Die üblen Tricks der UBS
Von Robert Mayer. Aktualisiert am 18.11.2009
Robert Mayer.
Endlich sind sie einsehbar: die 90 Tage lang so geheimnisumwitterten Kriterien, anhand deren die Schweizer Behörden prüfen, ob sie die Daten amerikanischer UBS-Kunden an die USA – entsprechend ihrem Amtshilfegesuch – aushändigen. Den Leserinnen und Lesern dieses gut dreiseitigen Papiers tun sich Abgründe auf. Was da an Vertuschungs-, Tarnungs- und Täuschungsmanövern summarisch aufgelistet wird, mit deren Hilfe der amerikanische Fiskus jahrelang ausgetrickst wurde, macht einen fassungslos. Und halten wir uns vor Augen: Die UBS hat dabei nicht einfach nur mitgespielt. Vielmehr ging von ihr in vielen Fällen der Anstoss zu diesen üblen, ja kriminellen Machenschaften aus.
Dabei fühlten sich die involvierten Banker offenbar gedeckt: wenn nicht von ihren Vorgesetzten – die im Zweifelsfall nicht so genau hinschauten –, dann jedenfalls von der Steuergesetzgebung und dem Bankgeheimnis in der Schweiz. Damit ist ein für alle Mal Schluss, nicht zuletzt wegen des dezidierten Auftretens der Amerikaner.
Gewiss, hier hat eine Grossmacht ihre Muskeln spielen lassen und die Schweizer Souveränitätsansprüche nicht immer respektiert. Umgekehrt waren Kooperationsbereitschaft und Engagement unseres Landes gegenüber den amerikanischen Auskunftsersuchen anfänglich alles andere als gross. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie systematisch etwa eine UBS gegen die Interessen des amerikanischen Staats – und wohl auch anderer Staaten – agiert hat, ist der Zorn auf «Bern» nachvollziehbar.
Offenkundig dämmerts auch bei den Schweizer Banken: Steuerumgehungskonstrukte und -praktiken für ausländische Kunden stellen kein zukunftsträchtiges Betätigungsfeld mehr dar. Dass der neue Präsident der Bankiervereinigung, Patrick Odier, erst vor wenigen Tagen seine Branche auf «steuerkonforme Geschäftsmodelle» eingeschworen hat, ist kein Zufall. Die gestern bekannt gewordenen Details zum Steuerstreit UBS–USA machen deutlich: Ohne Abkehr vom Schwarzgeld droht dem «Swissbanking» rund um uns herum ein gravierender Schaden – nicht nur bei der Reputation. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.11.2009, 04:00 Uhr






