Das «Obligatorische» im Schiessstand gehört abgeschafft
Von Peter Jost. Aktualisiert am 09.01.2013 25 Kommentare
Peter Jost ist stellvertretender BZ-Chefredaktor und Hauptmann bei der Infanterie. (Bild: Andreas Blatter)
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Als junger Rekrut war ich 1994 einer der Ersten, die in der Schweizer Armee im Rahmen eines Pilotversuchs in der neuen Gefechtsschiesstechnik (NGST) ausgebildet wurden. Revolutionär daran waren nebst den ungewohnten sitzenden, kauernden oder stehenden Stellungen vor allem die kurzen Schiessdistanzen bis 30 Meter.
Heute ist das N in der militärischen Abkürzung NGST verschwunden. Die damals neue Gefechtsschiesstechnik hat sich mittlerweile längst durchgesetzt. Heute gehört es zum Standard, dass Rekruten den Umgang mit der Waffe fast ausschliesslich auf kurze und damit realistischere Distanzen erlernen. Das Präzisionsschiessen ist höchstens noch eine Randnotiz.
Nur das «Obligatorische» im 300-Meter-Stand ist geblieben. Das ist eine Farce. Denn mit militärischer Ausbildung hat das 20-Schuss-Programm, bequem absolviert im Trockenen und mit viel Zeit für die Schussabgabe, überhaupt nichts zu tun. Während der Phase der Armee 95 mit 2-Jahres-WK-Rhythmen liess sich diese ausserdienstliche Schiesspflicht noch knapp rechtfertigen. Es ist allemal besser, wenigstens einmal pro Jahr quasi unter Laborbedingungen mit der Waffe zu hantieren als gar nicht. Aber seit der Rückkehr zu jährlichen WK im Jahr 2004 sticht auch dieses Argument nicht mehr.
Das Festhalten am «Obligatorischen» ist heute nichts anderes als eine versteckte Subvention ziviler Schiessvereine. 20 Millionen Franken erhalten diese pro Jahr für eine Leistung, welche der Armee wenig bringt. Trotzdem ist die Sicherheitspo- litische Kommission des Nationalrates gegen eine Abschaffung der ausserdienstlichen Schiesspflicht. Wenn es ihr ernst ist mit der Sorge um die Schiessfertigkeit der Soldaten, muss sie wenigstens die Art des «Obligatorischen» anpassen: raus aus dem 300-Meter-Stand, rein in die Kurzdistanzboxen und damit hin zum Schiessen, wie es in der Armee von Instruktoren und Milizkadern gelehrt wird. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.01.2013, 08:27 Uhr
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25 Kommentare
Ja, bin sofort dafür. Wenn man aber bei den Schützenvereinen sparen will, die notabene sich auch um den Nachwuchs (und künftige Rekruten) kümmern, dann bitte auch den Hahn bei den Fussballvereinen zudrehen. Dort werden unsinnige Summen der öffentlichen Hand für die Sicherheit verbrannt. Aber offenbar unterstützt man lieber Chaoten mit Geld, als Vereine, die sich auch um die Jugend kümmern... Antworten
Ihre Argumente sind aus Ihrer Sicht als Hauptmann der Infanterie sicherlich berechtigt. Ich jedoch leiste meinen Dienst als Spezialist in einem Fachstab. Wäre das Obligatorische nicht mehr vorhanden, hätte ich mein Gewehr zwar noch zu Hause, jedoch könnte ich es nicht mehr bedienen. Antworten
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