Meinung

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Standpunkt: «Swiss Ski droht ein Imageproblem»

Von Micha Jegge. Aktualisiert am 06.01.2011 1 Kommentar

Im Zusammenhang mit dem Abgang Martin Rufeners droht das Ende jener Kontinuität, welche Swiss Ski die Rückkehr in die Weltspitze ermöglicht hatte.

Sportredaktor Micha Jegge schreibt über den Skirennsport. (Bild: Archiv BZ)

Stichworte

Chuenisbärgli und Lauberhorn sind präpariert, die Aussichten der Schweizer Skirennfahrer im Vorfeld der Berner Oberländer Weltcupwoche besser als die Wetterprognosen. Silvan Zurbriggen befindet sich in beneidenswerter Verfassung, Didier Cuche ist trotz zwei Podestplätzen unter Wert geschlagen worden, und der infolge seiner sommerlichen Viruserkrankung labile Carlo Janka hat anlässlich des Neujahrstrainings in Österreich laut Gruppentrainer Sepp Brunner einen Schritt vorwärts gemacht. Mit Tobias Grünenfelder, Patrick Küng und Sandro Viletta liessen Leute aus der zweiten Reihe aufhorchen, das Slalomteam präsentierte sich so stark und kompakt wie schon lange nicht mehr.

Mittelfristig sind die Perspektiven weniger erfreulich. Im Zusammenhang mit dem Abgang Martin Rufeners droht das Ende jener Kontinuität, welche die Rückkehr in die Weltspitze ermöglicht hatte. Die meisten Betreuer in Rufeners Stab sind seit längerer Zeit dabei, etliche sogar seit dessen Amtsantritt im Sommer 2004. Kehrte ein Trainer der Equipe den Rücken, war der Berner Oberländer fast ausnahmslos bestrebt, die Angelegenheit intern zu regeln, einen gleich Denkenden nachrücken zu lassen. Rufeners Ideen und Ansichten divergieren oft mit jenen seiner Mitarbeiter. Aber man arrangiert sich, im Zentrum steht stets die Sache; es herrscht eine konstruktive Streitkultur.

Neuer Chef entscheidend

Die Gruppentrainer sind im Verlauf der Jahre zu Stützpfeilern geworden. Sie geniessen reichlich Freiheiten, können ihre Qualitäten ausspielen und haben entsprechend hohen Anteil an den Erfolgserlebnissen ihrer Athleten. Ob sie weiterhin für Swiss-Ski tätig sein werden, hängt indes stark von der Wahl des neuen Chefs ab; jeden werden sie sich nicht vor die Nase setzen lassen. Die Swiss-Ski-Spitze bewegt sich auf schmalem Grat. Sollte sich beispielsweise der nicht nur in seiner österreichischen Heimat äusserst begehrte Brunner eine neue Herausforderung suchen, stünden Janka und Daniel Albrecht ohne ihren langjährigen Förderer, ohne ihre wichtigste Bezugsperson da. Ob und inwiefern sich dies auf das Leistungsvermögen auswirken würde, ist schwer abzuschätzen. Sicher ist, dass es vernünftiger wäre, dafür zu sorgen, dass sich diese Frage gar nicht stellt.

Die führenden Verbandsfunktionäre stehen auch in anderer Hinsicht vor einer Herausforderung. Die Umstände, welche zur Trennung von Martin Rufener führten, hinterlassen einen faden Nachgeschmack. Die Argumentation mit der Kündigungsfrist als entscheidendem Faktor bei den Verhandlungen offenbart, dass die Fortführung der Kooperation an fehlendem Vertrauen scheiterte; ansonsten wäre dieser Punkt bestenfalls eine Randnotiz Wert gewesen. Die Affäre Rufener war der letzte von mehreren Fällen im Jahr 2010, bei denen Swiss-Ski und dessen Präsident Urs Lehmann jeweils ein Stück Glaubwürdigkeit einbüssten. Erinnert sei an den unnötig aufgebauschten Alkoholkonsum des Reservisten Küng in Vancouver, an die unbedarften Äusserungen bei der Entlassung von Direktor Denis Vaucher und an die höchst fragwürdige Sperre von Lara Gut.

Lieber mehr Demokratie

Lehmann hat in seiner Amtszeit einiges bewegt, Abläufe vereinfacht, Prozesse dynamisiert, Siege gefeiert; zuletzt ist er aber primär negativ aufgefallen. Er verfügt zweifelsfrei über die Fähigkeiten, ein sehr guter Präsident zu sein, bedarf jedoch dringend einer Imagekorrektur, die sich am ehesten über eine Änderung des Führungsstils erreichen lässt. Weniger Autokratie, mehr Demokratie, könnte die Losung heissen. Lies, er setzt die Leitplanken, gewährt seinen Mitarbeitern indes so viel Freiraum, damit sich diese entfalten können – so, wie es Martin Rufener jahrelang erfolgreich praktiziert hat.

micha.jegge@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.01.2011, 09:03 Uhr

1

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

1 Kommentar

Ronald Lack

06.01.2011, 09:36 Uhr
Melden

Bevor SWISS-SKI einen Nachfolger für den genialen Rufener benennt, sollten Sie mal gehörig in der Leitung über die Bücher gehen. Die ganze Spitze unter Lehmann ist eine Farce ausser Geld zu kassieren nix bringen nur die eigenen guten Leute unter ihnen verärgern. So ist die Leitung nicht mehr tragbar zum Leidwesen der Skifahrer und Trainer Antworten



Umfrage

Waren Sie schon mal in einem Pfingstlager?





Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.