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Obamas Tatbeweis

Von Christof Münger. Aktualisiert am 09.04.2010 1 Kommentar

Christof Münger. (Bild: )

US-Präsident Barack Obama ist kein Heiliger. Den ersten umfassenden Abrüstungsvertrag seit 1991 hat er nicht nur deshalb unterschrieben, weil er sich dem Frieden verpflichtet fühlt. Sondern auch, weil er sein Land sicherer machen will. Tatsächlich nimmt Amerikas militärische Macht zu mit jeder Atomwaffe, die verschrottet wird. Denn die nicht zur Debatte stehenden konventionellen US-Streitkräfte sind allen möglichen Gegnern weit überlegen.

Gleichzeitig hat Obama mit der Unterzeichnung des neuen Start-Vertrags demonstriert, dass Washington das Atomwaffen-Sperrabkommen von 1968 endlich ernst nimmt. Während Jahrzehnten hatten die USA darauf beharrt, dass die nuklearen Habenichtse gemäss dem Vertrag auf die Bombe verzichten. Ihrer eigenen Verpflichtung dagegen, nämlich die Atomwaffen abzurüsten, sind die Amerikaner – wie auch die Russen – nur sehr zögerlich nachgekommen. Mit dieser Doppelmoral soll nun Schluss sein.

Auch davon können die USA profitieren. Mit dem Tatbeweis von Prag gewinnt Obama die verlorene amerikanische Glaubwürdigkeit zurück: Heute wirkt es nicht mehr so scheinheilig wie früher, wenn die Vereinigten Staaten von Mitgliedern des Atomwaffen-Sperrvertrags wie dem Iran verlangen, auf die Bombe zu verzichten. Ausserdem geraten die amerikanischen Alliierten in Zugzwang, allfällige Sanktionen gegen Vertragsbrüchige mitzutragen. Entfaltet das bereits totgesagte Atomwaffen-Sperrabkommen neue Wirkung, hilft das auch den USA.

Anders als sein Vorgänger, der internationale Verträge ignorierte, hat Obama erkannt, dass er nur mithilfe anderer die Sicherheit Amerikas gewährleisten kann. In der globalisierten Welt stimmen die amerikanischen und die internationalen Interessen auch immer häufiger überein – so wie bei Obamas Vision einer atomwaffenfreien Welt. Der neue Abrüstungsvertrag ist ein erster Schritt in diese Richtung, auch wenn nach wie vor Tausende Sprengköpfe einsatzbereit sind. Sowenig wie die Welt an einem Tag erschaffen wurde, sowenig wird ihre Zerstörung mit nur einem Abkommen verunmöglicht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2010, 04:00 Uhr

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1 Kommentar

Claudio Zanetti

09.04.2010, 10:42 Uhr
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Es ist kaum vorstellbar, dass Herr Münger wirklich realisiert hat, was er in seiner ersten Aussage schreibt. Seiner Logik nach ist es der "Heiligkeit" abträglich, wenn jemand das eigene Land sicherer machen will. Das ist grotesk. Wenn man Obama für etwas loben kann, dann dafür, dass er sein Land sicherer machen will. Er vertaut nicht auf das Geschwätz von "kollektiver Sicherheit". Antworten



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