Affront erster Güte

Von Roland Drenkelforth. Aktualisiert am 10.03.2010

«Bei der Schadaugärtnerei stösst man die Gegner derart vor den Kopf, dass ein Weiterzug der Einsprachen an die kantonale Baudirektion logisch ist.»

Roland Drenkelforth

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Im Dürrenast-Quartier ist der Unmut gross, insbesondere bei den 50 Einsprechern gegen die geplante Überbauung Schadaugärtnerei. Gemeinderätin Ursula Haller (BDP) erteilte in ihrer Funktion als Vorsteherin der Direktion Bildung und Entwicklung die Baubewilligung für das Grossprojekt. Was die Gegner der Überbauung vollends auf die Palme bringt, ist aber der Verzicht auf die Einspracheverhandlungen. Die Begründung von Bauinspektor Rudolf Tschan lautete: «Auf Grund der Sachlage war es unwahrscheinlich, dass eine Lösung hätte gefunden werden können.»

Dieses Vorgehen des Duos Haller und Tschan ist äusserst unsensibel und für ein Bauprojekt dieser Grösse ein Novum in Thun. Auch bei umstrittenen Projekten wie dem Stadion Thun Süd oder dem geplanten Lachenhotel wurden Einspracheverhandlungen durchgeführt. Die Gegner wurden ernst genommen. Bei der Schadaugärtnerei stösst man die Gegner nun derart vor den Kopf, dass ein Weiterzug der Einsprachen an die nächst höhere Instanz (kantonale Baudirektion) die logische Folge ist.

Klar gibt es bei einem Grossprojekt immer auch Gegner, welche nicht kompromissbereit sind. Aber es gibt auch solche, die zu einer massvollen Überbauung Hand bieten. Die Kritik an der Gebäudehöhe gegenüber dem Schadaupark mit drei Geschossen plus Attikawohnung ist durchaus berechtigt.

Schuld an der verfahrenen Situation ist letztlich die kantonale Baudirektion von Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer. Der Kanton als Landbesitzer zeigte sich bisher stur was den Landpreis betrifft. Er drohte bereits mit Entschädigungsforderungen, falls das Projekt verkleinert würde. Wären die Forderungen weniger hoch, hätte der Investor auch mehr Spielraum in der Gestaltung. Eines ist klar: Ohne eine minimale Rendite findet sich kein Investor. Und ohne Investor wird das Land in der Schadau weiterhin brach liegen und die Stadt von zahlungskräftigen Steuerzahlern träumen. Denn eine Nulllösung für die Schadaugärtnerei ist auch keine Lösung.

> (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 10.03.2010, 10:30 Uhr

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