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Eine Spur mehr Stadtgefühl

Von Janine Hosp. Aktualisiert am 10.10.2009
Janine Hosp.

Janine Hosp.

Die Zürcherinnen und Zürcher haben sich so daran gewöhnt, dass ihnen gar nicht mehr auffällt, wie absurd es ist: mitten durch die Bahnhofstrasse, durch Zürichs wichtigste, der Schweiz prominenteste Strasse, eine Stadtautobahn zu legen. Es ist eine vierspurige Bahn, nach Fahrtrichtung aufgeteilt auf Urania- und Sihlstrasse, auf der die Autofahrer ordentlich Gas geben, wenn es endlich grün wird.

Ein paar Planer auf der Suche nach möglichen Fussgängerzonen hatten die Bahnhofstrasse einmal mit anderen Augen betrachtet, und da kam ihnen eine zündende Idee: Man müsste den Verkehr von der Sihlstrasse nur auf die Uraniastrasse umleiten und hätte auf Höhe Jelmoli plötzlich Raum für einen neuen Platz. Den Trülleplatz. Die Pläne sind nicht neu, sie liegen seit bald dreissig Jahren in der Schublade. Jetzt aber ist die Zeit reif dafür. Die Zürcher gehen heute mit ihrer Stadt bewusster um als früher und überlegen sich genau, wo es Strassen braucht – und wo auch etwas Schönes entstehen könnte. Gerade an der Bahnhofstrasse, dem mit Abstand teuersten Pflaster der Schweiz, soll die Stadt dem motorisierten Verkehr nur so viel Platz abtreten wie notwendig.

Schliesslich geht es um mehr als einen Platz – es geht um Zürichs Attraktivität. In den letzten Jahren sind in der Stadt viele schöne Orte entstanden – Pärke, Boulevardcafés, Lounges, manchmal sind es nur zwei hübsche Stühle vor einem Geschäft. Sie verleihen Zürich das Leichtfüssige, Fröhliche, Lebendige, das der Bankenstadt so gut bekommt. Der Trülleplatz wird einer dieser Orte werden.

Autoverbände und Rechtsbürgerliche werden das Terrain allerdings nicht kampflos hergeben. Sie werden wie schon bei Limmatquai und Rennweg um jeden Quadratzentimeter Strasse kämpfen und den Untergang des Gewerbes heraufbeschwören. Das gehört zum Ritual. Wenn die Strasse aber vom Verkehr befreit ist, werden sie merken, dass dies dem Gewerbe gar nicht schadet. Und sie werden in der vordersten Reihe des Boulevardcafés am Trülleplatz sitzen und zufrieden in die Sonne blinzeln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2009, 06:17 Uhr

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