Plädoyer für die Wehrpflicht
Von Patrick Feuz. Aktualisiert am 10.07.2010 2 Kommentare
Patrick Feuz
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Die Schweizer Armee fällt europaweit durch grotesk hohe Personalbestände auf. Sicherheitspolitisch gibt es dafür keinen Grund – derart viele Soldaten auszurüsten, kostet bloss unnötig viel Geld. Wenn jetzt also die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee mit einer Volksinitiative die jungen Schweizer vom Militärzwang befreien will, kann sie mit viel Sympathie rechnen. So chancenreich war das Vorhaben noch nie, die Wehrpflicht abzuschaffen.
Die Idee der Bürgerarmee leuchtet nicht mehr auf Anhieb ein, wie an dieser Stelle im «Tages-Anzeiger» vom 8. Juli ausgeführt wurde. Trotzdem ist sie aktuell. Denn nur weil keine Gefahr mehr besteht, dass die Armee auf das Volk losgeht oder Generäle den Bundesrat wegjagen, ist es nicht egal, wer Uniform trägt. Eine Freiwilligenarmee wird nicht genügend geeignete Leute finden – die Gefahr, dass mehr «Rambos» einrücken, wäre real. Deshalb führt der Verzicht auf die Wehrpflicht faktisch zu einer Berufsarmee, die mit guten Löhnen und attraktiven Ausbildungsangeboten um passendes Personal buhlen muss.
Eine Berufsarmee ist nicht unbedingt schlecht. Aber die Vorteile der allgemeinen Wehrpflicht überwiegen: Das Reservoir an guten Leuten für Kaderposten und für einfachere Aufgaben ist grösser. Denn viele kommen erst im Dienst auf den Geschmack einer militärischen Karriere. Regelmässiger Schichtwechsel in den Kasernen sorgt ausserdem für gesunde Frischluft: So bildet sich weniger leicht eine realitätsferne Militärkaste.
Tagelanges Herumsitzen, sinnlose Übungen, bizarre Schikanen – so haben viele die Armee erlebt. Aber auch an Gemeinschaftsgefühle erinnert man sich, an Gespräche mit Menschen aus unterschiedlichen Milieus, an Gegenden, die man sonst nie besucht hätte. Der Militärdienst ist auch heute für viele der Ort, wo sie eine Idee der vielsprachigen und vielseitigen Schweiz erhalten. Und die einzige Zeit, in der sie Dienst für die Gemeinschaft leisten. Diese Klammerfunktion sollte man auf keinen Fall belächeln – in der multikulturellen und globalisierten Schweiz von heute ist sie wahrscheinlich sogar wichtiger als früher.
Unsoziale Dienstpflicht
Der ideelle Wert der Wehrpflicht bleibt ihren Gegnern offensichtlich nicht verborgen. Jedes Mal wenn über das Ende des Militärzwangs debattiert wird, taucht sofort der Vorschlag auf, die Wehrpflicht durch eine allgemeine Dienstpflicht zu ersetzen: Wer will, geht in die Armee. Wer nicht will, leistet gleich lang Sozialdienst oder Umweltschutz.
Eine solche Übung mag gut gemeint sein, doch am Ende wäre sie wahrscheinlich unsozial. Massenweise würden Billighelfer die Löhne der Sozialberufe drücken und in einfachen Jobs schlecht ausgebildete Ausländerinnen und Ausländer konkurrenzieren. Tausende junger Männer müssten nämlich sozial beschäftigt werden. Kommt dazu, dass sich viele Kranke und Betagte von unmotivierten Zwangsverpflichteten nur ungern helfen lassen.
Zu retten ist die Wehrpflicht aber nur, wenn die Armee endlich den heutigen Realitäten angepasst wird. Es ist Zeit für weniger Masse und mehr Qualität. Die Dienstzeit muss kürzer werden, das Gros der Soldaten soll sein Pflichtpensum am Stück leisten, also ohne WKs. So lässt sich die Armee massiv verkleinern. Mit einer solchen Wehrpflicht kann man verantwortungsbewusste Leute gewinnen, die das Militär für ein paar Jahre zum Beruf machen.
Nur eine solche Armee ist noch eine sinnvolle Armee. Und nur so kann sie leisten, was am nützlichsten wäre, nämlich häufiger in internationalen Friedenseinsätzen mithelfen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.07.2010, 20:51 Uhr
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2 Kommentare
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Wer behauptet, dass das Militär zum Zusammenhalt der Schweizer Gesellschaft beiträgt, verkennt, dass viele SchweizerInnen durch (Sport-, Musik-, Berufs-, ...) Vereine organisiert sind. Das Argument des Ausgleichs von »Rambos« und »Normalos« ist unsozial und ineffizient: Wenn von 10 »nur« einer ein Monstrum ist, ist das kein »Ausgleich«! Klare Ausschlüsse von Unkontrollierbaren ist immer Pflicht! Antworten
In diesem Artikel wird gar nicht über ide Gleichberechtigung geschrieben. Wieso müssen Männer und Frauen nicht? Denken diese Wehrpflichtromantiker, dass sich die Männer so veräppeln lassen? Rambos im Militär? Muss man nun alle in die Kirche zwingen, damit ein "gesunder" Mix entsteht und keine Fanatiker zur Geltung kommen?Solche Leute sind immer da,nur verdünnt... ps: wer ist Patrick Feuz? Antworten
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