Meinung
Die drei Schwächen der Migros
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 15.02.2010
Romeo Regenass.
Morgen stellt Coop die Jahreszahlen vor. Sie werden gut sein: Auch 2009 haben die Basler Marktanteile im Detailhandel gewonnen. Coop-Chef Loosli wird mit Stolz aufs vergangene Jahr schauen.
Die Jahresbilanz fehlt zwar noch, aber von der Migros weiss man, dass sie Umsatz und Marktanteile verloren hat. Im Vergleich zu Coop schwächelt das orange M also – und das nicht zum ersten Mal. Weshalb?
Zunächst ist festzuhalten: Die Migros ist nach wie vor der grösste Akteur im Schweizer Detailhandel. Von dieser Poleposition aus ist Wachstum schwierig. Es ist auch klar, dass die traditionell eher preisbewusste Kundschaft stärker auf die Billigangebote der Discounter Aldi und Lidl anspricht als die klar weniger preissensitiven Kunden von Coop. Deshalb wäre ein Halten des Marktanteils im aktuellen Umfeld schon ein Erfolg.
Dies vorausgesetzt, muss aber auch festgehalten werden, dass die Migros seit Jahren eine Reihe hausgemachter Probleme vor sich herschiebt. Für den lange Zeit praktizierten Rückzug aus den Dörfern und Quartieren etwa erhält die Migros jetzt die Quittung: Wer keinen Migros in der Nähe hat, geht in einen anderen Laden – und das gilt selbst für «Migros-Kinder», die eigentlich noch so gern das soziale Kapital unterstützen würden, wie es früher hiess. Neue Kombi-Standorte mit Denner sind eine Antwort darauf. Nur braucht das Zeit.
Zweite Schwachstelle ist die dezentrale Struktur. Das Programm «Aus der Region. Für die Region» ist eine gute Sache, kein Zweifel. Aber die zehn regionalen Genossenschaften haben zu viel Gewicht und verhindern eine echte nationale Strategie. Einzelne Regionen machen ihren Job sehr gut, andere schwächeln – doch die Zentrale in Zürich greift nicht ein, ihr fehlen die Mittel dazu.
Drittes Manko: Der Migros mangelt es an Verbindlichkeit. Anfang 2009, als neben Aldi auch Lidl Läden zu eröffnen begann, wollte man M-Budget eigentlich stutzen und nicht mehr bewerben. Stattdessen wurde die Billiglinie ausgebaut, derzeit läuft eine Kampagne. Nichts dagegen: Eine Perle wie M-Budget gibt man nicht einfach auf. Aber an Konsistenz in Strategie und Kommunikation muss die Migros noch zulegen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.02.2010, 04:00 Uhr
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