Ein sehr halbstarkes Zeichen gegen den Hooliganismus
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Adrian Zurbriggen, Nachrichtenchef der Berner Zeitung.
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Eigentlich wollte der Grosse Rat am Montag ein starkes Zeichen gegen den Hooliganismus setzen. Vier weitreichende Motionen nahm er an – drei davon gegen den Willen der Regierung, welche die Vorstösse teilweise bloss als unverbindliche Postulate akzeptieren wollte. Das Parlament wollte ein Zeichen setzen gegen die abwartende Haltung des Polizeidirektors, der eine kantonsübergreifende Lösung auf Konkordatsbasis vorzieht. Das Ja zu diesen vier Motionen sollte signalisieren: Der Kanton Bern macht Ernst – und er macht vorwärts.
Doch just dann, als es wirklich darauf ankam, kriegte der Rat Angst vor dem eigenen Mut. In dem Moment nämlich, als es um die Wurst ging – sprich um die Frage: Wer bezahlt? Während die anderen gestern gutgeheissenen Motionen Druck auf Vereine und Verbände aufbauen, entschied der Grosse Rat, dass die Clubs die Sicherheitskosten rund um ihre Spiele nicht berappen müssen. Das ist nicht nur äusserst widersprüchlich, sondern auch sehr stossend: Die ergebnislosen runden Tische des letzten Jahres haben gezeigt, dass ohne ein finanzielles Druckmittel die Politik wenig zu bestellen hat.
Besonders fatal ist dieser Entscheid in Kombination mit einer weiteren gestern klar durchgewinkten Motion: Der Grosse Rat will, dass die Gemeinden den Polizeiaufwand rund um Sportevents beim Kanton separat bestellen, damit nicht die Polizeipräsenz an andern Orten darunter leide. Das heisst aber auch, dass die Gemeinden diesen Aufwand separat bezahlen müssen. Klar können sich die Gemeinden nun mit «ihren» Vereinen an einen Tisch setzen und auf etwas mehr als bloss jene Almosen hoffen, welche heute etwa die Stadt Bern von YB und SCB erhält. Die Zwei am Rücken hat die Allgemeinheit, die nun gar explizit für die massiven Polizeiaufgebote rund um die Stadien geradestehen muss. Ein sehr halbstarkes Zeichen, das der Grosse Rat da gesetzt hat.
Mail: adrian.zurbriggen@bernerzeitung.ch
Diskussion: blog.bernerzeitung.ch/leserblog (Berner Zeitung)
Erstellt: 31.01.2012, 07:28 Uhr
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