicht mehr von Hand schreiben können? Hat ein von Hand geschriebener Liebesbrief eine andere Seele, als ein auf der Maschine getippter? Und wenn ja, muss es dann unbedingt die eine, womöglich unleserliche Seele sein, die da steht, oder erfüllt auch die Handschrift eines Spezialisten den Zweck? Sollten wir uns bemühen, das von Hand schreiben vor dem Aussterben zu bewahren, oder ist das eine nutzlose Fähigkeit, vergleichbar mit dem Beherrschen der lateinischen Sprache?
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( Bernerzeitung.ch/Newsnetz )