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Positiv – aber eben doch nur ein Test

Von Robert Mayer. Aktualisiert am 24.07.2010

Robert Mayer.

Natürlich werden Politiker und Börsenhändler, Regulatoren und Fondsmanager jetzt tagelang darüber debattieren, ob die Szenarien und Annahmen, die Europas Banken-Stresstests zugrunde gelegt wurden, nicht doch zu lasch gewesen seien. Die gestern Abend veröffentlichten Ergebnisse scheinen den Kritikern der Testanlage recht zu geben: Gerade mal 7 von 91 durchleuchteten Finanzhäusern sind hängen geblieben, und ihr Kapitalbedarf wird auf bescheidene 3,5 Milliarden Euro veranschlagt. Experten hatten demgegenüber mit einer Durchfallquote von 10 bis 15 Prozent und notwendigen Kapitalerhöhungen von 40 Milliarden und mehr gerechnet.

Der Hauptkritikpunkt war und ist: Die Tests haben keinen Bankrott eines Eurolandes simuliert. Für die getesteten Banken bedeutet dieser Ausschluss, dass sich die Ausfälle auf ihren Beständen an Euro-Staatsanleihen selbst im Worst Case meist auf überschaubare Grössenordnungen beschränken. Für die Politik ist diese Sicht der Dinge durchaus folgerichtig, haben doch die Eurostaaten den Rettungsfonds im Umfang von 750 Milliarden Euro eben deshalb ins Leben gerufen, um einen Staatsbankrott zu verhindern.

Entscheidend wird indes sein, ob sich die Finanzmärkte und vor allem die Banken selber der Politiker-Einschätzung anschliessen und somit die Testergebnisse als glaubwürdig und nachvollziehbar einstufen. Dann, und nur dann, wird ihre Offenlegung den beabsichtigten Zweck erfüllen: neues Vertrauen bei den Investoren zu schaffen und die blockierten Kreditströme zwischen den Geldhäusern wieder zum Fliessen zu bringen.

Die Chancen dafür stehen so schlecht nicht. Von der Ausklammerung eines Staatsbankrotts abgesehen sind die Testannahmen in mancherlei Hinsicht rigoroser als gedacht. Auf positive Resonanz stiess ferner, dass über Erwarten viele Angaben zum Testaufbau gleich mitgeliefert worden sind. Ein «Nachspielen» der Tests sollte also möglich sein – so sind Vertrauenspunkte zu gewinnen.

Vergessen wir aber bei alledem nicht: Kaum je ist es mit einem Stresstest gelungen, die Schocks zu simulieren, die dann in der Realität eingetreten sind. Das Subprime-Desaster ist dafür der beste Beleg.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.07.2010, 23:11 Uhr

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