Der Cisalpino leidet an mehr als einem Neigezug-Problem
Von René Lenzin, Lugano. Aktualisiert am 03.02.2009 1 Kommentar
René Lenzin.
Der Ärger über den Cisalpino wächst und wächst. Immer mehr Reisende haben genug von den pannenanfälligen und chronisch verspäteten Zügen im Bahnverkehr zwischen Italien und der Schweiz. In einer nicht repräsentativen Online-Umfrage von Pro Bahn Schweiz, einer Kunden-Lobby des öffentlichen Verkehrs, haben sich unlängst 70 Prozent von über tausend Bahnkunden dafür ausgesprochen, die Zusammenarbeit zwischen den SBB und der italienischen Staatsbahn Trenitalia sofort zu beenden. Nun scheint auch den Schweizer Behörden der Kragen geplatzt zu sein. Verkehrsminister Moritz Leuenberger und das Bundesamt für Verkehr haben der Cisalpino AG übers Wochenende mit dem Entzug der Konzession gedroht.
Im Zentrum der Kritik stehen die Neigezüge vom Typ ETR 470, die seit ihrer Inbetriebnahme vor gut zwölf Jahren nie tadellos funktioniert haben. Tatsächlich sind diese unzuverlässigen und wenig komfortablen Pendolini ein wesentlicher Grund für die chronischen Probleme der Cisalpino AG. Aber sie sind bei weitem nicht der einzige. Ebenso gravierend sind die grundsätzlichen Mängel im italienischen Bahnsystem sowie das geringe Engagement von Trenitalia für das Gemeinschaftsunternehmen Cisalpino.
Die Bahninfrastruktur in Norditalien und vor allem im Grossraum Mailand ist hoffnungslos veraltet und überlastet. Zwar haben Trenitalia und der italienische Staat in den vergangenen Jahren Milliarden ins Prestigeobjekt der Hochgeschwindigkeitszüge investiert. Der bestehenden Infrastruktur haben sie dafür umso weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Deren eklatante Mängel bekommen Abertausende von Pendlern tagtäglich in Form unappetitlicher, überfüllter und verspäteter Regionalzüge zu spüren. Nicht viel besser sieht es für die Cisalpino-Passagiere auf dem Weg Richtung Simplon oder Gotthard aus.
Die Cisalpino-Züge haben bei der Ein- und Ausfahrt im Bahnhof Mailand lediglich dritte Priorität. Sie müssen nicht nur den Hochgeschwindigkeitsflitzern den Vortritt lassen, sondern auch dem Regionalverkehr. Mit dem Ergebnis, dass sie selbst dann Verspätung haben, wenn sie pannenfrei unterwegs sind. Das italienische Zugpersonal ist nur selten gewillt, jenen Dienstleistungsstandard zu erbringen, den die Passagiere aus der Schweiz gewohnt sind. Häufig wartet man südlich von Chiasso vergeblich auf Auskünfte zu verspäteten oder ausgefallenen Zügen, von Entschuldigungen nicht zu reden.
Es wäre blauäugig, anzunehmen, alle Probleme seien mit den neuen Neigezügen gelöst, die ab Juni in Betrieb gehen sollen. Selbstverständlich kann es nur besser werden, wenn diese ETR 610 auch nur halb so gut sind, wie die Cisalpino AG verspricht. Weniger umsteigen, weniger Pannen und – hoffentlich – weniger defekte Toiletten und Türen wären bereits ein erheblicher Fortschritt.
Die grundsätzlichen Unzulänglichkeiten im italienischen Bahnsystem und die unterschiedlichen Betriebskulturen der beiden Betreibergesellschaften lassen sich aber auch mit den modernsten Zügen nicht aus der Welt schaffen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.02.2009, 09:09 Uhr
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1 Kommentar
CISALPINO ist auch VIEL-VIEL TEURER ! wer die kleine Muehe nimmt und nur ein Billett nach Chiasso kauft, dort dann ein rein innerschweizerisches oder inneritalienisches Billett kauft, spart bei gewissen Strecken bis zu 50% des Fahrpreises! auch wird am Schalter in Mailand das Halbtax fuer CH-Streckenabschnitt oft NICHT anerkannt, es gebe nur PAUSCHALTARIFE nach CH! kurzum, schliesst Cisalpino! Antworten
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