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Tschäppäts Exit-Strategie im letzten Moment

Aktualisiert am 22.06.2011 184 Kommentare

«Exakt 77 Tage liess die rot-grüne Berner Stadtregierung die AKW-Gegner vor dem BKW-Hauptsitz am Viktoriaplatz auf städtischem Boden illegal demonstrieren und campieren.»

Peter Jost, stellvertretender Chefredaktor.

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In dieser Zeit feierten die Anti-AKWler Konzerte, veranstalteten Picknicks und installierten sich eine Infrastruktur, die jedem offiziellen Campingplatz gut anstehen würde.

Nach 77 langen Tagen setzte die Polizei mit der Räumung in der Nacht auf gestern dem Spuk im Sinne der Rechtsgleichheit endlich ein Ende. Denn die Aktion, für die man zu Beginn sogar Sympathie entwickeln konnte, wurde über die Wochen zu einem lächerlichen Katz-und-Maus-Spiel zwischen AKW-Aussteigern und den Verhandlungsführern der Stadtregierung. Spätestens Anfang Juni, als nach dem Bundesrat auch der Nationalrat den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hatte, wäre für die Aktivisten der Zeitpunkt gewesen, die Zelte vor der BKW abzubrechen.

Bezüglich Timing haben nicht nur die AKW-Gegner versagt. Auch die Stadtregierung hat ein kümmerliches Bild abgegeben. Statt den Aktivitäten der Camper von Beginn weg verbindliche Grenzen zu setzen, liess sich der rot-grüne Gemeinderat die Sache entgleiten. Solange der bürgerliche Sicherheitsdirektor Reto Nause das Dossier zu verantworten hatte, konnte sich Alexander Tschäppät mit der links-grünen Mehrheit im Gemeinderat darauf konzentrieren, aus dem Hintergrund Nauses Bemühen um eine Räumung zu verhindern. Erst als Nause Mitte Mai die Nase voll hatte und sich ausklinkte, wurde es vorab für den Stadtpräsidenten langsam ungemütlich.

Vieles deutet darauf hin, dass der Gemeinderat mit der Räumung in der Nacht auf gestern den letztmöglichen Zeitpunkt für ein Ende mit Schrecken gewählt hat. Denn spätestens morgen Abend in der Stadtratsdebatte hätte er – nach wochenlangem Schweigen – Farbe zu seiner Position bekennen müssen. Diese ungemütliche Erfahrung wollte sich Tschäppät offensichtlich ersparen. Dass er damit den Zorn der AKW-Gegner auf sich gezogen hat, damit muss er leben.

peter.jost@bernerzeitung.ch

Erstellt: 22.06.2011, 06:42 Uhr

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184 Kommentare

Gaby Iseli

21.06.2011, 09:09 Uhr
Melden 39 Empfehlung

Hoffentlich werden die Kosten der Polizei, Feuerwehr, etc. bis hin zur Neubepflanzung nach dem Verursacherprinzip unter den Demonstranten aufgeteilt. Die Adressen sind ja notiert.!!! Antworten


urban fasel

21.06.2011, 08:36 Uhr
Melden 38 Empfehlung

Recht so. Endlich.
«Wir haben niemals mit einer Aktion dieser Art gerechnet». Von wegen. Bei solchen Aktionen muss man doch damit rechnen. Jetzt sind die armen schockiert. Vermutlich lässt man die Aktivisten nun noch ein CareTeam betreuen.
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