Meinung
Kriminalität bekämpft man so nicht
Von Liliane Minor. Aktualisiert am 17.03.2010 11 Kommentare
Weil die Zürcher Polizei in den Augen der SVP die Möglichkeiten des Internets bei der Fahndung nach Einbrechern zu wenig nutzt, hat die Partei die Videobilder eines versuchten Einbruchs selbst ins Netz gestellt.
Wieder einmal beweist die Partei damit zweierlei: Sie hat ein gutes Gespür für die Volksseele – und sie pflegt bei der Suche nach Lösungen weit übers Ziel hinauszuschiessen.
Bilder von Straftätern ins Internet zu stellen, kann sinnvoll sein, wenn es darum geht, Fussballrowdys zu finden, die Pyrofackeln entzünden und damit andere massiv gefährden. Oder wenn ein schweres Verbrechen nicht anders aufgeklärt werden kann. Hingegen geht es entschieden zu weit, die Bilder eines Einbruchsversuchs zu veröffentlichen. Das schrecke mögliche Täter ab, behaupten die Befürworter des Internet-Prangers. Das ist Humbug. In einer Zeit, in der junge Leute die Bilder ihrer Taten selbst ins Netz stellen, könnte sogar das Gegenteil der Fall sein: dass ein Filmchen auf der SVP-Homepage zu einer Art Trophäe wird.
Dafür drohen Unschuldige ins Visier der Hobbyfahnder zu geraten. Man denke nur an jenen Mann, der in Zürich Flyer verteilte und sich kurz darauf im «Blick» mit Bild als angeblicher Drogenhändler denunziert sah. Die Zeitung hatte das Foto aus dem Internet. Damit können Leben zerstört werden: Sind Bilder einmal im Netz, sind sie bekanntlich kaum mehr zu entfernen.
Zu denken geben müsste der SVP schliesslich, dass nicht einmal die Polizei eine vorschnelle Veröffentlichung von Fotos befürwortet, weil es den Erfolg einer Fahndung gefährden kann, wenn die Täter gewarnt sind.
Mit ihrer Selbstjustiz schadet die SVP dem Ruf des Rechtsstaats und seiner Organe. Und sie macht sich zur Wegbereiterin einer Entwicklung, die kaum kontrollierbar ist. Das zeigt das Beispiel der USA: In Florida werden Leute mit Foto veröffentlicht, die bloss ohne Fahrausweis gefahren sind.
Der Verdacht liegt auf der Hand, dass die SVP das billigend in Kauf nimmt – wenn sie so ein Klima der Angst schaffen kann. Denn das nützt ihr politisch mehr als ein Rückgang der Kriminalität. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.03.2010, 04:00 Uhr
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11 Kommentare
Scheint mir auch so, dass die Autorin dieses Artikels es wichtiger findet auf die SVP loszugehen, statt sich des eigentlichen Problems anzunehmen. Und das das ist nun mal die stetig ansteigende Kriminalität und nicht eine ungeliebte politische Partei. Mit konventionellen Methoden kann man dem herschenden Zustand eben nicht mehr Einhalt gebieten. Antworten
Ja genau so muss mann es machen, zuschauen wie Verbrechen begangen werden und die Augen schliessen. Sind eigentlich gewisse Leute total bescheuert ? was soll das. Wir wollen sicher und in Frieden leben aber dafür müssen wir alle mehr Mut zum Handeln haben. Verbrechen sollten sich nie lohnen. Antworten
Es kann nicht sein, dass eine Partei - in diesem Fall die SVP - die Arbeit der Polizei verrichtet. Es würde der Sache jedoch dienen wenn gefasste Täter, ob Holligans, Sprayer, Einbrecher, Schläger etc. für angerichtete Schäden bestraft und v.a. finanziell aufkommen würden und zwar vollumfänglich, notfalls per Lohnpfändung. Es reicht nicht wenn die Personalien aufgenommen werden. Antworten
@Minor: Klar, Pyros sind ein schweres Verbrechen und das Paradebeispiel 1. Pyros sind nur im Fanblock. Wer dorthin geht, weiss was ihn erwartet. 2. Weshalb kräht kein Hahn wenn bei Skirennen massenhaft Pyros inmitten der Zuschauer gezündet werden? 3. Vor 10 Jahren hat sich jeder Fernsehkommentar gefreut wenn Pyros gebrannt haben - danke Medienhetze macht ihr alles was Spass macht kaputt. Antworten
Komisch, wenn das Hetz- und Sexprangerblatt Missliebige wegen Bagatellen an den nationalen Pranger stellt und diese nicht selten beruflich und finanziell hinrichtet, reagiert kaum jemand. Die Verfolgung echter Verbrecher sollte einer quantitativ und qualitativ wieder primaer zur Durchsetzung des Gewaltmonopols, aber dann auch des Eigentumsschutzes ausreichend dotierten Polizei ueberlassen bleiben Antworten
Kriminalität wird leider überhaupt nicht mehr bekämpft. Darum lieber "so" wie die SVP kämpfen und bekämpfen, als zuschauen wie die Richter und Polizisten alles und alle nur wieder laufen lassen. Die SVP macht wenigstens etwas. Alle anderen reden und zerreden. Antworten
Das Problem liegt wohl eher anders gelagert. Mit milden oder sogar nur bedingten Strafen für wiederholt schwere Körperverletzung oder Rasen schadet die Justiz dem Rechtsstaat und seinen Organen - mit eben genau diesen Folgen: Der Selbsthilfe. Der Verdacht liegt auf der Hand, das einmal mehr "gegen die SVP sein" wichtiger erscheint, als sich für die Opfer von Kriminellen einzusetzen. Antworten
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Reto Derungs
Dass Einbrüche von der Polizei nicht mit der gebührlichen Ernsthaftigkeit verfolgt werden, liegt daran, dass die Kuscheljustiz diese Widerhandlung mit Bagatellstrafen belegt. Wer an einem Sportanlass von Fans gefährdet wird, nimmt dieses Risiko mit seiner Teilnahme bewusst in Kauf. Wer schon im Schlaf von Einbrechern überrascht wurde, weiss, wovon die Rede ist. Er wird künftig SVP wählen. Antworten