Gölä, Gioia und Goodbye
Aktualisiert am 25.02.2009 19 Kommentare
Die Karriere von Gölä aus Oppligen bei Thun begann 1998, als die Lieder des bisher unbekannten Mundartrockers auf kleinen Privatradiostationen ein immer grösseres Publikum fanden. Wohin das führte, ist bekannt: Letzten Dezember spielte Gölä zweimal im ausverkauften Hallenstadion.
Die Karriere von Gioia aus Oberwil im Baselbiet hätte auf der grossen Fernsehbühne beginnen sollen. Doch schon in der vierten Show von «MusicStar» war Schluss: Die 16-jährige Schülerin flog aus der Sendung, sehr zum Missfallen von Gölä, der bis Sonntag in der Jury der Castingshow sass. «Ich bin stinksauer», zitierte ihn gestern die «Mittelland Zeitung»: «Ich wollte bei ‹MusicStar› wirklich etwas bewegen, positiv auf die Kandidaten einwirken und etwas zur Talentförderung in der Schweiz beitragen.» Dass ausgerechnet Gioia ausgeschieden sei, die als eines von zwei grossen Talenten dieser Staffel gegolten habe, deute darauf hin, «dass die Qualität der Kandidaten gar keine Rolle mehr spielt». So verärgert war Gölä, das Zugpferd der Sendung, dass er gestern den Bettel hinschmiss, wie das Schweizer Fernsehen am Abend bestätigte. Ersetzt wird der Berner durch die deutsche Sängerin Artemis Gounaki, die man auch als Gesangscoach bei «MusicStar» kennengelernt hat.
War Gölä bei «MusicStar» der richtige Mann am falschen Ort? Der falsche Mann am richtigen? Zweiteres, falls er wirklich geglaubt hat, bei «MusicStar» würden Talente gefördert. Das ist nicht der Fall. Es ist eher umgekehrt: Die Talente – die unter den Teilnehmern gelegentlich tatsächlich auszumachen sind – fördern die Einschaltquote. Mit ihrem Singen, vor allem aber mit ihrem Scheitern. Die Person, die am Ende als Siegerin oder Sieger der Show auf der Bühne steht, ist nur das Nebenprodukt eines Sendekonzepts, das jede Woche unter aufrauschenden Emotionen einen Kopf rollen lässt. Und so etwas sehen wir doch gerne.
Das Drama zählt, nicht die Qualität
Dass «MusicStar» nicht erfunden wurde, um eine vielversprechende Karriere zu lancieren, lässt sich an der Dramaturgie der Sendung leicht ablesen. Am Schluss scheidet nicht etwa aus, wer beim Publikum oder bei der Jury am schlechtesten abgeschnitten hat. Der Thrill wird dadurch gesteigert, dass die Kandidaten selber bestimmen (müssen), wen sie in den Abgrund stossen. Die Abwahl von Gioia am letzten Sonntag hat die intrigante Kunstfertigkeit dieses dramaturgischen Tricks aufs Schönste entlarvt und nebenbei die ganze Sendung ad absurdum geführt: Gioia sei dermassen talentiert, so wanden sich die bereits in die nächste Sendung gewählten Kandidaten, dass sie «MusicStar» gar nicht mehr nötig habe.
Natürlich haben Castingshows wie «MusicStar» die eine oder andere Karriere lanciert wie jene von Christina Aguilera, Stefanie Heinzmann, Paul Potts oder unserem Baschi. In vielen Fällen waren es die Verlierer der Sendung, die sich später im realen Geschäft durchsetzten. Auch das liegt durchaus in der Logik einer Sendung, die das Ungenügen – das gesangliche, das körperliche, das zwischenmenschliche – zu einer grossen Unterhaltungskiste verarbeitet. Zu einem Drama des Scheiterns, das, falls professionell präsentiert, blendend unterhalten kann.
Erstellt: 25.02.2009, 11:29 Uhr
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danke für diesen ausgezeichneten artikel! die kommentare von gölä sind nur heuchlerisch - er wusste schliesslich, auf was er sich da einlässt ... @ danny kinda: die aguilera kann vielleicht energiegeladene "soul"-heuler rausdrücken - das kann sie wirklich gut - aber damit hat sichs dann auch schon ... keine spur von dynamik ... Antworten






