Der ruhende Pol in unruhigen Zeiten

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 21.01.2010
Romeo Regenass.

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Auf den ersten Blick hat man als Beobachter nicht das Gefühl, dass Bundesrat Moritz Leuenberger mit der Wahl von Peter Hasler als Nachfolger von Claude Béglé der grosse Wurf gelungen ist. Der frühere Direktor des Arbeitgeberverbandes hat in letzter Zeit kaum von sich reden gemacht. Im Zusammenhang mit der Post ist Hasler schon gar nie gross in Erscheinung getreten.

Doch gerade Letzteres kann ein Vorteil sein. Die Gefahr, dass sich ein Präsident zu stark ins Tagesgeschäft mischt, ist viel geringer, wenn dieser die Branche nicht kennt. Und einen zweiten Béglé, der am liebsten Chef gewesen wäre, kann sich die Post nicht leisten.

Aus Sicht einer guten Unternehmensführung muss der Verwaltungsratspräsident nicht zwingend in der Branche zu Hause sein. Viel wichtiger ist die Fähigkeit zum konzeptionellen und strategischen Denken – und die bringt Hasler mit. Für das nötige Branchenknowhow müssen die Mitglieder des Verwaltungsrats sorgen – genauso, wie es Sinn macht, Persönlichkeiten mit Erfahrung in Finanz-, Personal- oder Auslandfragen im Gremium zu haben. Oder auch einen Advocatus Diaboli, der die unangenehmen Fragen stellt.

Für Hasler sprechen sein politisches Gespür, sein Realitätssinn, seine Nähe zum Volk. So bekundete er auch als Arbeitgeberpräsident Mühe mit den überrissenen Salären einiger Topmanager. Die soziale Verantwortung des Unternehmertums ist für ihn mehr als eine Floskel.

Im Spitalrat des Universitätsspitals Zürich, den er präsidiert, soll Hasler nicht sonderlich viel bewegt haben. Doch bei der Post, für die derzeit ein neues Gesetz ausgearbeitet wird, bewegt sich in nächster Zeit von allein viel. Die Aufteilung in Aktiengesellschaften steht bevor, das wird nicht ohne Nebengeräusche abgehen. Die Strategievorgabe des Bundes, welche die Erschliessung neuer Einnahmequellen im Ausland umfasst, wird weiterhin zu reden geben.

In solch unruhigen Zeiten ist es ganz gut, wenn die Post mit Hasler einen ruhigen Pol erhält. Ihm und dem neuen Chef Jürg Bucher ist zuzutrauen, die Post in ruhigere, aber dennoch rentable Gewässer zu führen. Als kooperatives Team, nicht als Kontrahenten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.01.2010, 04:00 Uhr

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