Wenn die Jet-Hersteller sich streiten, freut sich der Käufer
Peter Jost, stellvertretender Chefredaktor der BZ.
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Der Fall schien klar: Ende November vermeldete Verteidigungsminister Ueli Maurer den Kauf von 22 Kampfflugzeugen des Typs Saab Gripen als Ersatz für die angejahrten Tiger-Kampfjets. Das schwedische Kampfflugzeug hatte sich im aufwendigen Evaluationsprozedere gegen den französischen Rafale aus dem Hause Dassault und den Eurofighter des Konsortiums EADS durchgesetzt.
Hatten die Hersteller vor dem Entscheid das Auswahlverfahren durchwegs als fair bezeichnet, mehrten sich nun plötzlich die Stimmen, welche die Richtigkeit des bundesrätlichen Entscheids anzweifelten. Vorab aus Pilotenkreisen hiess es, der viel günstigere Gripen sei den beiden anderen Flugzeugen in technischer Hinsicht weit unterlegen. Um diese Argumentation zu stützen, war bereits kurz vor der Bekanntgabe des Gripen-Kaufs ein Teil des umfangreichen Testberichts durch eine Indiskretion öffentlich gemacht worden.
Seither sind zwei Monate vergangen, und die Exponenten in dieser Sache haben ihre Taktik geändert. Hatten zuvor emsige Rüstungslobbyisten die Fäden aus dem Hintergrund gezogen, wird nun mit offenem Visier gekämpft. Übers vergangene Wochenende wurden der Schweiz auf einmal 18 Rafale-Kampfjets für bloss noch 2,7 Milliarden Franken angeboten. Ein Berater des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy fungierte als Überbringer der frohen Botschaft. Plötzlich wurde aus dem teuren Hightech-Flieger also ein veritables Schnäppchen.
Doch da Rüstungskonzerne auch schon bessere Zeiten gesehen haben, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Gripen-Hersteller Saab zu Konzessionen bereit war. Und siehe da: Statt 3,1 Milliarden Franken für 22 Flugzeuge soll der Preis nun noch zwischen 2,5 und 2,8 Milliarden Franken liegen. Und als Bonus gibt es von der schwedischen Regierung erst noch eine Art Staatsgarantie für den verhältnismässig kleinen Flugzeughersteller Saab dazu.
Im VBS reagiert man mit Zurückhaltung auf die Avancen aus Frankreich und Schweden. Gleichzeitig dürfte man sich im Stillen über diese Entwicklung freuen. Das Preisdumping der Hersteller wird am Entscheid für den Gripen zwar kaum etwas ändern. Aber je tiefer der Preis am Ende ausfällt, desto grösser ist die Chance, dass das Parlament dem Kauf zustimmt. Und auch ein absehbares Referendum gegen die Kampfjet-Beschaffung wird es unter diesen neuen Voraussetzungen deutlich schwerer haben.
Mail: peter.jost@bernerzeitung.ch
Diskussion: blog.bernerzeitung.ch/leserblog (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.02.2012, 07:17 Uhr
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