Raus, aber richtig
Benedikt Rüttimann.
Acht Jahre lang hat die internationale Gemeinschaft, angeführt von den Amerikanern, nach dem richtigen Rezept zur Befriedung von Afghanistan gesucht. Hat Geld geschickt und Soldaten, Berater und Entwicklungshelfer, um das Land nach dem Sturz der Taliban aus der zivilisatorischen Steinzeit ins 21. Jahrhundert zu katapultieren. Mit bescheidenem Erfolg.
Jetzt soll alles gut werden. In London haben gestern der afghanische Präsident Hamid Karzai und seine westlichen Verbündeten die neuste Strategie beschworen, welche die Intervention endlich zu einem erfolgreichen Abschluss bringen soll.
Die verkündeten Massnahmen sind allerdings nicht neu. Mehr Truppen, mehr Geld und ein Aussteigerprogramm für reuige Taliban. Neu ist nur das Ziel: Afghanistan soll bis in einem Jahr so weit stabilisiert werden, dass der Westen halbwegs ehrenhaft abziehen kann. Deshalb wird jetzt Karzai auch heftig zu Verhandlungen mit den Taliban gedrängt.
Der geplante Abzug ist grundsätzlich die richtige Strategie. Denn ein Frieden ist in Afghanistan erst möglich, wenn alle ausländischen Truppen abgezogen sind. Und zwar vollständig. Die Amerikaner werden aber gerade ihre beiden grössten Stützpunkte in Kandahar und Bagram auch nach einem Abzug behalten. Das bedeutet, dass Verhandlungen mit den Taliban völlig unrealistisch sind. Sie wollen sich erst an einen Tisch setzen, wenn der letzte fremde Soldat das Land verlassen hat.
Ein kompletter Rückzug muss nicht zu einem neuerlichen Chaos führen. Entscheidend ist, dass die USA nach ihrem Abzug die Verantwortung an die Nachbarn Afghanistans übertragen. Sie alle haben ein existenzielles Interesse, dass Afghanistan nicht wieder zu einem Ausbildungslager islamistischer Terroristen wird.
Sind die USA erst einmal raus aus Afghanistan, können sie auch den nötigen Druck auf Pakistan ausüben. Denn der Schlüssel zur Lösung des Konflikts mit den Taliban liegt in Pakistan. Es war der pakistanische Geheimdienst, der die Gotteskrieger schuf. Und die Taliban-Führung steuert ihren Krieg heute nicht von Afghanistan aus, sondern von Quetta im Südwesten Pakistans. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.01.2010, 04:00 Uhr
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