Leuenbergers falsche Wahl
Von Daniel Friedli. Aktualisiert am 20.01.2010 2 Kommentare
Daniel Friedli.
Es ist gekommen, wie es nach all dem Gezänk irgendwann kommen musste. Post-Präsident Claude Béglé wirft das Handtuch – und hinterlässt einen beschämenden Anblick: eine Post, die ohne fassbare Zukunftsstrategie dasteht, ohne funktionierenden Verwaltungsrat, dafür aber mit einem Konzernchef, der mit der Führung von Post und Postfinance gleich doppelt ausgelastet ist.
Trotzdem ist dieser Schnitt nun der beste Ausweg. Denn auch wenn an seinem schnellen Abgang unlautere Intriganten mitschuldig sind: Béglé war schlicht der falsche Mann für den Job. Nicht, weil er die Debatte über neue Geschäftsfelder und Auslandsengagements lanciert hat. Das sind Fragen, mit denen sich ein Konzern mit schrumpfendem Kerngeschäft und Heimmarkt zwingend beschäftigen muss.
Doch Béglé hat weder gegen aussen noch nach innen je den Eindruck erweckt, dass er passende Antworten hat – geschweige denn, dass er diese umsetzen könnte: Mit seinem forschen Auftritt hat er nie zur Kultur der Post gepasst. Mit seiner wirren Kommunikation hat er mehr Verunsicherung gestiftet als Aufbruchsstimmung geweckt. Und mit seinen undurchsichtigen Bezügen und Zweitjobs hat er das Mass dessen, was sich ein Präsident der staatlichen Post leisten kann, deutlich überschritten.
Es bleibt die Frage: Wieso hat Postminister Moritz Leuenberger dies nicht rechtzeitig gesehen? Gerade der erfahrene Sozialdemokrat hätte doch wissen müssen, dass es für die Leitung eines Service-public-Unternehmens ebenso viel politisches Gespür braucht wie fachliche Erfahrung. Und dass ein ungestümer und egozentrischer Globalisierungs-Prophet da nur Widerstand provozieren wird.
Doch Leuenberger liess sich blenden. Er hob Béglé ins Amt, liess frühe Warnungen aus der Post verpuffen und konnte letztlich nicht mehr anders, als sich mal laut, mal lau hinter seinen Mann zu stellen. Der Zürcher hinterlässt nicht zum ersten Mal den Eindruck eines Magistraten, der sich zu wenig um seine Dossiers kümmert. Er darf sich nicht wundern, wenn die Regierung heute, da er ihr seinen nächsten Kandidaten präsentiert, zweimal nachfragt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.01.2010, 04:00 Uhr
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2 Kommentare
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Richtig, Béglé war die falsche Person. Es wird jetzt wohl hier wieder Kommentare geben, es brauche einen neuen Wind, und Leute mit neuen Ideen hätten es immer schwer, weil ihnen die alte Garde Widerstand entgegensetzt. Dass die Post neue Ideen braucht, ist sicher richtig. Dass aber ein Grossmaul wie Béglé, dem es vor allem um sich selbst geht, die falsche Person für das Amt war, ist auch klar. Antworten
Hasler wird es richten. Er hat versprochen, das Gegenteil von dem zu machen, was er früher propagierte. Im Gegensatz zu Béglé kommt er sympathischer hinüber. Die Post in eine neue Richtung führen wird er nicht. Auch wenn er offenbar noch nie ein derart ausgeklügeltes Strategiepapier gesehen habe......Dabei ist laut Daniel Friedli keine Zukunftsstrategie für die Post vorhanden. Was stimmt wohl??? Antworten
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