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Die Lehren sind richtig, kommen aber zu spät

Von Bruno Kaufmann. Aktualisiert am 06.01.2010 2 Kommentare
Bruno Kaufmann.

Bruno Kaufmann.

Lehren ziehen aus vergangenen Fehlern. Dies haben sich in den letzten zwölf Monaten die Isländerinnen und Isländer auf ihre Fahnen geschrieben. Nach dem Fast-Staatsbankrott sollte die grosse Krise dazu genutzt werden, das kleine, aber feine Land zwischen Europa und Amerika wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch für das 21. Jahrhundert fit zu machen.

Nach einem erfolgreichen Volksaufstand gegen eine korrupte Politikergilde und der Vertreibung der unverantwortlichen Finanzwikinger wählte Island erstmals eine links-grüne Regierung an die Macht. Wirtschaftlich und gesellschaftlich wollte sich das Land auf seine wirklichen Stärken besinnen: natürliche Rohstoffe, gute Ausbildung und die kollektive Bereitschaft, sich aktiv an der Globalisierung zu beteiligen.

Politisch entschied sich das Land, seine Verfassung mit direktdemokratischen Volksrechten auszustatten und mit der Europäischen Union Beitrittsverhandlungen aufzunehmen.

Nun zeigt sich aber, dass es vielleicht schon zu spät war für einen echten Neubeginn nach dem grossen Crash. Die Weigerung des isländischen Staatspräsidenten Olafur Ragnar Grimsson, das vom Parlament knapp verabschiedete Rückzahlungsgesetz zu unterzeichnen, schafft eine grosse Unsicherheit. Denn von diesem Gesetz, das Islands Steuerzahlern unbefristete Bürden auflädt, hängt es ab, ob die derzeit blockierten ausländischen Hilfsgelder wieder fliessen können und ob die angestrebten EU-Beitrittsverhandlungen überhaupt begonnen werden können.

Die zu erwartende Ablehnung der Vorlage in der ersten Volksabstimmung in der Geschichte des Landes dürfte die Isolation des Inselstaates weiter verschärfen. Denn im Unterschied zum Kalten Krieg, als das Nato-Gründungsmitglied Island auf die Unterstützung der USA zählen konnte, stossen die berechtigten Interessen des noch vor kurzem wohlhabendsten Volkes der Welt heute auf wenig Verständnis.

Die wohl richtigen Lehren, die Island aus der grossen Krise gezogen hat, kommen zu spät. Die Zukunft des einstigen Erfolgsmodells Island ist ungewisser denn je. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.01.2010, 11:06 Uhr

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2 Kommentare

Adrian Engler

06.01.2010, 12:32 Uhr
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Warum soll der isländische Staat dazu verpflichtet werden, für die Verpflichtungen privater isländischen Banken im Ausland aufzukommen, während z.B. die USA nicht für die Verpflichtungen von US-Banken aufkommen? Island ist kleiner als die USA und kann leichter unter Druck gesetzt werden. Es geht um Einlagen bei in Grossbritannien und den Niederlanden zugelassenen und überwachten privaten Banken. Antworten


Holger Meyer

06.01.2010, 16:44 Uhr
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Die isländische Regierung hat die Banken verstaatlicht. Sie hat Aktiva UND Passiva übernommen. Ich verstehe nicht, wie jemand auf die Idee kommen kann, die Schulden der Banken könnten einfach unter den Tisch fallen! Hätte man die isländischen Banken in den Bankrott gehen lassen, ginge das. Man kann sich natürlich auch Argentinien zum Vorbild nehmen ... Antworten



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