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Steilpass für Minder

Von Res Strehle. Aktualisiert am 11.08.2009
Res Strehle

Res Strehle

Die Debatte um die Löhne und Boni der Banker hat in der Vergangenheit teilweise bizarre Züge angenommen. Masslosigkeit und Gier schienen alleinige Ursache der Finanzkrise zu sein. Wer das Etikett Abzocker umgehängt erhielt, war jede Glaubwürdigkeit los. Und die Forderung nach Lohnbegrenzung wurde zum Lieblingsthema von Populisten.

Inzwischen ist die Diskussion sachlicher geworden. Dazu hat eine Studie unter Mitwirkung der ETH beigetragen, die nachwies, dass die Finanzkrise weit komplexere Ursachen hatte als falsche Anreize durch Boni im Topmanagement. Oder ein Philosoph wie Peter Sloterdijk, der die Diskussion vom Moralin befreite. Er sieht nicht die Gier der Topmanager als Ursache für deren astronomische Bezüge, sondern den alten Bubentraum von der Schatzsuche.

Auch der Vorschlag der nationalrätlichen Wirtschaftskommission gehört zu den vernünftigen Einwürfen. Er sieht vor, dass das Topmanagement einer gescheiterten Bank nicht mehr verdienen soll als die Führung von vergleichbaren Staatsbetrieben. Etwa der Nationalbank, die sie retten muss. Lohnbegrenzungen mögen ordnungspolitisch fragwürdig sein. Im Vergleich zum ordnungspolitischen Sündenfall, wonach jede Grossbank bei Zahlungsunfähigkeit auf staatliche Hilfe zählen kann, sind sie ein Kavaliersdelikt.

Der Bund dürfte seine Beteiligung an der UBS aller Erwartung nach veräussern, lange bevor die Regelung in Kraft tritt. Die Zustimmung zum Lohndeckel hätte dann nicht mehr als ein symbolisches Zeichen gesetzt: Die Politik nimmt den Unmut im Volk ernst. Die Lohnschere zwischen den höchsten und tiefsten Einkommen soll sich nach Jahren der Öffnung in Richtung Vernunft und Leistungsgerechtigkeit schliessen.

Der Ständerat wollte am Dienstag dieses Zeichen nicht setzen. Seine Weigerung ist ein Steilpass für die Initiative des Schaffhauser Kleinunternehmers Thomas Minder gegen die Abzockerei. Sie will die Entschädigungsfrage in börsenkotierten Unternehmen künftig auf Verfassungsstufe regeln. Die Initiative hat gute Chancen, an der Urne angenommen zu werden. Umso bessere noch, wenn sich Politiker gegenüber offensichtlich vernünftigen Vorschlägen taub stellen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2009, 23:02 Uhr

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