Meinung

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Als Geldvernichterin ist die Schweizer Armee zum Fürchten

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 23.10.2010 5 Kommentare

Thomas Widmer

Umfrage

Teilen Sie die Meinung des Autoren?

Ja

 
82.5%

Nein

 
17.5%

57 Stimmen


Gestern berichtete diese Zeitung über ein «Kasernengespräch» von Verteidigungsminister Ueli Maurer mit der Presse. Der Artikel führte direkt in eine Welt des Kuriosen. Nur schon die Sache mit dem neuen Strichcodesystem in den Zeughäusern. Die Lesegeräte funktionierten schlecht, klagte Maurer; pro Minute könne man nur zwei Gegenstände einscannen. «Stellen Sie sich das an einer Migros-Kasse vor», fuhr der Bundesrat fort.

Ist das nur ein Einzelfall, wie er auch anderswo in der Verwaltung passieren könnte? Nun, in der Armee häufen sich die Absurditäten, dass man meint, Kafka sei in leitender Funktion tätig. Das 800-Millionen-Franken-Computersystem FIS taugt wenig. Ein hochmodernes Geheimbunkersystem mit Minenwerferkanonen ist wenige Jahre nach Fertigstellung überholt. Und in einem Walliser Stollen stehen 400 ausrangierte Schützenpanzer, die man vergass und jetzt wieder «fand».

All das erinnert an Friedrich Dürrenmatt. Der grosse Berner Dramatiker und Schriftsteller sah in der Schweizer Armee eine eigene Kraft am Werk, eine Mischung aus Bürokratenpedanterie und Wahnsinn. Dürrenmatt zeichnete uns Eidgenossen als Tunnelfetischisten und Sicherheitsfanatiker und unsere Armee als Groteske. Er formulierte die Diagnose: «Der Friede ist das Problem, das wir zu lösen haben.»

Das heisst für unser Militär: Es hat ein Problem, weil es nie ein Problem hatte. Oder auch: Es hat Unglück im Glück. Seit dem Sonderbundskrieg 1847 gab es hierzulande keine kriegerischen Auseinandersetzungen mehr. Dies hat Folgen. Das VBS, das Verteidigungsdepartement, befindet sich in einer endlosen Projektierungsphase. Durch die Wirklichkeit ist es nur bedingt gefordert. Genau deshalb ist es über die Jahrzehnte zum Wolkenkuckucksheim geworden.

Andere Departemente waren und sind permanent mit den brennenden Angelegenheiten der Gegenwart beschäftigt, wie zum Beispiel: Sicherung der Sozialwerke. Zukunft der Energieversorgung. Raumplanung in einer Ära des steigenden Siedlungsdruckes. Stützung und Stärkung des öffentlichen Verkehrs bei gleichzeitig wachsendem Sparzwang.

Solche Dinge halten ihre Verwalter auf Trab, sowohl die Politiker als auch die Chefbeamten. Und sie fesseln diese Leute an die Realität. In der Armee allerdings wirken andere Mechanismen. Auf Distanz zum Ernstfall geblieben, durch ewigen Frieden geschlagen, läuft dieser unterforderte Grossapparat Gefahr, sich ins Abstrakte zu verirren. Der Dadaismus ist ihm eingeschrieben, und aus dem Schaden seiner Fehlplanungen wird er nicht unbedingt klug.

Gleichzeitig stellt die Armee ein kostspieliges Gesamtkunstwerk dar. Insgesamt 10'000 alte Festungen und Immobilien wolle man, so Ueli Maurer während seiner Generalbeichte, in der nächsten Zeit liquidieren. Gegen eine Milliarde Franken dürfte das kosten. In dieser Hinsicht ist die Schweizer Armee wirklich Spitze: Sie ist eine grandiose Geldvernichterin. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.10.2010, 21:41 Uhr

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

5 Kommentare

Uwe Brock

23.10.2010, 07:47 Uhr
Melden

Ein elementarer Unterschied zwischen "Demokratisch" verwalteten Systemen verus Privatrechtlichen ist wohl gerade die Möglichkeit das Unfug an's Tageslicht kommt. Bei Privatrechtlichen hat man keinerlei Rechte und erfährt somit auch nie was dort alles für Fehlentscheidungen getroffen und unter den Teppich gekehrt werden. Es liegt an uns mit welchen Mitsprache-Rechten wir ausgestattet sein wollen. Antworten


Muriel Ammann

23.10.2010, 09:09 Uhr
Melden

Alle wissen Bescheid über die abartige Verschwendung von Steuergelder durch das Militär. Aber das ist schon seit x Jahren so und alle reden nur immer über diese Tatsache! Ich verstehe nicht, warum dem nicht endlich ein Ende gesetzt wird! Es ist echt zum Verzweifeln, wenn man sich zu viele Gedanken über die Strategien des Militärs macht! Antworten



Umfrage

Waren Sie schon mal in einem Pfingstlager?




Telefonbuch

Marktplatz

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.